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«Das Eis ist schwierig einzuschätzen»

Wie gefährlich ist Eisklettern? Nachdem in Adelboden ein Eiskletterer abstürzte und dabei tödlich verunglückte, stellt sich die Frage nach der Sicherheit. Der Adelbodner Bergführer und Eiskletterer Rolf Zurbrügg gibt Auskunft.

Am Montag stürzte in Adelboden beim grossen Engstligenfall ein 30-jähriger Eiskletterer aus fünf Meter Höhe ab und verstarb kurze Zeit später an den Folgen seiner Verletzungen (siehe Ausgabe von gestern). Aus welchen Gründen der Mann aus dem Kanton Zürich abstürzte, war gemäss Angaben von Kapo-Sprecher Stefan von Below gestern noch unklar: «Um abschliessend zu sagen, was zum Unfall führte, braucht es längere Zeit.»

Nach dem tödlichen Unfall stellt sich die Frage nach der Sicherheit beim Eisklettern. An vielen Orten im Oberland werden Kurse für Eisklettern angeboten, so auch auf der Engstligenalp. Bergführer und selber passionierter Eiskletterer Rolf Zurbrügg arbeitet auch für die Alpinschule Adelboden. Er gibt auf Anfrage Auskunft über die Risiken. «Eisklettern ist eine Sportart, die viel Erfahrung braucht und und gutes Wissen voraussetzt», erklärt Zurbrügg. Jedoch bringe nur regelmässiges Klettern an Eisfällen gerade diese Erfahrung.

Die Konditionen des Eises

Der Bergführer empfiehlt dringend, stets die Verhältnisse abzuklären: Dazu gehört beispielsweise der Temperaturverlauf über mehrere Tage, das aktuelle Lawinenbulletin, Internetinfos und Auskünfte von Lokalexperten. «Über die Verhältnisse können eventuell lokale Eiskletterer, Bergführer, Alpinschulen oder Bergbahnen Auskunft geben. Nachfragen hilft, gewisse Risiken zu eliminieren.»

Gibt es das perfekte Eis zum Klettern? «Die Beschaffenheit des Eises ist schwierig einzuschätzen, aber es gibt verschiedene Punkte, die man beachten sollte», sagt Zurbrügg. So gilt es, bereits am Vortag die Aussentemperatur zu kontrollieren und diese dann mit der aktuellen zu vergleichen. «Gestern beispielsweise war es in Adelboden etwa minus 15 Grad, heute sind es null Grad. Dieser Temperaturunterschied ist schlecht für das Eis – es steht dadurch unter grosser Spannung», sagt der Experte.

Als Faustregel beim Eisklettern gelte, dass Aussentemperaturen um den Gefrierpunkt ideal sind. Ist es zu kalt, wird das Eis spröde, bei wärmeren Temperaturen bis plus zwei Grad hingegen elastisch und darum gemäss Rolf Zurbrügg «gut zum Klettern». Bei wärmeren Temperaturen sei das Eis dann zu elastisch – und damit wieder gefährlich für den Kletterer. Zurbrügg empfiehlt ausserdem, das Eis vor Ort mit dem Pickel zu kontrollieren. Ein weiterer Tipp: «Läuft Wasser über den Fall, ist das ein gutes Zeichen, denn es heisst, dass sich das Eis nachbilden kann, wo es allenfalls abgebrochen ist.»

Klettern im Lawinenkegel

Der Adelbodner Rolf Zurbrügg weist darauf hin, dass natürliche Eisfälle meist in Lawineneinzugsgebieten zu finden sind und somit die zusätzliche Gefahr von Lawinenniedergängen bestehen. «Anfängern empfehle ich aus diesem Grund beispielsweise den künstlichen Eisfall bei der Bergstation Engstligenalp. Dort herrscht keine Lawinengefahr, da sich der Eisfall unter einer Felswand befindet und es somit sichere Standplätze für die Seilschaften gibt.»

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