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Auf den Spuren von Apostel Jakob

Wer sein Auge sensibilisiert, kann dem Apostel Jakob bei uns auch heute noch auf Schritt und Tritt begegnen. Das zeigt die Ausstellung «Wattenwil am Jakobsweg» im Ortsmuseum. Am Samstag findet die Vernissage statt.

Im Ortsmuseum Wattenwil: Peter Schuler vor einer der Stellwände der Sonderausstellung «Wattenwil am Jakobsweg».
Im Ortsmuseum Wattenwil: Peter Schuler vor einer der Stellwände der Sonderausstellung «Wattenwil am Jakobsweg».
Marc Imboden

Sie tragen immer eine Muschel als Erkennungszeichen bei sich und haben ein gemeinsames Ziel: Santiago de Compostela in Nordwestspanien, wo der Legende nach der Apostel Jakob begraben sein sollen. Hunderte dieser Pilger auf dem Jakobsweg kommen jedes Jahr in Wattenwil vorbei. «Um den Leuten den Apostel Jakob und seine Auswirkungen auf die Gesellschaft näher zu bringen, schlug ich den Verantwortlichen des Ortsmuseums Wattenwil vor, eine Ausstellung diesem Thema zu widmen», sagt der ehemalige Lehrer Peter Schuler (84).

Er selber erlag der Jakobsweg-Faszination vor 30 Jahren. Damals war das Pilgern nach Spanien noch nicht so bekannt wie heute. Er musste sich den Verlauf des Weges und die wichtigen Stationen in akribischer Kleinarbeit zusammensuchen. Wegen seiner Fotoausrüstung, die damals noch um einiges schwerer war, legte er den Weg jedoch im Auto zurück, konnte dafür aber viele Bilder mit nach Hause bringen.

Doch davon sind nur wenige in der Ausstellung in Wattenwil zu sehen. «Es geht hier nicht in erster Linie um den Weg», stellt Schuler klar. Denn darüber gibt es inzwischen viele Bücher. «Ich will den Besuchern der Ausstellung vielmehr zeigen, wie der Apostel Jakob die Gesellschaft beeinflusst hat und auch heute noch präsent ist.»

Viele Redensarten

So gibt es zum Beispiel die etwas in Vergessenheit geratene Redensart «Das ist nicht der wahre Jakob». Sie bedeutet «Das ist nicht der Kern der Sache». Auch als botanischer Namensgeber musste der Apostel hinhalten: Das giftige Jakobs-Kreuzkraut ist nach ihm benannt, weil es um den Jakobstag am 25. Juli herum zu blühen beginnt. Auf dem Walalpgrat in der Stockhornkette heisst ein weithin sichtbarer Schneehaufen in einer Mulde Jakobsfleck. Denn in einem witterungsmässig normalen Jahr sollte er am 25. Juli geschmolzen sein. Bekannt sind auch Wetter- und Bauernregeln: «Jakobi Regen bringt niemals Segen» und «Wenn Jakobi kommt heran, man den Roggen schneiden kann.» Und in vielen Kirchen unserer Region sind Jakobsdarstellung zu sehen beziehungsweise sein Symbol, die Jakobsmuschel.

Peter Schuler zeigt in der Ausstellung aber auch, wie Jakob politisch missbraucht wurde. Die Spanier machten ihn zu ihrem Nationalheiligen, als sie gegen die maurischen Besatzer kämpften. «Es gibt Darstellungen, auf denen Jakob als Reiter zu sehen ist und einem Mauren mit dem Huf seines Pferdes den Kopf als Sitz des Wissens zermalmt», sagt Schuler. Da ging es nicht mehr um einen nationalen Befreiungskampf, sondern um einen Kulturkrieg. Denn die Besatzer waren den Einheimischen etwa in Medizin und Mathematik haushoch überlegen.

Mit Jakob nach Südamerika

Die Spanier wähnten sich auch unter Jakobs Schutz, als sie Südamerika kolonialisierten und Angst und Schrecken verbreiteten. Doch die – mittlerweile christianisierten – Indios drehten den Spiess später um und riefen den heiligen Jakobus um Hilfe an, als sie gegen ihre Unterdrücker kämpften.

Wallfahrtsorte im Oberland

Eine weitere Auswirkung der Jakobspilgerei: Lange Zeit war es Pflicht der Wallfahrer, auf ihrem Weg auch andere Orte zu besuchen, die in der Religion einen hohen Stellenwert hatten. «Der wichtigste dieser Wallfahrtsorte im Berner Oberland war ohne die Zweifel die Beatushöhle», sagt Peter Schuler. Zu den Wallfahrtskirchen im Oberland zählen jene in Einigen, Faulensee und Reutigen.

Peter Schuler hat sich in den letzten drei Jahrzehnten ein umfassendes Wissen über den Jakobsweg angeeignet, das er in Kursen (etwa an der Volkshochschule in Bern) oder an Vorträgen an Interessierte weitergibt. Einen Weg und ein Ziel zu haben – auch im metaphysischen Sinn – spreche sehr viele Leute an, unabhängig von ihrer religiösen Prägung, hat er beobachtet. An der Vernissage von morgen Samstag wird Schuler um 14 Uhr einen Einführungsvortrag halten. Und an der Finissage am 25. Juli 2010 wird ein Pilger von seinen Erlebnissen auf dem Jakobsweg berichten.

Das Ortsmuseum Wattenwil im Dachgeschoss des alten Dorfschulhauses ist jeden ersten und dritten Samstag und Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

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