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Die Fluten schleuderten sie wie Puppen durch die Häuser

Die Thuner Ruth und Fred Zaugg-Keller gerieten am 26. Dezember 2004 im thailändischen Patong in die Flutwellen. Im TT erzählten sie damals, was sie erlebt hatten.

Es war ein sonniger Tag, kaum Wolken am Himmel. Um 8 Uhr spürte Ruth Zaugg-Keller die Erde beben. Da wusste sie noch nicht, dass sie und ihr Mann Fred die Folgen davon bald zu spüren bekommen würden. Das Ehepaar fuhr mit dem Motorrad den Hügel hinunter in Richtung Strand.

Die beiden fragten sich, weshalb das Meer schwarz war und die Menschen vor dem Meer flüchteten. Eine über fünf Meter hohe Welle erfasste sie. Fred Zaugg sah Ruths Kopf unter einem Car verschwinden, der von den Wellen auf die andere Strassenseite getrieben wurde, und dachte, sie sei tot.

Ihn rissen die Fluten in eine andere Richtung, wie eine Puppe spülte es ihn durch die Häuser, drückte ihn an Wände, wieder hinaus, an Bäume. Zum Glück trug er einen Helm. Das Wasser war voller Gegenstände. Die Hupe eines auf dem Dach liegenden Taxis tönte ununterbrochen, Häuser stürzten zusammen, Hotels explodierten, alles war voller Blut und schreiender Menschen.

Wasser schmeckte nach Gülle und Benzin

Ruth Zaugg-Keller wurde ebenfalls im Wasser durch die Häuser und überallhin geschleudert. In einer Schneiderei blieb sie eingeklemmt liegen, über ihr eine Kommode, Puppen, Stühle. Sie schluckte viel Wasser. Es schmeckte nach Gülle und Benzin. Auf einem Baum erwachte sie und dachte, ihr Mann sei tot. Beim Suchen nach ihm stürzte sie in einen Kanalisationskanal, ein Engländer zog sie raus.

Nach zwei Stunden fanden sich Ruth und Fred Zaugg-Keller. Sie brach zusammen. Mit einem Lastwagen wurden sie ins Spital gefahren. Dass beide übersät waren mit Blut und knochentiefen, klaffenden Wunden, realisierten sie erst am Abend daheim.

Das Seebeben vom 26.Dezember 2004 im Indischen Ozean löste zwei Sturmfluten aus. Diese forderten 215000 Todesopfer und verwüsteten die Küsten in 13 Ländern. Über 120 Touristen, die den Tsunami miterlebten, hatten in Thuner Reisebüros gebucht. Drei Thuner, Fritz Bruni sowie Pia Grossniklaus und Fred Schweizer aus Goldiwil, kamen dabei ums Leben. Sie wurden identifiziert und kremiert.

TT/sft

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