Strasse muss Regen und Rutschen trotzen

Habkern

Thema eines kulturellen Abends im Alten Schulhaus in Habkern war die Geschichte der Erschliessungsstrasse. Referent Ueli Bettschen berichtete von heftigem Regen, Rutschen und besonderen baulichen Lösungen.

Eine der Betonsperren im Lombach mit Hangverbauung, dahinter die in den Jahren 1978/1979 gebaute Lombachbrücke der Habkernstrasse.

Eine der Betonsperren im Lombach mit Hangverbauung, dahinter die in den Jahren 1978/1979 gebaute Lombachbrücke der Habkernstrasse.

(Bild: Ueli Flück)

Mit dem Thema Habkernstrasse hat die Interessengemeinschaft Ortsgeschichte Habkern am vergangenen Samstag den Nerv ihres Publikums getroffen: Die Sitzstufen im Alten Schulhaus waren bis auf den letzten Platz besetzt, die Männer waren deutlich in der Überzahl. Die meisten Leute im Publikum wussten aus praktischer Erfahrung, wie viel Arbeit es von altersher braucht, damit Habkern gut und sicher erschlossen ist. Sie kannten die Flurnamen: Schnäggegräbli, Balmers Cher, Grosse Buche, Rohr- und Hirnisboden, Hunds-Cheren, Rossgrind.

Einer, der sich von Amtes wegen intensiv mit der Habkernstrasse beschäftigt hat, ist Alt-Strasseninspektor Ueli Bettschen. Die neuere Geschichte der Strasse hat er mitgeprägt, und er hat sie im Buch «Ein Bach. Zwei Strassen. Drei Gemeinden» zusammen mit Ueli Flück, dem ehemaligen Chefredaktor des «Oberländischen Volksblattes» und heutigen freiem BO-Mitarbeiter, aufgearbeitet.

Familiengeschichten

Die Strassen- und Bachgeschichten im Oberland-Ost haben Ueli Bettschen, dessen Familie seit fünf Generationen im Dienste des Kantons steht, gefesselt. Momentan arbeitet er an der Geschichte der Lütschinenverbauungen.

Mitgeprägt hat den «Strassenzustand» nach Habkern auch die Familie Feuz; Grossvater Christian und Vater Gottlieb waren jahrzehntelang Wegmeister, heute ist Sohn Albert Strassenmeister. Gottlieb erzählte ergänzend zum Vortrag von Ueli Bettschen von einem Schneepflug vor dem Postauto «Silberpfeil», der sich einst selbstständig gemacht hatte.

«Züchtlinge» ohne Werkzeug

Bettschen begann den Bericht im Jahr 1818, als der Kleine Rat zu Bern zur Kenntnis nahm, wie schlecht der Zugang zu Habkern war. 1823 scheint er so schlecht gewesen sein, dass nur noch Einheimische ihn nutzen konnten. «Züchtlinge» – wahrscheinlich Gefangene – haben ihn dann verbessert, obschon sie ohne Werkzeug anrückten. 1841 übernahm der Kanton die Habkernstrasse. «Ein Danaergeschenk», sagte Bettschen. Unwetter und Hangrutsche zerstörten sie immer wieder. Sie war ein Sorgenkind des Staates. Von 1914 bis heute wurden über 30 Millionen Franken in ihren Auf- und Ausbau investiert; die geologischen Verhältnisse erforderten massgeschneiderte Lösungen der Ingenieure.

Geteilter Lombach

Das zweite Thema war der Lombach. «Wir hatten ein sehr gutes Verhältnis mit Unterseen», sagte Alt-Schwellenkorporationspräsident Christian Zenger. Aber so gut, zeigte Bettschen auf, wars nicht immer. Die Berner Regierung verfügte nach jahrelangen Diskussionen 1943, wie Habkern und Unterseen die Kosten für die Verbauungen zu teilen hatten.

Es gab bis zum heutigen Tag insgesamt 29 Verbauungsprojekte. Nach schweren Schäden im Jahr 1987 ist der Bach, der auf starke Regenfälle heftig und schnell reagiert, so weit gesichert, dass aktuell nur Unterhaltsarbeiten anstehen.

Berner Oberländer

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