Zum Hauptinhalt springen

Die Zentralbahn gibt sich noch eher zurückhaltend

Der Traum der umsteigefreien Bahnverbindung Montreux-Berner Oberland–Luzern rückt mit dem Umspur-Projekt der MOB ein Stück näher. Allerdings ist auf den Gleisen der Zentralbahn das Problem noch nicht gelöst.

Der Traum von der umsteigefreien, 189 Kilometer langen Verbindung auf der Golden Pass-Linie vom Genfer an den Vierwaldstättersee: Jahrzehntelang basierte dieser auf einer 53 Kilometer langen «Dritten Schiene» zwischen Zweisimmen und Interlaken Ost. Aus Kostengründen – im Gespräch waren 260 Millionen Franken und die Unterquerung des Bahnhofs Spiez – löste sich der Traum im Jahr 2006 in nichts auf. Bis die MOB diesen Herbst umspurbare Drehgestelle für ihre Reisezugwagen ins Spiel brachte (wir haben berichtet).Neben bereits erprobten Umspurfahrzeugen in Spanien von Normal- auf Breitspur (1435 auf 1668 Millimeter) und in Japan von Kapspur auf Normalspur (1067 mm auf 1435 mm) steht erstmals eine Umspurmöglichkeit von Schmal- auf Normalspur, also von 1000 auf 1435 mm zur Diskussion (siehe Kasten). Beim automatischen Umspurvorgang passen sich die Fahrzeuge auch den unterschiedlichen Perronhöhen an. Wobei der Umspurvorgang in Zweisimmen den knappen Fahrplan nicht verlängern darf. Das gilt auch für den Wechsel der Triebfahrzeuge, was automatische Kupplungen erfordert. Mehr als ein WerbegagDer Frage, ob es sich beim Projekt um einen blossen Werbegag der MOB handle, begegnet MOB-Direktor Richard Kummrow mit dem Hinweis: «Für einen Werbegag hätten wir wohl kaum soviel Vorarbeit geleistet. Und der Bund und die Kantone Bern, Waadt und Fribourg hätten die Finanzierung der drei Millionen Franken teuren Entwicklungs- und Erprobungsphase sicher nicht übernommen!»Die Gesamtinvestitionen in Infrastruktur und Fahrzeuge werden auf 44 Millionen geschätzt. 2012 sollen die ersten Züge durchgehend von Montreux bis Interlaken Ost verkehren. Dort wird allerdings bis auf unbestimmte Zeit Schluss sein. Mit diesem Projekt muss die MOB nicht mehr eigene Triebfahrzeuge umrüsten; sie kann ihre Züge zwischen Zweisimmen und Interlaken von BLS-Triebfahrzeugen und -Personal befördern lassen. In Zweisimmen wird laut Kummrow nebst der Umspuranlage für die Fahrzeuge auch eine Umspannungsanlage für die Fahrleitungen benötigt. Damit können sowohl die unter 900 Volt Gleichstrom verkehrenden MOB-Lokomotiven wie auch die für 15000 Volt Wechselspannung gebauten BLS-Triebfahrzeuge die Manövergleise für den Triebfahrzeugwechsel befahren.Grundsätzlich interessiert«Umspurfahrzeuge für Zahnstangenbetrieb über den Brünig stellen eine ganz andere Herausforderung dar, als der Betrieb Zweisimmen-Interlaken», begründet der Leiter Marketing und Verkauf, Ivan Buck, die abwartende Haltung der Zentralbahn (ZB). Etwa das zusätzliche Gewicht der umspurbaren Drehgestelle, das auf der Bergstrecke eine wesentliche Rolle spielt, beziehungsweise zu kürzeren Zügen führt.«Die Sache hat neben der technischen auch eine Marketingseite», sagt Ivan Buck und ergänzt: «Das Umsteigen in Zweisimmen wirkt für Reisende, vor allem für Gruppen, oft als Killer, da die Strecke Montreux–Interlaken meist direkt gefahren werden möchte. In Interlaken hingegen legen viele Touristen ohnehin einen Zwischenhalt ein – oder reisen in Richtung Bern–Zürich-Flughafen, Basel oder Grindelwald/Lauterbrunnen weiter.» «Wir sind auf den Prototyp der MOB gespannt und freuen uns, wenn das Projekt gelingt», folgert Ivan Buck. Auch wenn das Thema nicht prioritären Charakter habe, sei die ZB nicht abgeneigt, später die Möglichkeit zu prüfen, die Umspurfahrzeuge via Brünig bis nach Luzern zu führen. Gemeinsam mit der MOB und der BLS, mit welcher die ZB eine Marketingkooperation betreibt, behält sie laut Buck das Thema Umspurfahrzeuge aufmerksam im Auge. Eine echte AlternativeAuf Anfrage äussert sich auch die BLS AG zum Thema. Deren Mediensprecher Rolf Grossenbacher hält fest: «Das vorliegende Projekt der MOB ist sehr interessant, weil das umspurbare Rollmaterial ohne Anpassungen an der Infrastruktur sowohl auf dem Meterspurnetz der MOB als auch zwischen Zweisimmen und Interlaken Ost verkehren kann.» Zwar seien noch verschiedene technische Fragen offen. Da jedoch auch in anderen Ländern ähnliche Umspurtechniken entwickelt oder bereits funktionieren würden, sähe die BLS AG in der MOB-Entwicklung eine echte Alternative zu einer sehr kostspieligen und daher kaum realisierbaren Gleisumspurung oder Erweiterung mit einer dritten Schiene.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch