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Hahnenkampf mit blutigem Ende

Als versuchte vorsätzliche schwere Körperverletzung wertete das Kreisgericht gestern die Messerattacke eines 21-Jährigen vor einem Jahr in der Diskothek Plaza in Grindelwald. Er erhielteine Bewährungsstrafe.

«Alkohol, Kokain, zwei Gruppen von Jugendlichen, ein hübsches Mädchen, dumme Sprüche – eine explosive Mischung, die dann ja auch explodiert ist.» Auf diese Weise fasste der Verteidiger des 21-jährigen Angeklagten zusammen, der sich gestern vor dem Kreisgericht in Interlaken verantworten musste, die Geschehnisse des 6.Februar 2008 zusammen. In der Nacht des besagten Tages hatte der damals 20-Jährige einem 17-Jährigen im Streit mehrere Stichverletzungen zugefügt. Abgespielt hatte sich die Auseinandersetzung vor der Diskothek Plaza in Grindelwald (wir berichteten).Der Tat vorausgegangen waren «vermutlich nur schiefe Blicke» und Äusserungen gegenüber der weiblichen Begleitung des Angeklagten, ausgetauscht vor der Toilette der Diskothek, als der 21-Jährige mit einem Bekannten mit zwei jungen Romands zusammentraf. So beschrieb der vorsitzende Richter den Hintergrund der Tat. Auch hätten Alkohol- und Drogenkonsum in nicht unerheblichem Masse eine Rolle gespielt. «Im Grunde ging es um gar nichts, trotzdem ist die Sache eskaliert», sagte der Verteidiger und zitierte den Gutachter, der das Gebaren der vier beteiligten jungen Männer als «subtilen Hahnenkampf» bezeichnet hatte. Messer aus Reflex gezücktAuf dem Parkplatz vor der Diskothek standen sich die Streithähne gegenüber. Wie der Angeklagte angab, sei er vom körperlich überlegenen Romand geschubst worden. Daraufhin habe er ein Klappmesser aus der Hosentasche gezogen und zugestochen. «Um den anderen fernzuhalten», gab der Beschuldigte an.Das Gericht sah es jedoch als erwiesen an, dass der Angeklagte eine schwere Körperverletzung in Kauf genommen habe, wodurch der Tatbestand des Vorsatzes erfüllt worden sei. Drei Stichverletzungen hatte der 21-Jährige seinem Kontrahenten in Brust und Rücken zugefügt, wobei das Messer Herz und Lunge um wenige Zentimeter verfehlte.Zum Zerkleinern von HaschBeim Klappmesser schenkte das Gericht dem Beschuldigten Glauben, der ausgesagt hatte, dass er dieses als Werkzeug zum Zerkleinern von Haschisch gebraucht habe. Und so waren neben dem Verstoss gegen das Waffengesetz der Konsum und der Handel mit Kokain und Marihuana weitere Punkte der Anklage. Strafentscheidend war die versuchte vorsätzliche schwere Körperverletzung. Das Gericht verhängte eine Freiheitsstrafe von 16 Monaten. Diese wurde, da es sich bei dem 21-Jährigen um einen Ersttäter handelt, zur Bewährung ausgesetzt. Zudem muss der Verurteilte die Verfahrenskosten von 10'000 Franken tragen und sich den Ratschlag des Richters zu Herzen nehmen: «Hände weg von allen Drogen!»

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