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Auf dem Weg zum Disneyland?

Die Schilthornbahn eröffnete ihre neue Attraktion Skyline Walk auf Birg mit Gästen. Und mit einer kontroversen Diskussionsrunde zu Berg-Inszenierungen.

Schneeflocken verschleierten die Gesprächsrunde (v.l.): Raimund Rodewald, Benedikt Loderer, Katharina Conradin, Fabian Unteregger, Christian Lang, Christoph Egger und Ueli Kestenholz.
Schneeflocken verschleierten die Gesprächsrunde (v.l.): Raimund Rodewald, Benedikt Loderer, Katharina Conradin, Fabian Unteregger, Christian Lang, Christoph Egger und Ueli Kestenholz.
Anne-Marie Günter

«Hört doch auf, über die Natur zu ‹schnurren›, es geht doch einfach nur um den Stutz. Was ihr hier oben habt, ist die Natur; den Gästen gehts um den Naturgenuss. Wenn niemand mehr kommt, seid ihr im Arsch.» Dichter Nebel verbarg an der Eröffnung des Skyline Walk auf Birg die Skyline mit Eiger, Mönch, Jungfrau und Co. und dämpfte das polternde Statement des Architekten Benedikt Loderer, bekannt als Stadtwanderer. Sonst war die Diskussion zum Thema «Verkommen die Alpen zu einem künstlichen Disneyland?» auch wegen der tiefen Temperatur nicht hitzig, viele der 250 Eröffnungsgäste hatten sich ins Restaurant zurückgezogen; die Gesprächsteilnehmer standen in Wind und Schnee vor einer Nebelwand, hinter der sich der Abgrund – der laut Schilthornbahn-Direktor Christoph Egger «einen gewissen Adrenalinkick bringt» – verbarg.

Er konterte Loderers Angriff: «Die Erde hat viele Bewohner, die noch nicht da waren. Es gibt Gäste, die noch nie Schnee gesehen haben. Hier können sie die Natur, wie heute zum Beispiel das eindrückliche Wetter, hautnah erleben.» Ein schlechtes Gewissen habe er nicht. Es gelte, den demografischen Veränderungen, der Reizüberflutung und dem Klimawandel entgegenzuwirken. Der Trend zu Inszenierungen am Berg zur Förderung des Sommertourismus stehe erst am Anfang.

Bezug zum Ort

«Genügen die Berge nicht mehr?», fragte Raimund Rodewald, Geschäftsführer Stiftung Landschaftsschutz Schweiz. Ihm liegt der Birgfelsen, in seiner Einzigartigkeit ein fast magischer Ort, am Herzen. Die Form des neuen Skyline Walk trägt auch seine Handschrift, und er kann mit ihm leben. «Nein, sie genügen nicht mehr. Die Berge haben sich entwickelt, mit Schutzhütten, Wegen, Bahnen. Bis vor dreissig Jahren hat das funktioniert. Jetzt nicht mehr. Wir brauchen wertschätzende Inszenierungen», sagt Christian Lang, Geschäftsführer der Bergerlebnisse produzierenden Firma Pronatour aus Österreich.

«Die Inszenierungen müssen eine Funktion und einen Bezug zur Natur haben, ein Riesenplastikmammut als Mahnmal für die Klimaveränderung zu verkaufen, finde ich unsinnig. Ich befürchte eine unheilvolle Inszenierungsspirale. Die Berge dürfen nicht beliebig wie Weihnachtsbäume dekoriert werden», sagte Katharina Conradin, Geschäftsführerin Mountain Wilderness. Die Alpen seien in seiner Heimat Österreich zu 98 Prozent Brachland, beruhigte Lang. Ueli Kestenholz plädierte für die Freiheit in den Bergen, die initiative Leute haben sollen, um etwas zu realisieren. «Disneyland» kam im vom Zürcher Comedian Fabian Unteregger moderierten Gespräch übrigens nicht einmal vor.

BO/agg

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