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Ein gefährliches Spiel am Gleis

Schüler aus Spiez sitzen an der BLS-Haltestelle in Lattigen–Spiez auf der Perronkante, lassen die Beine baumeln. Da naht ein Zug, der nur dank Schnellbremsung einen Unfall verhindern kann. Die BLS verzichtete bisher auf eine Anzeige.

Da ist es passiert: Auf diesem Perronrand an der Haltestelle in Lattigen sass eine Gruppe Schüler der Schlossbergschule und liess die Beine baumeln, als der Extrazug von Spiez her nahte. Er konnte rechtzeitig eine Schnellbremsung machen.
Da ist es passiert: Auf diesem Perronrand an der Haltestelle in Lattigen sass eine Gruppe Schüler der Schlossbergschule und liess die Beine baumeln, als der Extrazug von Spiez her nahte. Er konnte rechtzeitig eine Schnellbremsung machen.
Jürg Spielmann

«Wir hatten Glück und sind sehr froh, ist nichts passiert. Es war ein dummer Vorfall», sagt Andreas Blaser, Schulleiter der Spiezer Schlossbergschule. Zugetragen hat er sich am Montagnachmittag vergangener Woche. Ein Extrazug der BLS verliess den Bahnhof Spiez in Richtung Wimmis, wo er wieder Kehrt machen wollte. Sein Ziel: die Haltestelle Lattigen. Dort sollten rund 200 Lernende des Berufsvorbereitenden Schuljahres in den angeforderten Zug nach Spiez steigen. In der Sporthalle beim Labor Spiez hatten die jugendlichen Schüler der Schlossbergschule zuvor ihren Sporttag ausgetragen.

Das Glück stand Pate

Der Extrazug erreichte den Wendepunkt Wimmis jedoch nicht. Er kam nur bis Lattigen – wegen der Schüler. BLS-Sprecher Hans Martin Schaer bestätigt auf Anfrage, was Anwohner dieser Zeitung meldeten: «Als der Zug von Spiez her nahte, sah der Lokomotivführer, dass Personen an der Haltestelle gefährlich nah an den Gleisen waren. Nach einem Pfiff leitete der Lokführer eine Schnellbremsung ein.» Er tat dies gerade noch rechtzeitig – der Zug kam vor den Sitzenden zum Stillstand. Man müsse von Glück reden, sei nichts passiert, sagt Schaer. Er wie auch die Verantwortlichen der Schlossbergschule wissen, dass der Leichtsinn dramatisch hätte enden können. Die Züge brausen an der Station üblicherweise mit 80 Stundenkilometern vorbei.

Mit Polizei und Störungen

Wie ein Anwohner, der den Vorfall mitbekommen hat, erklärt, hätten die Schüler nicht auf den Pfiff der Lok reagiert. «Eine grössere Gruppe von Lernenden der Schlossbergschule setzte sich auf den Perronrand und liess die Beine auf das Bahntrassee baumeln», steht in einer Stellungnahme der Schule zum «gravierenden Zwischenfall» geschrieben. Das gefährliche Treiben wirkte sich auch auf den Zugverkehr aus. Laut BLS-Angaben war die einspurige Strecke ins Simmental von 16.25 bis 16.55 Uhr unterbrochen und auch Störungen im Zugverkehr bis Frutigen waren die Folge.

Wie deren Sprecher bestätigt, rief die BLS die Polizei herbei. Mit welchen Folgen? «Bis jetzt haben wir auf eine Anzeige verzichtet», sagt Hans Martin Schaer. Man sei aber mit der Polizei und der Schulleitung zusammen gesessen. Das, um Vorkehrungen zu treffen, damit sich solche Vorfälle nicht wiederholen. Laut Schaer steht die BLS in Kontakt mit der Schlossbergschule und deren Leiter Andreas Blaser, «wir dürften uns auf Massnahmen einigen», glaubt er.

Unabhängig von der Form der Untersuchung gegen die Fehlbaren wird die Schule «ihrerseits ebenfalls disziplinarische Massnahmen ergreifen», wie in ihrer Stellungnahme zu lesen ist. «Zudem wird es künftig auf Extrazügen eine Zugbegleitung geben», sagt Schulleiter und SP-Grossrat Andreas Blaser aus Steffisburg.

An der Haltestelle in Lattigen sollen laut Anwohnern schon vermehrt Schüler Probleme gemacht haben, so dass Züge behindert wurden. «Dem Lokpersonal und der Betriebsführung in Spiez war das bekannt», bestätigt der BLS-Sprecher. Er erinnere sich an einen Zwischenfall, der sich ebenfalls nach einem Sportanlass zugetragen habe.

Generelles Problem für BLS

Laut Hans Martin Schaer stellen Vorfälle dieser Art «generell ein Problem» für die BLS dar. «Wir erleben das beispielsweise auch im Bahnhof Spiez. Es gibt immer wieder Leute, die sich der grossen Gefahr nahe der Geleise nicht bewusst sind.» Zum Schulbeginn würde daher an schulnahen Bahnstationen auch präventive Aktionen durchgeführt – mit Flugblättern oder Informa-tionsveranstaltungen. Das BLS-Motto laut Hans Martin Schaer: «Denkt dran, Leichtsinn kann hier tödlich sein.»

Zur Spiezer «Schülerblockade» von vergangener Woche resümiert der Mediensprecher der BLS AG: «Sie wird den fehlbaren Schülern hoffentlich ein ‹Lehrblätz› sein.»

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