Gölä kämpft für schwangere Frauen

Zweisimmen

Bei den über 450 Interessierten aus dem Obersimmental und dem Saanenland war an der Informationsveranstaltung zur Spitalzukunft Empörung und Zorn spürbar. Prominente Unterstützung erhielten die Gegner der STS-Strategie von Mundartrocker Gölä.

Kämpfen für den Erhalt der Geburtenabteilung in Zweisimmen: Carmen Moor und Pia Eggen vom Komitee SpitalkämpferInnen, Mundartrocker Marco «Gölä» Pfeuti, Marianne Herbst von der IG Spitalversorgung und Simon Eggler als Vertreter der Unia-Ortsgruppe (v.l.).

Kämpfen für den Erhalt der Geburtenabteilung in Zweisimmen: Carmen Moor und Pia Eggen vom Komitee SpitalkämpferInnen, Mundartrocker Marco «Gölä» Pfeuti, Marianne Herbst von der IG Spitalversorgung und Simon Eggler als Vertreter der Unia-Ortsgruppe (v.l.).

(Bild: Fritz Leuzinger)

Über 450 interessierte Personen aus dem Simmental und dem Saanenland versammelten sich am Donnerstagabend in der Mehrzweckhalle St.Stephan. Am Infoanlass zur künftigen Spitalversorgung war im Publikum kein freier Platz mehr zu finden. Einzig die drei Stühle auf der rechten Podiumsseite blieben leer.

Die Vertreter der künftigen Spitalstrategie blieben der Veranstaltung fern, «unüberbrückbare Differenzen» in Bezug auf die Wahl des Moderators haben sie zu diesem Entscheid veranlasst (wir berichteten). Zum Podium eingeladen waren Vertreter der Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern, der Spital STS AG, des Vereins Medizinische Grundversorgung, die IG Spitalversorgung sowie Fachleute aus der Ärzteschaft. Gemeindepräsident Albin Buchs stand als Moderator fest.

Vor allem der Vorwurf seitens der STS-Geschäftsleitung zur nicht neutralen Gesprächsführung machte Gemeindepräsident Buchs betroffen. Erschüttert habe ihn zudem die Aussage, dass die Bevölkerung in dieser Angelegenheit ohnehin nichts mehr zu sagen habe.

Pfister kritisiert Spital STS AG

Am Infoabend herrschte heftiger Gegenwind zur angekündigten Spitalzukunft. Im Publikum machte sich Unmut breit, im Saal wurde getuschelt: «Die haben kalte Füsse bekommen! – Diese Feiglinge! – Diktatur: nicht mit uns! – Angst zeugt von mangelnden stichhaltigen Argumenten!».

Moderator Buchs ermahnte aber zur Bewahrung des Respektes. Der vorgesehene halbstündige STS-Infoblock wurde mit den Stellungnahmen der vier Simmentaler Grossräte Thomas Knutti, Christian von Känel, Anne Speiser (alle SVP) und Hansjörg Pfister (FDP) überbrückt. Im Vorfeld liess sich Pfister keinen Maulkorb umhängen.

Er bedauerte als STS-Verwaltungsrat deren Absage und wurde deutlich: «Der STS-Verwaltungsrat hat nicht die Bedeutung, wie sie oft kommuniziert wird. In den meisten Fällen diktiert die Geschäftsleitung das Vorgehen.» Grossrätin Speiser (Spitalstandortinitiative) war erfreut, dass drei Fachfrauen und nicht nur Männer argumentierten: «Wir sind auf der falschen Fährte, wenn künftig in unserer Region nur noch das dritte Lebensalter stattfindet.»

Viele offenen Fragen

Die Ist-Situation der Geburtenabteilung am Spital Zweisimmen mit jährlich zwischen 120 und 150 Geburten erläuterte wie auch schon an anderen Veranstaltungen Gynäkologin Dr.Nadine Kleinebekel als leitende Spitalärztin mit ambulanter Praxistätigkeit im Spital. Als Berner Hebammenpräsidentin argumentierte Marianne Haueter als Gegnerin der Zentralisierung. Die Lenker Hausärztin Dr.Gabriela Fetzer machte zudem den Kostenvergleich einer Geburt mit dem prestigeträchtigen neuen Herzinstitut von Bern. Fetzer befürchtet mit nur einem OP-Betrieb während der Bürostunden eine unweigerliche Spitalschliessung in Zweisimmen. Zudem sei das Rettungswesen für die betroffene Randregion ungeklärt.

Fragen zur STS-Spitalstrategie, zur Personalentwicklung, zum Spitalrückbau und -neubau sowie zum politischen Vorgehen blieben vorerst unbeantwortet. Unter anderem wurde auch gefragt, was die Gemeinden bewirken und was die Bevölkerung vorsehen könne. Auch wurde ein Spitalverband Oberland ohne Thun zum offenen Thema.

Das Komitee «SpitalkämpferInnen» stand mit Unterschriftenbogen Spalier (s. Kasten). Die vielen Unklarheiten wollen die Betroffenen nun am kommenden Mittwoch zu klären versuchen. Dann findet in Zweisimmen eine weitere Information mit der STS AG unter Regierungsstatthalter Michael Teuscher als Moderator statt. Fritz Leuzinger

Berner Oberländer

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