Baustopp und Mehrkosten werfen Fragen auf

Lenk

Die Bauarbeiten zum Geschiebesammler am Inneren Seitenbach in Lenk sind eingestellt worden. Rund 800'000 Franken mehr soll das Projekt kosten.

Die Bauarbeiten am Geschiebesammler Innerer Seitenbach an der Strasse Richtung Bühlberg wurden eingestellt. Auf dem Bild ist das erste Fundament zu sehen. Im Inneren Seitenbach (rechts im Bild) fliesst zurzeit kaum Wasser.

Die Bauarbeiten am Geschiebesammler Innerer Seitenbach an der Strasse Richtung Bühlberg wurden eingestellt. Auf dem Bild ist das erste Fundament zu sehen. Im Inneren Seitenbach (rechts im Bild) fliesst zurzeit kaum Wasser.

(Bild: Fritz Leuzinger)

Die letzte Etappe der Hochwasserschutzbauten in der Gemeinde Lenk bereitet Sorgen: Die Bauarbeiten am Geschiebesammler Innerer Seitenbach sind eingestellt worden, wie die «Simmental Zeitung» berichtete.

Grund: Während der Bohrungsarbeiten hat das beauftragte Bauunternehmen Burn&Künzi (Adelboden) festgestellt, dass die in der Offerte budgetierte Summe bei weitem nicht ausreichen wird. Um rund 800'000 Franken soll das 5,4-Millionen-Franken-Projekt den Budgetbetrag übersteigen.

Unterschiedliche Auffassungen zwischen dem Planungsunternehmen – der Firma Emch&Berger (Bern) – und der Baufirma Burn&Künzi über die auszuführenden Arbeiten stehen im Zentrum der Uneinigkeiten. «Es handelt sich um ein anspruchsvolles Projekt», sagt Lenks Schwellenkorporationspräsident Roland Rieder.

«Sechs Fundamente der Betonscheiben müssen sicher in die Tiefe verankert werden.» Bei einem Fundament betrage die Bohrtiefe der Pfähle sogar circa 18 Meter. Und genau diese Pfähle scheinen der Grund für die Unstimmigkeiten zu sein: Sie müssen mit einem Durchmesser von je 50 Zentimeter in die Tiefe gebohrt werden.

Jedoch können nur wenige Firmen in der ganzen Schweiz solch anspruchsvolle Bohrungen vornehmen, da nur sie die notwendigen Maschinen dafür besitzen.

Auf Mehrkosten spekuliert?

Eine Situation, die laut Roland Rieder vom offerierenden Bauunternehmen Burn&Künzi von Anfang an hätte miteinberechnet werden müssen. Denn: «Ein ausführliches Dossier der geologischen Verhältnisse mit differenziertem Beschrieb des Baugrundes war Bestandteil der Ausschreibungsunterlagen. Die Aufgabenstellung war klar ersichtlich.»

Zudem habe die Firma Burn&Künzi weder vor noch nach Eingabe ihrer Offerte eine Präzisierung der Bohrungsarbeiten verlangt. Roland Rieder: «Für uns liegt der Verdacht nahe, dass die Unternehmung von Anfang an mit einer anderen Ausführung des Bauwerkes spekuliert hat.

Seit Arbeitsbeginn hat die Firma Änderungsvorschläge gemacht, die mehrheitlich Mehrkosten zur Folge haben sollten.» Dazu komme, dass die Bauarbeiten nicht in gegenseitigem Einvernehmen eingestellt worden seien. Grund für den Baustopp sei, dass «die Unternehmung nicht in der Lage war, das Projekt wie verlangt weiterzuführen».

Rieder ist über den Baustopp verärgert. Denn nun, wo trockenes Wetter herrsche und der Wasserfluss minim sei, hätte rasant weitergearbeitet werden können. Jetzt werde sich das Projekt um «mindestens ein Jahr» in die Länge ziehen. Wie sich die Firma Burn&Künzi zu den Vorwürfen äussert, ist zurzeit nicht klar. Eine Vereinbarung habe die Schwellenkorporation Lenk als einzige berechtigte Auskunftsstelle erkoren, wie Martin Friedli, Leiter Bauunternehmung von Burn&Künzi sagte.

«Untaugliches Gesetz»

Hat die Schwellenkorporation bei der Vergabe der Arbeiten zu sehr auf den tiefen Preis des Offerenten geachtet? Die technische Beurteilung und die Referenzen seien damals mit 35 Prozent gewichtet worden, der Endpreis mit 65 Prozent, sagt Roland Rieder.

Die Arbeitsvergabe hätte aber nicht anders erfolgen können: Das Gesetz über das öffentliche Beschaffungswesen sagt aus, dass ein Auftrag an den Anbieter mit dem günstigsten Angebot vergeben werden muss. Rieder: «Das Gesetz erweist sich in dem betreffenden Punkt als untauglich.

Für alle Bauherren ist es eine Zumutung, im Laufe der Bauausführung mit dermassen hohen Mehrkosten konfrontiert zu werden. Könnte man wie früher den billigsten und den teuersten Offerenten von der Arbeitsvergabe ausschliessen, wäre die Sache viel einfacher.»

Rechnet man die 800'000 Franken Mehrkosten zum offerierten Preis der Firma Burn&Künzi hinzu, wären die Arbeiten an einen anderen Bewerber vergeben worden. Rund 630000 Franken sei der zweitbilligste Bewerber damals über der Offerte von Burn& Künzi gelegen, der grösste Unterschied «lag bei den Pfahlbohrungen», wie Rieder sagt.

Schlichtung eingeleitet

Welche der beiden Parteien Recht bekommen soll, wird nun ein Schlichtungsverfahren zwischen der Schwellenkorporation Lenk und der Firma Burn&Künzi klären. Die Untersuchungsarbeiten der engagierten Fachleute sollen laut Rieder noch diese Woche aufgenommen werden, «vor Januar 2015 könne jedoch wohl kaum mit einem Beschluss gerechnet werden».

Können sich die involvierten Parteien dabei auf einen Kompromiss einigen, kann das Projekt weitergeführt werden. Und die Mitgliederversammlung der Schwellenkorporation wird wohl einen Nachkredit bewilligen müssen. Sollte dies nicht zutreffen, wird das Verwaltungsgericht den Fall klären müssen.

Thuner Tagblatt

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