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Gefahren beim Schlitteln werden unterschätzt

Schlittelunfälle nehmen zu, und die Verletzungen sind oft schwerwiegend. «Man darf das Schlitteln deshalb nicht verurteilen», sagt Daniel Menna von der bfu. Es gilt jedoch, mit der richtigen Ausrüstung zu schlitteln.

«Gring abe u gible» – das Schlitteln ist als günstige Wintersport-alternative zum Skifahren oder Snowboarden zunehmend beliebt. Wer mit dem Sportgerät – ob bewährter «Grindelwalder», Rodel oder Bob – kopflos talwärts braust, riskiert einiges. Oft wird die Gefahr unterschätzt.

«Von 2003 bis 2007 verunfallten in der Schweiz pro Saison durchschnittlich 9900 Schlittler», sagt Daniel Menna von der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu). Mehr als die Hälfte jener, deren Ausflug beim Arzt oder sogar im Spitalbett endet, sind laut Menna Kinder. «Sie sind anfälliger für schwere Verletzungen bei Schlittelunfällen.» Trotz der Unfallzahlen dürfe man das Schlitteln aber nicht verteufeln – «es ist keine Todesfalle», betont der bfu-Sprecher. «Wichtig aber ist, dass man sich bewusst ist, dass es Risiken birgt.» Die drei Schlittel-Tipps der bfu:

• Auf markierten, hindernisfreien Wegen schlitteln;

• Sitzend und mit angepasster Geschwindigkeit fahren;

• Schneesporthelm und geeignete Winterbekleidung tragen.

Das Helm-Problem

Auch Dr. Dominik Heim, Chefarzt Chirurgie am fmi-Spital Frutigen, empfiehlt das Tragen eines Helmes. Mit der Tragquote ist das allerdings so eine Sache. «Es sind in der Tat nur wenige Schlittler, die einen Helm tragen», weiss Daniel Menna. Offizielle Zahlen gibt es bei der bfu dazu nicht. Während Skifahrer (63 Prozent) und Snowboarder (71 %) heute mit Kopfschutz auf die Piste gehen, ist dieser auf Schlittelbahnen noch kaum ein Thema. «Schlitteln wird anders als Skifahren und Snowboarden von vielen nicht als Wintersport betrieben, sondern irrtümlich als Freizeitbeschäftigung angesehen», sieht bfu-Sprecher Menna einen möglichen Grund.

Fast jeder 10. ein Schlittler

Auf Grund seiner Erfahrung rät Dr. Heim den Schlittlern auch zu gutem Schuhwerk (Knöchelverletzungen) und möglichst starren Handschuhen – wie sie die Snowboarder tragen. Denn der Chirurg kennt die Verletzungen. «Solche der unteren Extremität sind am häufigsten, sie machen 44 Prozent aus. Das sind Knöchelverletzungen oder Beinbrüche. Ihnen folgen Verletzungen der oberen Extremität, beispielsweise Handgelenkfrakturen, sowie Gehirnerschütterungen oder Gesichtsschädelverletzungen.» Was im Spital Frutigen aktuell auffällt – und aussergewöhnlich ist: «Am meisten behandelten wir bisher Schlüsselbeinbrüche.»

Per 25. Januar waren 148 verletzte Wintersportler ins fmi-Spital eingeliefert worden. 14 davon waren Schlittler – fast 10 Prozent. Laut Heim sind das gar so viele wie noch nie. Seit 1996 erfasst der Chirurg die Wintersportunfälle in seinem Gebiet (total 4754). Die Schlittelunfälle betrugen bislang drei bis sieben Prozent.

Häufiger in Spitalpflege

Von den 14 verletzten Schlittlern wurden laut Dominik Heim deren neun stationär und fünf ambulant behandelt. Interessant ist: «Schlittelunfälle sind häufig schwerer als andere Wintersportunfälle. Die stationären Spitalaufenthalte bei Wintersportverletzungen betragen bei uns 18 Prozent, bei den Schlittelunfällen sind es 27 Prozent!», sagt Heim. Selbst wenn er die Anzahl der Schlittler nicht kenne, sondern nur die Zahl der Verunfallten, habe er das Gefühl, dass die Unfälle zunehmen würden. Ebenso sei das Risikoverhalten der Wintersportler gestiegen.

Welche Rolle spielt der Alkohol auf den Schlittelbahnen? «Er senkt die Fahrfähigkeit, die Konzentrations- und die Reaktionszeit. Zugleich erhöht er die Risikobereitschaft», warnt bfu-Sprecher Daniel Menna. Man könne nicht mehr tun, als an die Vernunft zu appellieren. «Ein Gläschen Weisswein zum Fondue vor dem Nachtschlitteln liegt aber schon drin.»

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