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Gemeinde bezahlt 200 Franken für Zuzüger mit Kindern

Ungewöhnliche Werbeaktion in Forst-Längenbühl: Die Gemeinde im Thuner Westamt belohnt Neuzuzüger mit Kindern mit einer Prämie von 200 Franken. Damit soll den sinkenden Schülerzahlen Einhalt geboten werden.

Mehr Kinder braucht die Schule: In Forst-Längenbühl werden Neuzuzüger mit Kindern deshalb mit einer Prämie belohnt.
Mehr Kinder braucht die Schule: In Forst-Längenbühl werden Neuzuzüger mit Kindern deshalb mit einer Prämie belohnt.
Markus Hubacher

«Antizyklische Werbung» heisst das Zauberwort, das in jedem Marketingbuch zu finden ist. Es sei nie so einfach und günstig, mit Werbung auf sich aufmerksam zu machen, wie in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, so Experten. Genau das tut jetzt auch die Gemeinde Forst-Längenbühl im Thuner Westamt. Wie sie gestern bekannt gab, zahlt sie allen Neuzuzügern mit Kindern ab sofort eine Prämie von 200 Franken. Damit nicht genug: Auch die bestehenden Einwohner Forst-Längenbühls können von der ungewöhnlichen Werbeaktion profitieren. Und zwar indem sie eine Wohnung an Familien mit Kindern vermieten. Dann kommen auch sie in den Genuss der sogenannten Kinderprämie.

Symbolische Geste

Ein Jux? Mitnichten, sagt der für das Ressort Bildung und Kultur zuständige Gemeinderat Daniel Kancz. Mit der Aktion wolle die Gemeinde etwas gegen die seit Jahren sinkenden Schülerzahlen tun. «Wenn es so weitergeht wie bisher, müssen wir nächstes Jahr in unserer Schule eine Klasse schliessen», erklärt Kancz. Deshalb habe man zu diesem Mittel gegriffen. Die Idee dazu kam von einer Bewohnerin der 700-Seelen-Gemeinde. «Sie schlug im Anschluss an die letzte Gemeindeversammlung eine derartige Prämie vor.» Der Vorschlag wurde im Gemeinderat ausführlich diskutiert, abgewägt und schliesslich für gut befunden.

Dass mit den 200 Franken aber keine Heerscharen von neuen Bewohnern angelockt werden können, sei klar. «Uns geht es hier vor allem um eine symbolische Geste. Wir wollen zeigen, dass wir dem Schülerschwund nicht einfach tatenlos zusehen», betont Daniel Kancz. Die Gemeinde sei lieber kreativ, anstatt nichts zu tun. Konkrete Zielvorstellungen, wie viele Familien in den Genuss der «Kinderprämie» kommen sollen, hat die Gemeinde nicht. «Wir wären schon bei zwei oder drei neuen Zuzügern mit Kindern glücklich», sagt Gemeinderat Kancz. 72 Kinder gehen momentan in Forst-Längenbühl zur Schule. Bisher konnten dort alle Klassen, von der ersten bis zur neunten, angeboten werden, wobei bereits heute jeweils die erste und zweite Klasse, die dritte und vierte sowie die fünfte und sechste gemeinsam unterrichtet werden. Schafft die Gemeinde es nicht, mehr Familien mit Kindern anzuziehen, werden voraussichtlich ab 2010 die erste bis sechste Stufe in nur noch zwei Klassen zusammengefasst.

«Kleine müssen kreativ sein»

Beim bernischen Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR) staunte man gestern ob der ungewöhnlichen Werbeidee der Forst-Längenbühler. «Mir wäre keine andere Gemeinde im Kanton bekannt, die ein solches finanzielles Anreizsystem hat», sagte Ernst Zürcher auf Anfrage. Für die Kinderprämie ist der stellvertretende Amtsvorsteher aber des Lobes voll: «Kleine Gemeinden müssen heute, wenn sie ihre Einwohnerzahlen halten wollen, kreativ sein.»

In Forst-Längenbühl hofft man nun auch auf positive Reaktionen aus der eigenen Gemeinde: «Wir sind gespannt, wie die Bevölkerung reagiert», sagt Gemeinderat Daniel Kancz. Angst vor negativen Reaktionen oder dem Vorwurf, dass die Gemeinde Steuergelder aus dem Fenster werfe, habe man nicht. «Wenn wir neue Familien anziehen, kann das doch nur für alle gut sein.»

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