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Guggenmusik ist lauter, als viele denken

Am Wochenende machte das «Thuner Tagblatt» einige Lautstärkemessungen an der Fasnacht in Thun. Fazit: Die Guggen sind sehr laut, obwohl sie nicht in den Bereich von Schutzverordnungen fallen.

Guggen sind laut und nicht ganz ungefährlich fürs Ohr. Das TT machte mit einem Tontechniker Schallmessungen.
Guggen sind laut und nicht ganz ungefährlich fürs Ohr. Das TT machte mit einem Tontechniker Schallmessungen.
Markus Hubacher

Es gibt sie schon seit dem 16. Jahrhundert, und sie sollten ursprünglich die bösen Wintergeister an der Fasnacht vertreiben: die Guggenmusiken. Möglichst laut und schräg sollten sie klingen, denn nur so entsteht der typische Klang der Gugge. Erstaunlich ist aber, dass für diese Art der Musik keine Bewilligung nötig ist, obwohl sie oft sogar die Lautstärke von Rockkonzerten annehmen kann. Wir waren am Samstagabend mit einem Tontechniker unterwegs, der bei einer renommierten Firma im Bereich der Veranstaltungstechnik angestellt ist, und haben einige Messungen gemacht.

Keine Bewilligungspflicht

Die Lautstärkewerte bewegten sich zwischen 96 und 100 Dezibel, wofür bei einem elektroakustisch verstärkten Anlass eine Bewilligung verlangt worden wäre. Im Guggenzelt bewegten sich die Dezibelwerte an der oberen Grenze oder siedelten sich sogar leicht darüber an. Wie unsere Messungen mit dem professionellen Tontechniker gezeigt haben, sind die Mitarbeiter an den Bars im Inneren der Zelte zwar auch einem relativ hohen Pegel ausgesetzt. Die gemessenen Lautstärken an der Bar fielen aber nicht in den erwähnten Bereich.

Nur für verstärkten Schall

Allgemein unterliegen in der Schweiz öffentliche Anlässe der Verordnung über den Schutz des Publikums von Veranstaltungen vor gesundheitsgefährdenden Schalleinwirkungen und Laserstrahlen (SLV). Diese Verordnung gilt jedoch nur für elektroakustisch erzeugten oder verstärkten Schall und kann deshalb nicht auf die Guggenmusik angewendet werden. In unmittelbarer Nähe eines Guggenumzugs wurden Werte gemessen, die in den Geltungsbereich des Artikels 7 der SLV fallen, sprich: Werte von 96 bis 100 Dezibel.

Kinder direkt neben Guggen

Die farbenfrohen Kostüme und Masken an der Fasnacht locken jedes Jahr auch viele Familien an. Dass Eltern somit ihre Kindern Lautstärken im Bereich von Rockkonzerten aussetzen, darüber sind sich wahrscheinlich nur die wenigsten im Klaren. Kinder hielten sich ohne Gehörschutz auf der Bühne direkt neben der spielenden Gugge auf – und dies wohlgemerkt über längere Zeitperioden. «Eltern sollten diesbezüglich sensibilisiert werden», sagt der Tontechniker, den das TT begleitet hat. «Die Vergabe von Gehörschutzpfropfen wäre deshalb eine gute Idee.» Keine Sorgen müssen sich Eltern machen, die ihre Kleinen an der Kinderfasnacht mit Papagallo& Gollo teilnehmen liessen, denn diese Shows richteten sich strikt nach Artikel 5 Absatz 3 der SLV, welcher eine maximale Lautstärke von 93 Dezibel für Anlässe vorschreibt, die für Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre bestimmt sind.

Thuner Tagblatt/iek

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