Brünig

Brünigtunnel wird wieder zum Thema

BrünigDie Kantone Bern und Obwalden haben beim Bund eine Zweckmässigkeitsstudie beantragt. Sie soll klären, mit welchen Massnahmen die Brünigpassstrasse ausgebaut werden könnte. Auch die Variante eines Brünigtunnels wird geprüft.

Die Brünigpassstrasse  bei der Verzweigung nach Meiringen oder nach dem Hasliberg respektive Luzern. In diesem Gebiet oder auch am Talboden in der Nähe der Aare könnte das Partal des Brünigtunnels stehen.

Die Brünigpassstrasse bei der Verzweigung nach Meiringen oder nach dem Hasliberg respektive Luzern. In diesem Gebiet oder auch am Talboden in der Nähe der Aare könnte das Partal des Brünigtunnels stehen. Bild: Susanne Michel

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Acht Jahre lang war das Projekt vom Tisch. 2003 hatte der damalige Grossrat Hans Michel (SVP), der inzwischen verstorben ist, den Regierungsrat des Kantons Bern in einer Motion aufgefordert, den Bau eines Tunnels zwischen Brienzwiler und Lungern voranzutreiben. Doch der Grosse Rat schmetterte den Antrag ab und der Kanton Bern stellte das Projekt bis auf weiteres zurück.

Nun aber tut sich wieder was: Wie an einer Sitzung des Kantonsrates von Obwalden zu erfahren war, haben die Innerschweizer gemeinsam mit dem Kanton Bern beim Bundesamt für Strassen (Astra) ein Gesuch gestellt, eine Zweckmässigkeitsstudie zu Lasten des Bundes zu verfassen. Karl Rohner, Abteilungsleiter Strassenbau Kanton Obwalden, erklärt gegenüber dieser Zeitung: «Es soll geprüft werden, welche baulichen Massnahmen es für den Brünigübergang braucht.» Dazu gehören die Prüfung eines Ausbaus der bestehenden Strasse und Schutzmassnahmen derselben. Und besonders brisant: der Bau eines Scheiteltunnels.

4 Kilometer lang

«Zu diesem Tunnel gibt es keine konkreten Pläne. Er würde in etwa von Lungern Süd bis nach Brienzwiler führen», sagt Karl Rohner. Es handelt sich um eine Netzvollendung gemäss eines Beschlusses der Nationalstrasse. Dies bedeutet, dass die Federführung bei den Kantonen Bern und Obwalden liegen würde. Sie würden anteilsmässig gemäss Finanzierungsbeschluss an den Kosten (Bern 13 Prozent, Obwalden 3 Prozent) beteiligt.

Der Scheiteltunnel würde zirca vier Kilometer lang, etwas länger als der Giessbachtunnel und müsste einen Höhenunterschied von rund 400 Meter überwinden. Rund 10 Kilometer misst die Fahrt von Brienzwiler nach Lungeren heute und sie dauert 15 Minuten. Allerdings nur, wenn der Verkehr flüssig rollt und kein Schnee liegt. Zudem ist die Strecke kurvenreich.

Im Vergleich zu der Berner Seite wurden im Kanton Obwalden entlang der Brünigpasstrasse unlängst diverse Umfahrungstunnels gebaut. Im vergangenen September wurde der Abschnitt Giswil-Ewil eröffnet und voraussichtlich Ende des kommenden Jahres wird auch der Lungerentunnel für den Verkehr freigegeben. Seit 2004 gibt es die Umfahrung Giswil. Alle Werke entlasten nicht nur die Dörfer, sondern verkürzen auch die Reisezeit. «Zudem ist die Brünigpassstrasse eine Nationalstrasse der Klasse 3. Das heisst, auf ihr fahren auch Velos, Landwirtschaftsfahrzeuge und sie wird von Fussgängern überquert», erklärt Karl Rohner. Das biete gerade für ausländische Gäste, die sich solche Verhältnisse nicht gewohnt seien, immer wieder Probleme. Eine Umfahrung erhöhe die Verkehrssicherheit. Ein weiterer Grund für die Studie sind laut dem Abteilungsleiter die Naturgefahren, die in den vergangenen Jahren zugenommen haben. So wird die Passstrasse zunehmend durch Steinschlag, Murgänge und Lawinen bedroht und verschüttet.

«Er bleibt eine Option»

Die Berner Regierungsrätin Barbara Egger, Leiterin Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE), erklärt: «Der Brünigtunnel ist Teil der Netzvollendung. Damit ist die Kostenträgerschaft hauptsächlich beim Bund. Für den Kanton Bern stellt der Brünig-Basistunnel zwar nicht die oberste Priorität dar, bleibt aber eine Option.»

Die SP-Regierungsrätin weist punkto Naturgefahren darauf hin, dass ein Tunnel auch im Unterhalt langfristig deutlich teurer wäre als die bestehende Passstrasse. Hinzu komme, dass die heutige Passstrasse nach einer Tunneleröffnung nicht zurückgebaut werden würde, weil sie insbesondere die Tourismusregion Hasliberg erschliesse. «Die Vorteile eines Tunnels liegen in der besseren Verfügbarkeit und deutlichen Verkürzung der Reisezeiten», erklärt Regine Egger.

Zeitpunkt ist noch offen

Das Astra bestätigt, dass es mit den Kantonen Bern und Obwalden ein Interesse an der Durchführung einer Zweckmässigkeitsstudie zur N8 respektive einem Scheiteltunnels hat. Diese wird gemäss Thomas Rohrbach vom Eidgenössischen Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) die Vor- und Nachteile, die Auswirkungen, das Kosten-Nutzenverhältnis und die Machbarkeit abklären. Abgeklärt werden zudem die Verträglichkeit, die Akzeptanz und die Finanzierbarkeit. Thomas Rohbach: «Die Arbeiten zur Studie können frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2011 beginnen. Wann ein Ergebnis vorliegt, ist offen und hängt auch von den zur Verfügung stehenden personellen Ressourcen ab.» (Berner Oberländer)

Erstellt: 28.03.2011, 17:07 Uhr

Der rote Strich zeigt, wo in etwa der Scheiteltunnel durch den Brünig verlaufen könnte. Eine Möglichkeit wäre, dass das Portal der Berner Seite unten auf dem Talboden stehen würde. (Bild: Google Grafik/Lehmann)

Brünigpass

Der Brünigpass wies gemäss Astra im vergangenen Jahr ein durchschnittliches tägliches Verkehrsaufkommen von 6177 Fahrzeugen auf . Werktags waren es durchschnittlich 5500 Fahrzeuge, an Wochenenden zirka 7700, die über den Brünigpass rollten. An Spitzentagen sind auch schon 12'000 Fahrzeuge gemessen worden.

Das Verkehrsvolumen schwankt aber saisonal stark : Im Spitzenmonat Juli liegt der durchschnittliche Tagesverkehr bei rund 8000 Fahrzeugen, im Dezember bei unter 4000.

Bereits im Jahr 1985 wurde die Variante eines Brünigtunnels geprüft. Damals fuhren täglich im Durchschnitt 3905 Fahrzeuge über diesen Alpenpass. Zehn Jahre später, 1996, waren es 5156 Fahrzeuge.

Die Brünigpassstrasse von Luzern bis Brienz wurde in den Jahren 1857 bis 1862 gebaut.

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