Streit um Grimsel-Staumauer geht weiter

Innertkirchen

Die Naturschutzorganisationen ziehen vor Bundesgericht und setzen dabei genauso auf ein Grundsatzurteil wie die KWO: Naturschutz oder Wasserkraftnutzung.

23 Meter möchten die Kraftwerke Oberhasli die Grimsel-Staumauer erhöhen.

23 Meter möchten die Kraftwerke Oberhasli die Grimsel-Staumauer erhöhen.

(Bild: Archiv/Bruno Petroni)

Mit seinem Urteil vom 25. Mai hat das Verwaltungsgericht des Kantons Bern die Erhöhung der Grimsel-Staumauer für zulässig erklärt. Nun haben die Naturschutzorganisationen Aqua Viva und Schweizerische Greina-Stiftung mit Unterstützung des Grimselvereins gegen das Urteil Beschwerde beim Bundesgericht eingereicht. Der Konflikt um die Wasserkraftnutzung unterhalb des Unteraargletschers geht damit in die nächste Runde.

«Durch die Erhöhung der Grimsel-Staumauer kann über das Jahr hinweg nicht mehr Energie produziert werden. Sie bedeutet aber den Verlust seltener Lebensräume und einer einzigartigen Berglandschaft. Ein solches Ungleichgewicht in der Interessenabwägung des Verwaltungsgerichts Bern zugunsten der Wasserkraftnutzung ist inakzeptabel», wird Benjamin Leimgruber, stellvertretender Geschäftsführer von Aqua Viva, in einer am Mittwoch veröffentlichten Mitteilung der Organisation zitiert. Mit der Beschwerde beim Bundesgericht wollen Aqua Viva und die Schweizerische Greina-Stiftung mit Unterstützung des Grimselvereins das Projekt nach eigenen Angaben stoppen.

Wertvolle Biotope gefährdet

Das Gebiet um den Grimsel-Stausee gehört laut Mitteilung zum Vorfeld des Unteraargletschers und ist Teil des Gebiets «Berner Hochalpen und Aletsch-Bietschhorn-Gebiet», das zum Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN) zähle. Abgesehen vom Stausee, welcher knapp 20 Prozent des Gletschervorfelds bedecke, sei das Gebiet nahezu unberührt.

Die von den Kraftwerken Oberhasli (KWO) geplante Erhöhung der Grimselstaumauer um 23 Meter hebt den Seespiegel und flute laut Mitteilung «wertvolle Moorbiotope sowie teilweise jahrhundertealte Arven». Das bis zu 80 Jahre alte Gletschervorfeld würde komplett zerstört. Solch schwerwiegende Beeinträchtigungen in BLN-Gebieten sind nur zulässig, wenn ein gewichtigeres Interesse von nationaler Bedeutung vorliegt. Ein solches stellte das Verwaltungsgericht des Kantons Bern in seinem Urteil vom 25. Mai fest. Das ausgeprägte nationale Interesse an der Nutzung und am Ausbau erneuerbarer Energien rechtfertige die mit der Erhöhung verbundenen Eingriffe in die Landschaft.

KWO wollen Klarheit

Für Daniel Fischlin, CEO der Kraftwerke Oberhasli, kommt der Schritt der Naturschutzverbände nicht überraschend. «Ich habe damit gerechnet», erklärte er gestern. Es gehe nun um eine grundsätzliche Abwägung, was als wichtiger angesehen werde: der Umweltschutz oder die Wasserkraftnutzung, die Fischlin im nationalen Interesse sieht. Dem Urteil des Bundesgerichts sieht er gelassen entgegen: «Wir haben bei diesem Projekt keine Eile. Viel wichtiger ist, dass wir anschliessend Klarheit haben.»

Die Erhöhung der Staumauer beschäftigt Behörden, Gerichte und Naturschutzverbände seit vielen Jahren. Aqua Viva und andere Naturschutzorganisationen legten bereits 2012 Beschwerde gegen das Projekt ein, scheiterten aber letztlich vor dem Bundesgericht.

Berner Oberländer

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