«Die Jungs von Rammstein waren sehr nett zu mir»

Thun

Er hat über 1000 Lieder aufgenommen, 50 Millionen Tonträger verkauft – und mit seinem neuen Album die Charts gestürmt: Der deutsche Schlager- und Volksliedsänger Heino. Am 6.September singt er in der Arena Thun.

Swingt und rockt am nächsten Freitag in der Arena Thun: Heino, 74-jährig, Chartstürmer.

Swingt und rockt am nächsten Freitag in der Arena Thun: Heino, 74-jährig, Chartstürmer.

(Bild: zvg)

Stefan Geissbühler

Heino, am 6. September treten Sie in Thun auf – waren Sie schon mal im Berner Oberland? Heino: Nein, leider kenne ich diese Gegend nicht. Weil meine Gattin Österreicherin ist, bin ich oft in Kitzbühel. Ich habe aber viele Freunde aus der Schweiz, mein langjähriger Produzent etwa lebt dort.

Backstage werden Sie in Thun Beatrice Egli begegnen – freuen Sie sich auf die Begegnung? Ja, und wie! Wir haben uns bei DSDS gesehen – sie hat eine ganz tolle Performance hingelegt und feiert jetzt zu Recht grosse Erfolge.

Hätten Sie sich in Ihren Anfängen einer Castingshow gestellt? Schon damals gab es ähnliche Formate, die unter dem Titel «Jekami», jeder kann mitmachen, liefen. Da habe ich allerdings nie mitgemacht. Wie Beatrice Egli den Druck ausgehalten hat, finde ich grossartig.

Sie werden in Thun in einem Fussballstadion spielen – haben Sie als erklärter Fussballfan noch Kontakt zu Ihrem ehemaligen Verein SC Schwarz-Weiss Düsseldorf? Klar, ich bin sogar noch Mitglied. Übrigens habe ich Freude an den Schweizer Fussballern, die erfolgreich in Deutschland spielen.

Wie Xherdan Shaqiri bei Bayern... Ja , ein ganz toller und sehr wichtiger Mann für die Bayern, ein kraftvoller Fussballer.

Spielen Sie selber noch Fussball bei Schwarz-Weiss? Nein, in meinem Alter verzichte ich lieber darauf. Zudem habe ich generell sehr wenig Freizeit.

Von Schwarz-Weiss zu «Schwarzbraun ist die Haselnuss»: Können Sie diesen Song überhaupt noch hören? Absolut – momentan ist das sogar einer meiner Lieblingssongs auf der Bühne. Ich mache die «Haselnuss» in einer Rap- und in einer Swingversion. Das ist der Brüller! Die Leute gehen bei diesem Song jeweils unheimlich mit und freuen sich.

Vom Swing zum Punkrock: Wann haben Sie das letzte Mal mit Campino von den Toten Hosen ein Bier getrunken? Ich glaube, der würde mit mir keins trinken – und ich mit ihm auch nicht. Ich war seinerzeit mit meiner Unterlassungsklage gegen die Heino-Parodie der Toten Hosen erfolgreich.

Auf Ihrem neuen Album mit Versionen von neuen deutschen Pop- und Rockklassikern fehlt ein Hosen-Coversong – weil Sie neuerlichen Auseinandersetzungen mit dieser Band aus dem Weg gehen wollten? Nein. Die neue Platte ist auch ohne Song der Toten Hosen eine Platinplatte geworden.

Mit Rammstein-Sänger Till Lindemann standen Sie am 1.August vor 80'000 Heavy-Metal-Fans auf der Bühne – eine Erfahrung der besonderen Art? Das war ein weiterer Höhepunkt meiner Karriere! Die Jungs von Rammstein waren sehr professionell und nett zu mir. Wir haben ihren Song «Sonne» eine Stunde lang in ihrer Garderobe geübt. Sie haben mich sehr gut vorbereitet, waren äusserst tolerant, respektvoll und kameradschaftlich – da könnten sich viele Leute eine Scheibe abschneiden.

Wer rollt das R besser: Sie oder Lindemann? Man muss wissen, wo man das gerollte R einsetzen soll oder nicht. Ehrlich gesagt kann ich das schon ganz gut. Und der Till Lindemann kann das auch ganz gut. Das sind schon Jungens, die wissen, wie es geht!

War die Kritik von Rammstein, den Ärzten und Co. an ihrem neuen Coveralbum echt, oder war das willkommene Promotion durch die «Bild»-Zeitung? Nein, die ersten Reaktionen waren geharnischt. Wir haben die Interpreten vor den Aufnahmen angefragt, und es haben alle abgewinkt und zum Teil sehr unerfreulich reagiert. Das war nicht von der «Bild»-Zeitung orchestriert. Nach dem grossen Erfolg der Platte haben sich die Proteste nun gelegt, und die Kollegen verdienen ja jetzt kräftig mit

Via Urheberrechte respektive Tantiemen. Genau. Verlag, Texter und Komponisten bekommen jetzt richtig was ins Händchen gedrückt!

Von wem möchten Sie gecovert werden? Heino ist natürlich ein bisschen schwer zu covern. Das ist nicht bösartig gemeint. Die ganze Rock-, Pop- und Metal-Musik spielt sich maximal im Viervierteltakt und über eine Oktave ab. Der «Enzian» und einige andere Titel von mir gehen über drei Oktaven, das ist dann schon eine andere Schuhnummer. Songs wie «Junge» von den Ärzten und «Sonne» von Rammstein sind schöne Nummern mit tollen Texten, aber nicht unheimlich schwierig zu singen.

Outfitmässig machen Sie nun einen auf Nieten und Keith-Richards-Totenkopfring – goutieren das die älteren Fans? (lacht) Die sehen das sehr positiv! Sie freuen sich, dass ich ein Album mit modernen Popsongs gemacht habe. Die älteren Fans wurden wie ich auch jahrelang gehänselt im Sinne von: Dieser Heino ist doch von vorgestern.

Besuchen nun mehr jüngere Leute Ihre Konzerte? Mein Publikum ist im letzten halben Jahr um 40 Jahre jünger geworden. Im Ernst: Musikalisch hat eine Integration stattgefunden. Jung und Alt kann jetzt Heino hören.

Übrigens: Sie sind ursprünglich Bäcker und Konditor – wie unser Schweizer Exportstar DJ Bobo... Das ist kein Zufall, Bäcker und Konditoren haben gute Gene.

Was werden wir in Thun hören – ein Best-of-Programm oder vor allem die Coversongs? Ich werde alles machen, von Rammstein über Ärzte bis «Enzian», «Schwarze Barbara» und die «Haselnuss» – also die ganze Palette. Ich habe eine Zwölfmannband dabei mit Musikern auf dem höchsten Niveau. Zwei meiner Musiker haben kürzlich mit Barbra Streisand gespielt. Ich werde mit einem richtig heissen Orchester nach Thun kommen.

Berner Zeitung

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