21 Kandidierende, 5 Sitze – und eine spannende Ausgangslage

Thun

Am 30. November wählen die Thuner den neuen Gemeinderat. Die Ausgangslage ist nach dem angekündigten Rücktritt von Ursula Haller (BDP) spannend. SVP-Präsident Reto Schertenleib komplettiert die Liste der 21 Kandidierenden.

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Klar ist: BDP-Politikerin Ursula Haller, die Thun in den letzten Jahren politisch stark mitgeprägt hat, tritt am 30. November nicht mehr zu den Gemeinderatswahlen an. Klar ist auch: Ihre vier Kolleginnen und Kollegen – Stadtpräsident Raphael Lanz und Roman Gimmel von der SVP, Marianne Dumermuth und Peter Siegenthaler von der SP – wollen es nochmals wissen und steigen als (Mit-)Favoriten ins Rennen. Daneben wurden in den letzten Monaten 17 weitere Kandidatinnen und Kandidaten vorgestellt, mit denen BDP, FDP, Fraktion der Mitte, Grüne, SP und SVP antreten. Jetzt steht fest, dass der dritte SVP-Kandidat Reto Schertenleib heisst – «unter Vorbehalt der Nomination durch die Parteiversammlung», betont Wahlleiter Ueli Jost. Schertenleib, Thuner SVP-Präsident und seit 2011 Mitglied des Stadtrats, hat laut Jost «absolut das Potenzial zum Gemeinderat» und sei überhaupt kein Lückenbüsser.

Damit stehen die 21 Kandidatinnen und Kandidaten der arrivierten Thuner Parteien fest – doch wie steht es um deren Ziele und Wahlkampfthemen?

SVP: Dritter Sitz «würde der Strategie widersprechen»

«Es ist ganz klar unser Ziel, die zwei Sitze zu behalten. Deshalb haben wir die beiden bisherigen Gemeinderäte kumuliert», sagt SVP-Präsident und Gemeinderatskandidat Reto Schertenleib. Seine Partei wolle einen bürgerlichen Gemeinderat, aber ein dritter SVP-Sitz wäre «vermessen und würde unserer Strategie widersprechen» – schliesslich gehe die SVP eine Listenverbindung mit der FDP ein. Die Wahlkampfthemen würden noch erarbeitet. Schertenleib verweist aber darauf, dass sie sich nicht markant von den elf Schwerpunkten unterscheiden dürften, welche die SVP für die Legislatur 2011–2014 festgelegt habe. Aufgeführt sind dort etwa eine grössere Polizeipräsenz, die nachhaltige Gesundung der Finanzen oder ein möglichst flüssiger Verkehr «ohne unnötige Schikanen».

SP: Gemeinnütziger Wohnungsbau, Verkehr, Kultur

Auch bei der SP sollen die beiden Bisherigen wiedergewählt werden – «sie leisten gute Arbeit», sagt Präsident Franz Schori. Dumermuth und Siegenthaler werden auch kumuliert. Ergänzt wird die Liste durch Stadträtin Sandra Rupp. Und: «Wir diskutieren mit den Grünen über eine Listenverbindung», sagt Schori. Die Wahlkampfthemen seien noch nicht definiert. Franz Schori nennt aber schon mal drei Schwerpunkte: Da sei einmal der gemeinnützige Wohnungsbau. «Thun war einst eine Hochburg des genossenschaftlichen Wohnungsbaus», stellt Schori fest. Heute spüre die SP in diesem Bereich ein grosses Bedürfnis und einen entsprechenden Nachholbedarf. Weiter sollen der öffentliche und der Langsamverkehr gefördert werden. Und schliesslich soll Thun auch kulturell zulegen.

