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«Einfaches Bärgpuurli» wegen antisemitischer Hetzschrift verurteilt

Wegen einer antisemitischen Hetzschrift ist am Donnerstag in Thun ein Sigriswiler Bergbauer verurteilt worden. Ihm wird eine bedingte Geldstrafe und eine Busse auferlegt.

Der Front-Seitenkopf des Sigriswiler Anzeigers sorgte für grosses Aufsehen.
Der Front-Seitenkopf des Sigriswiler Anzeigers sorgte für grosses Aufsehen.
Marc Imboden

Der Mann hatte im Januar 2010 im Sigriswiler Anzeiger Verschwörungstheorien mit klar antisemitischem Inhalt verbreitet.

Vor Gericht gab der Mann an, die mehrseitige Schrift stamme nicht von ihm. Er habe sie beim Aufräumen in seinem Büro gefunden und unter seinem Namen im Lokalblatt, das in alle Haushaltungen verteilt wird, publiziert.

Er habe die Schrift nur flüchtig durchgelesen und damals den Eindruck gehabt, dass das, was er gelesen habe, ganz gut in diese Zeit passe.

Geldzerfall machte ihm Sorgen

Den Mann beschäftigte offenbar die Absicht der Gemeinde, Schulen zu schliessen. Die entsprechenden Debatten wurden in Sigriswil äusserst emotional und mit persönlichen Anfeindungen geführt. Ausserdem habe ihm der weltweite Geldzerfall Sorgen gemacht, berichtete der Mann weiter.

Deshalb habe er, ohne viel zu überlegen, die Schrift dem Lokalblatt zur Publikation gebracht. Er habe aber niemanden diskriminieren wollen, gab sich der Angeschuldigte reumütig.

Der Verleger des Lokalblatts distanzierte sich umgehend vom Text, nachdem dieser in der Gemeinde und darüber hinaus für Schlagzeilen gesorgt hatte. Auch er gab damals an, den Text nicht gründlich gelesen zu haben.

Einfaches «Bärgpuurli»

In dem veröffentlichten Text steht unter anderem: «Das organisierte Weltjudentum (Zionismus) hat die totale Ausraubung gewisser reicher Länder, wie Deutschland, Schweiz, Österreich und anderer Staaten längst begonnen.»

Er habe nichts gegen Juden, und was Zionisten seien, wisse er nicht, behauptete der Angeschuldigte vor Gericht. Er sei ein einfaches «Bärgpuurli» und kein hochintelligenter Mann. Auf mehrfache Nachfrage hin betonte er stets, sich zum Text keine weiteren Fragen gestellt zu haben.

Zu Kursbesuch verpflichtet

Einzelrichter Raphael Lanz sah den Tatbestand der Rassendiskriminierung als klar gegeben. Der Fall sei keine Bagatelle, aber man dürfe ihn auch nicht überbewerten. Der Einzelrichter verurteilte den Angeschuldigten zu einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu 120 Franken und einer Busse von 800 Franken.

Mit der Privatklägerschaft - zwei Privatpersonen - einigte sich der Mann in einem Vergleich zu einer Zahlung von 750 Franken, die an die Schulen in Sigriswil fliessen sollen für Projekte gegen Rassismus und Antisemitismus. Zudem verpflichtete sich der Angeschuldigte, an einem öffentlichen Kurs zu Judentum und Antisemitismus teilzunehmen.

(SDA)

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