«Aussicht wird durch Wohnsilos verbaut»

Mürren

D Unterschriftensammlung für eine Kollektiveinsprache gegen das Hotel-Projekt «The Myrrhen» läuft gemäss Initianten gut. Mehr Sorge bereitet der Umstand, dass die ausführende Baufirma in indischer Hand ist.

Das geplante Apartmenthotel, von der Dorfstrasse aus gesehen, besteht aus vier neuen Bauten und dem bestehenden Postgebäude (4. von links).

Das geplante Apartmenthotel, von der Dorfstrasse aus gesehen, besteht aus vier neuen Bauten und dem bestehenden Postgebäude (4. von links).

(Bild: zvg)

Seit gut einer Woche werden gegen das Aparthotel-Projekt «The Myrrhen» Unterschriften gesammelt, mit einer Kollektiveinsprache soll das Bauprojekt mit einem Investitionsvolumen von 35 Millionen verhindert werden.

Kollektiveinsprache-Mitinitiant Martin von Allmen: «Es läuft gut, wir erhielten grosse Resonanz auf unsere Sammlung.» Auch ein Flugblatt wurde kreiert: «Ein Palace ist genug!» heisst es da, damit wird bewusst auf das heruntergewirtschaftete und seit Jahren geschlossene Nobelhotel im Dorf angespielt.

Weiter: Ein indischer Grosskonzern unter dem Decknamen Steiner AG plane eine Überbauung mit 75 Parahotelleriewohnungen, direkt an der Dorfstrasse. «Die Aussicht auf die Jungfrau wird durch vier mächtige Wohnsilos verbaut», erklärt von Allmen. Aus der beliebten Flaniermeile werde eine Strassenschlucht.

«Mit einer angestrebten Auslastung von 50 Prozent entstehen im Ort wieder 37 neue ‹kalte Wohnungen›, und zwar ganz legal mit dem Parahotellerie-Trick.» Denn sogenannt hotelbewirtschaftete Wohnungen sind von der Zweitwohnungsinitiative ausgenommen.

«Keinen Einfluss»

Von Allmen: «Die Promotoren versprechen einen Schub für die lokale Wirtschaft. Eine Garantie dafür gibt es nicht.» Eine gegenteilige Entwicklung – Verlust an Attraktivität als Destination, Konkurrenzierung lokaler Anbieter, Erpressbarkeit der einheimischen Gastronomie – sei ebenso gut vorstellbar.

Die fehlende Zentrumsfunktion ohne Ladenlokale oder Dienstleistungsbetriebe wird ebenfalls bemängelt. Die Baufirma Steiner AG, die zur Entwicklergemeinschaft mit Schilthornbahn und MHBD Swiss Resort Management AG gehört, ist im Besitz der indischen Hindustan Construction Company Ltd HCC.

Das hat offenbar auch andernorts für Unbehagen gesorgt, von Allmen verweist auf eine Grossüberbauung in Arlesheim BL, wo ein ganzes Argumentarium über Absichten und Beweggründe der Steiner AG im Internet aufgeschaltet ist: «Seit Mitte 2010 hält die HCC eine Mehrheitsbeteiligung.

Das Projekt ist allerdings ganz in der Verantwortung als Steiner AG in der Schweiz – der indische Mutterkonzern hat weder auf die Planung noch auf die Realisierung des Projektes einen Einfluss.»

Mehr Individualtourismus?

Peter Feuz, Verwaltungsratspräsident der Schilthornbahn AG, erklärt auf Anfrage: «Wir haben Vertrauen in die Steiner AG, schliesslich ist es immer noch eine Schweizer Firma.» Dass die ursprünglich geplanten Ladenlokalitäten nicht realisiert würden, sei auf die schwache Nachfrage zurückzuführen.

Feuz erklärt, dieses Projekt diene dem Ort, denn die Betreiberin, die MHBD Swiss Resort Management, unter der Leitung des ehemaligen Tourismus-Schweiz-Direktors Marco Hartmann, strebe Individualtourismus an, wie andere seiner Projekte in der Schweiz schon gezeigt hätten.

Die Auflage- und Einsprachefrist dauert noch bis 28. November.

Berner Oberländer

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