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Der Tod von 21 Menschen hat tiefe Spuren hinterlassen

Am Montag jährt sich das Canyoning-Unglück im Saxetbach zum zehnten Mal. Der Tod der 21 Menschen hat den Canyoning-Markt verändert. Auf ein Rahmengesetz für Risiko-Aktivitäten wartet die Branche bisher vergebens.

Vor zehn Jahren: Auf der Suche nach den vermissten Touristen.
Vor zehn Jahren: Auf der Suche nach den vermissten Touristen.
Jürg Spori

Eine riesige Wasserwalze riss am 27. Juli 1999 21 junge Abenteurer, Kunden eines lokalen Canyoning-Anbieters, beim Hinabklettern in die Saxetbachschlucht bei Wilderswil in den Tod. «Das Unglück ist noch immer in den Köpfen vieler Schweizer und Schweizerinnen präsent», sagt Hans Allemann, Tourenguide und Präsident des Branchenverbands Swiss Outdoor Association (SOA), der als Reaktion auf das Unglück gegründet worden war.

Die Nachfrage nach Canyoning sei nach der Tragödie massiv eingebrochen und habe sich nie mehr ganz erholt. Mit ausländischen Gästen laufe das Geschäft zwar gut, doch Schweizer Kundschaft gebe es heute weniger als vor zehn Jahren. «Schweizer Firmen machen fast keine Betriebsauflüge mit Canyoning mehr», sagt Allemann. Der Verband schätzt, dass pro Saison in der Schweiz 20.000 Gäste auf geführte Canyoning-Touren gehen, mehrheitlich Ausländer.

Stabiler Markt

Abgesehen vom Canyoning verhalte sich der Markt für Outdoor-Aktivitäten seit Jahren stabil. Aktuell seien Seilparks im Trend, von denen es rund 25 in der Schweiz gebe. Pro Sommersaison werden laut Allemann mit kommerziellen Abenteuerangeboten wie Kanu- und Klettertouren, River-Rafting, Bungee Jumping und Canyoning Umsätze von zwischen 40 und 60 Millionen Franken erzielt.

Als Reaktion auf das Saxetbach-Unglück habe sich die Outdoor-Branche professionalisiert, heisst es beim Schweizer Bergführerverband (SBV). Heute gebe es anerkannte, einheitliche Ausbildungen. «Die Branche hat sich selbst reguliert und Standards festgelegt», sagt SBV-Geschäftsführer Wolfgang Wörnhard. Vor 1999 habe jede Firma ihre Guides selbst ausgebildet. Im Bereich Canyoning hat die SOA den SBV mit der Ausbildung beauftragt. Dieser prüft angehende Canyoning-Guides in Seil- und Klettertechnik, Rettungsmanövern im Wasser, Zeichensprache, Ausrüstung und Tourenplanung. Bis heute hat der Bergführerverband im Mandat der SOA rund 150 Canyoning-Guides ausgebildet.

Zertifizierung für Anbieter

Beigetragen zu Professionalisierung und erhöhter Sicherheit hat auch die nach dem Unglück gegründete Stiftung «Safety in adventures». Bei ihr können sich Anbieter, wenn sie bestimmte Sicherheitsstandards erfüllen, zertifizieren lassen. Laut einem Sprecher der Stiftung haben sich bislang 35 Anbieter für das S-Label qualifiziert, darunter wichtige Firmen im Outdoor- und Adventurebereich. Getragen wird die Stiftung vom Bundesamt für Sport, mehreren Kantonen und Verbänden, der SUVA und der Beratungsstelle für Unfallverhütung.

Was nach Ansicht der Swiss Outdoor Association und des Schweizer Bergführerverbands noch fehlt, ist ein Bundesgesetz. Im Juni 2000 hatte der damalige CVP-Nationalrat und heutige Walliser Staatsrat Jean-Michel Cina mit einer parlamentarischen Initiative die Ausarbeitung eines Bundesgesetzes über das Bergführerwesen und das Anbieten von Risikoaktivitäten gefordert. Neun Jahre später ist das Geschäft noch immer hängig. Die nationalrätliche Rechtskommission hat einen Gesetzesentwurf erarbeitet - doch nur für den Fall, dass der Nationalrat auf ein Gesetz pocht. Die Kommission selbst hält es für unnötig, weil sich die Branche selbst reguliert habe und kantonale Regelungen bestünden. Die Vorlage werde wahrscheinlich kommenden Herbst im Parlament beraten, sagte Kommissionspräsidentin Gabi Huber (FDP/UR) auf Anfrage.

Gesetz kann Unfälle nicht verhindern

«Alle Unfälle verhindern kann ein Bundesgesetz nicht. Aber es würde national verbindliche Minimalanforderungen definieren», sagt Allemann. Die Zertifizierung durch «Safety in adventures» sei ja nur freiwillig. Zudem müssten sich an ein Gesetz auch ausländische Firmen halten, die Outdoor-Aktivitäten in der Schweiz durchführten, begründet Wörnhard vom SBV seine Unterstützung. Allemann hofft, dass das jüngste River-Rafting-Unglück in Wilderswil bei den Politikern etwas auslöst.

AP/js

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