Stephan Siegrist: Eine neue Nordwand ruft

Ringgenberg

Am Dienstag fliegt Stephan Siegrist nach Delhi ab. Sein Ziel: die Erstdurchsteigung der Bahai-Jar-Nordwand. Die zwei Tage Anmarsch zum Berg sind gegenüber vergangenen Expeditionen geradezu Entspannung.

Der Berg der Begierde: Der Bahai Jar (6142 m). Über die rot eingezeichnete Route durch die Nordwestwand wollen Stephan Siegrist und Jonas Schild ­aufsteigen. Gelb eingezeichnet die Route der Erstbesteiger.

Der Berg der Begierde: Der Bahai Jar (6142 m). Über die rot eingezeichnete Route durch die Nordwestwand wollen Stephan Siegrist und Jonas Schild ­aufsteigen. Gelb eingezeichnet die Route der Erstbesteiger.

(Bild: Stephan Siegrist)

Bruno Petroni

Er ist längst bekannt dafür, seine Projektberge nach ihrer Ästhetik und Abgeschiedenheit auszulesen: Stephan Siegrist (45), der Berufsalpinist aus Ringgenberg, bricht am Dienstag zu seiner neunten Indienreise auf.

Im Fokus den 6142 Meter hohen Bahai Jar – auch Shiva genannt – im Himachalgebirge. «Als ich letztes Jahr anlässlich der Erstbegehung der Nordwand am Kisthwar den knapp hundert Kilometer weiter östlich gelegenen Bahai Jar sah, wusste ich sofort, dass ich mir diesen Granitzahn eines Tages vornehmen werde.»

Zur Erstdurchsteigung der senkrechten Nordwand, und erst noch im Alpinstil – also ohne technische Hilfsmittel –, schloss sich Siegrist mit Jonas Schild zusammen. Der 26-jährige Berner mit Hasliberger Wurzeln steckt mitten in der Ausbildung zum Bergführer; für ihn ist es nach Pakistan im letzten Jahr die zweite grosse Expedition.

Der Bahai Jar wurde bisher erst zweimal bestiegen: Eine japanische Expedition schaffte die Erstbesteigung über den riesigen Gletscher auf der Südflanke, und ein paar Briten durchstiegen den Ostpfeiler erfolgreich. Die 1800 Meter hohe Nordwestwand ist bisher unberührt.

«Der Zugang zur Felswand ab dem Bergdorf Killar ist zwei Marschtage lang, was angesichts anderer vergangener Expeditionen bequem kurz ist. Und wir können sogar unsere Bikes mitnehmen», freut sich Stephan Siegrist, bei welchem eben auch der Spass nicht zu kurz kommen soll. «Wir machen sicher ein paar Akklimatisationstouren; vielleicht besteigen wir auch den Sarsank – einen weiteren, nahe gelegenen Sechstausender.»

Viele Informationen über die Umgebung haben die beiden Bergsteiger nicht. Doch gerade das ist es ja, was Siegrist immer wieder in die abgelegenen Gegenden zieht.

Berner Oberländer

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