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«Thun hat eine grosse Chance»

Polizeidirektor Hans-Jürg Käser sprach am Dienstag in Thun über Hooligans, Videoüberwachung und zu viel Polizei an Sportanlässen. Er riet den Behörden dringend, beim Stadionbau Thun-Süd punkto Sicherheit mitzumischen.

Hooligans – ein Wort, das friedliebende Menschen schaudert. Diese Rüpel nennen sich «Fans». Sie kommen an Fussball- und Eishockeymatches. Aber nicht wegen des Spiels. Sie wollen prügeln, Ärger machen und Pyros zünden, die 2500 Grad heiss werden. «Zwei Prozent der gesamten Fans sind gewaltbereit», sagte Hans-Jürg Käser, Regierungsrat und Polizeidirektor des Kantons Bern (Bild). Die Leidtragenden sind die restlichen 98 Prozent. Kinder. Väter und Mütter. Die wahren Fans. Und die Polizei. «Ich bin schlicht nicht mehr bereit, zuzuschauen», sagte Käser am Dienstagabend im Hotel Restaurant Krone in Thun. Er hielt bei der Staatsbürgerlichen Gesellschaft Thun (Stabü) ein Referat zum Thema «Sicherheit und Krawalle bei Sportanlässen». Im Publikum sassen Thuns Sicherheitsvorsteher Peter Siegenthaler und Erwin Rohrbach, Abteilungsleiter Sicherheit. Sie klinkten sich in die Diskussion ein. Angesichts des Stadionbaus Thun-Süd und der hohen Polizeipräsenz an FC-Thun-Matches interessierte sie das Thema. An Matches: Zu viel Polizei Die Kosten für die Sicherheit an Sportanlässen seien im Kanton Bern rasant angestiegen. 2002 waren es laut Käser 200000 Franken, 2008 bereits 2,8 Millionen Franken. Tendenz: steigend. In anderen Ländern würden 25 Sicherheitskräfte reichen, um die Gefahr, die von gewaltbereiten Fans ausgeht, zu bannen. «An Hochrisikospielen wie etwa FC Thun - FC Zürich braucht es 250, 350 oder noch mehr Polizisten», sagte Käser. Das seien deutlich zu viele. «Wir müssen es dahin bringen, dass 20 bis 50 reichen.» Käser nimmt die Stadt und den FC Thun in die Pflicht. Die Stadt Thun hat Ressourcenverträge mit der Kantonspolizei Bern. Ausserhalb des Stadions muss letztgenannte für Sicherheit sorgen. Dafür gibt die Stadt jährlich 3,5 Millionen Franken aus. «900000 Franken davon verursacht der FC Thun», sagte Sicherheitsvorsteher Peter Siegenthaler. «Das ist enorm viel.» Käser will, dass sich die Sportclubs – auch der FC Thun – an den Sicherheitskosten beteiligen. «Die Stadt darf nicht gehemmt sein, die Clubs um einen Beitrag anzugehen.» Vorbild: Stadion Antwerpen Als Vorbild punkto Sicherheit nennt Polizeidirektor Käser das Stadion von Antwerpen in Belgien. Es fasst 12000 Zuschauer. Ein Aufgebot von 25 Polizisten reiche. Es gebe klare Regeln, die konsequent umgesetzt würden: keine Getränke, keine Pyros, keine grossen Fahnen und andere Gegenstände. «Wir brauchen in der Schweiz keine neuen Gesetze, aber wir müssen die bestehenden unbedingt konsequenter durchsetzen», mahnte Käser. Hooligans müssten härter angepackt, Stadionverbote rigoros eingehalten werden. Nachsicht sei falsch. Mehrere Votanten aus dem Publikum befürworteten in der Diskussion zudem, dass in Stadien künftig kein Alkohol mehr ausgeschenkt wird. Kameras: Pro und Kontra Regierungsrat Käser hält Videoüberwachung im öffentlichen Raum, wie sie in Thun an neuralgischen Punkten getestet werden soll, für einen Gewinn. Erwin Rohrbach, Leiter der städtischen Abteilung Sicherheit, äusserte dazu Bedenken: «Wenn die Hooligans merken, dass ausserhalb des Stadions Kameras aufgestellt sind, gehen sie aus dem Bild und machen dort Ärger.» Ausserdem sei es schwierig, aus dem Videomaterial rechtsgenügliche Beweise für eine Verurteilung der Täter abzuleiten. Rohrbach wünscht sich bei der Beurteilung der Beweise mehr Grosszügigkeit seitens der Justiz. «Sonst wird es nur noch schwieriger, die Täter zu überführen.» Thun-Süd: Stadt gefordert Beim Stadionbau Thun-Süd müssten die Behörden auf die Bauherrschaft Einfluss nehmen, forderte Käser. «Die Stadt hat jetzt die grosse Chance, das Sicherheitskonzept mitzubestimmen.» So sei eine denkbare Lösung, dass die gegnerischen Fans in Zukunft mit einem Car direkt in den Fansektor geschleust und nach dem Match wieder auf den Heimweg gebracht werden. Wie es in Antwerpen der Fall ist, könnte die Polizei den Tross eskortierten. «Damit könnten viele Polizeiressourcen ausserhalb des Stadions eingespart werden», sagte Käser. Dino Dal Farra>

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