BDP: Listenverbindung mit der Fraktion der Mitte

Die BDP muss nach dem Ausscheiden von Ursula Haller um ihren Gemeinderatssitz bangen. Denn bei den letzten Kantonswahlen büsste die BDP auch in Thun viele Stimmen ein. Als Spitzenkandidat nominiert wurde Stadtrat Peter Aegerter (kumuliert). Ergänzt wird die Wahlliste durch die Stadtratsmitglieder Claude Schlapbach, Simon Werren und Daniela Huber Notter. Parteipräsident Reto Vannini ist sich bewusst, dass die Ausgangslage schwierig ist. «Unser Ziel ist es, neben den beiden Blöcken von links und rechts die Mitte zu stärken und damit innovative Thuner Lösungen zu ermöglichen», sagt Vannini. Dazu will die BDP eine Listenverbindung mit der Fraktion der Mitte (FdM) eingehen. Diese muss aber von der Parteiversammlung am 4. August noch offiziell abgesegnet werden, das Okay seitens der FdM liegt bereits vor. Hervorstreichen will die BDP im Wahlkampf unter anderem Themen wie Familienpolitik und Bildung.

Fraktion der Mitte: Stadtentwicklung und Sportstätten

Nach den Ergebnissen der Kantonswahlen im Frühling scheint die Fraktion der Mitte (EVP, CVP, EDU, GLP) mit ihrem Spitzenkandidaten Konrad Hädener (CVP, kumuliert) die beste Ausgangslage für die Eroberung des frei werdenden Gemeinderatssitzes zu haben. Die vier Parteien erreichten in Thun einen Wähleranteil von 24 Prozent. Zur Erlangung eines Gemeinderatssitzes sind in der Regel etwa 16 Prozent nötig. Nebst Hädener komplettieren Susanne Gygax (Parteipräsidentin EVP), Manfred Locher (Stadtrat EDU) und Andreas Kübli (Stadtrat GLP) die Liste. Die Wahlkampfthemen sind laut Hädener noch nicht abschliessend festgelegt. Ansprechen will er selber vor allem die Stadtentwicklung und die anstehende Ortsplanungsrevision. «Ein wichtiges Anliegen ist für mich zudem die Sportstättenplanung der Stadt Thun», sagt Hädener.

FDP: Bildung, Mobilität und Wirtschaftsförderung

Die FDP will ihren vor vier Jahren verlorenen Gemeinderatssitz wieder zurückholen. Damals hatte Jolanda Moser die Wiederwahl verpasst. Zudem büsste die FDP viele Wählerstimmen ein und erreichte nur noch 9,3 Prozent. FDP-Präsident Xeno Supersaxo strebt im November einen Wähleranteil von 14 bis 16 Prozent an. Die nötigen Stimmen sollen der Spitzenkandidat Markus van Wijk (kumuliert), die Stadtratsmitglieder Christine Buchs und Serge Lanz sowie Yvonne Meister holen. Im Wahlkampf will die FDP laut Supersaxo vor allem die Themen Bildung, Mobilität und Wirtschaftsförderung ansprechen. «Die Politik muss unternehmensfreundliche Rahmenbedingungen mit wenigen bürokratischen Hürden schaffen», sagt Supersaxo. Dazu gehöre auch eine attraktive Steuerpolitik.

Grüne: «Ernst zu nehmende Alternative zu Bürgerlichen»

Bei den Grünen werden die beiden altgedienten Parlamentsmitglieder Andrea de Meuron und Thomas Hiltpold kumuliert. Ergänzt wird die Liste mit Roman Gugger. «Wir wollen den Sitz von Ursula Haller erobern», erklärt Parteipräsidentin Suzanne Albrecht ohne Umschweife. De Meuron und Hiltpold seien «eine ernst zu nehmende Alternative zu den bürgerlichen Bewerbern». Zu den Wahlkampfthemen der Grünen zählen laut Suzanne Albrecht Raumplanung/Wohnungsbau, Energie und Mobilität. Beispiel: «In der Überbauung Freistatt soll eine gemeinnützige, genossenschaftliche, autoarme und ressourcenschonende Siedlung entstehen.» Weiter nennt Albrecht die «Stärkung der regionalen Zusammenarbeit» etwa bei Mobilitätsthemen oder Fördermassnahmen für erneuerbare Energien.

Thuner Tagblatt

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