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Im Winter blühen Bergbahnen auf

Mit den Adelbodner Bergbahnen geht es steil bergauf: Mit Genugtuung schaute die turbulent endende Generalversammlung auf ein super Jahr zurück. Dank dem Winter schneite es dem Unternehmen viel Geld in die Kasse.

Verwaltungsratspräsident Emanuel Aellig brauchte das Wort «super» schon bei der Begrüssung und er war damit keineswegs der Letzte an dieser Generalversammlung, die von 369 Aktionären (41 Prozent des Kapitals) besucht wurde. Dass die Freude der Unternehmensleitung berechtigt ist, zeigt ein Blick auf die Zahlen. Klar wird dabei auch, dass sich die Adelbodner aus rein wirtschaftlicher Sicht wünschen müssten, es wäre ewig Winter.

Aber kaum ist jeweils der Schnee geschmolzen, kommen neue Herausforderungen zum Vorschein, beispielsweise die Optimierung des Wasserversorgungs- und Beschneiungssystems. Heute verfügt die Baag zwar über rund 120 Stationen für die Beschneiung (einesteils Propellermaschinen, andernteils so genannte Lanzen). Diese können aber gar nicht alle gleichzeitig eingesetzt werden, weil die verfügbare Wasserkapazität nur 470 Kubik pro Stunde beträgt. Vor diesem Hintergrund sollen in absehbarer Zeit ein neues Pumpwerk und ein Speichersee erstellt werden.

Fünfliber fürs Parkieren?

Ferner sucht der Baag-Verwaltungsrat nach einer optimalen Zusammenarbeit mit den Nachbarn an der Lenk. Der Verwaltungsratspräsident erteilte dem «Täli»-Denken eine klare Absage, und sein Amtskollege von den Lenker Bergbahnen, Hans Grünewald, legte ebenfalls ein Bekenntnis zur Bündelung der Kräfte ab. Eine Studie soll nun Möglichkeiten zur Kooperation aufzeigen. Ein heisses Eisen dürfte die Problematik «Bewirtschaftung des Parkplatzes Sillerenbahn in der Oey» werden: Ist es klug, (auch noch) einen Fünfliber fürs Parkieren zu verlangen? Soll die Zahlungspflicht nur für Gäste gelten oder auch für Einheimische? Kritik hinnehmen musste die Unternehmensleitung – vor und an der Generalversammlung – , weil der Sessellift Chuenisbärgli im November und an Ostern bei sehr guten Schnee- und Wetterverhältnissen noch nicht beziehungsweise schon nicht mehr in Betrieb war. Direktor Markus Hostettler sagte dazu, eine Diskussion im Nachhinein brächte nichts, aber man habe das Geschehen analysiert, werde die Lehren ziehen und hoffe auf etwas mehr «Entscheidungsglück».

Der «doppelte Lauber»

Die statutarischen Geschäfte wären von der grossen Mehrheit der Aktionäre wohl diskussionslos durchgewunken worden. Dass es überhaupt zu Debatten kam, lag an zwei Aktionären: Stefan Lauber und Samuel Zimmermann. Lauber warf der Unternehmensleitung sinngemäss vor, die guten Leistungen seines Sohnes als ehemaliger Betriebsleiter des Sillerenbühl-Restaurants schmälern zu wollen und im Geschäftsbericht die Abschreibungen verwirrlich dargestellt zu haben. Im ersten Punkt erlag der Kritiker einem Missverständnis, im zweiten hatte er Recht.

Lauber spielte übrigens einmal mehr eine Doppelrolle: Als Gemeinderatspräsident empfahl er «namens der sehr grossen Mehrheit» der Exekutive die Décharge-Erteilung an den Verwaltungsrat, persönlich stimmte er aber dagegen. Dasselbe tat er bei der Wahl seines Gemeinderatskollegen Christoph Burn in den Baag-Verwaltungsrat (als Nachfolger des nach acht Jahren zurückgetretenen Daniel von Allmen).

Aggressive Voten

Zum verbalen Zweihänder griff Samuel Zimmermann: Dreimal richtete er harsche, aber von den Fakten her nicht solid abgestützte Kritik («Man hat sagen gehört…») an den Verwaltungsrat. Gestoppt wurde der «Bodenhüttli»-Wirt vom ehemaligen Baag-Präsidenten Jean-Rolf Pieren: Dieser wusch Zimmermann im Besonderen und den Nörgelern im Allgemeinen gründlich die Kappe. «Statt immer nur zu kritisieren, sollte man einmal anerkennen, dass hier in Adelboden viel geleistet und Gutes geschaffen wird», argumentierte Pieren und erntete prompt den grössten Applaus der Veranstaltung. Als Samuel Zimmermann nochmals das Wort ergriff und seinen Kontrahenten persönlich beleidigte, verliessen Dutzende von Aktionären demonstrativ den Saal, während viele andere buhten. Das war quasi die letzte Abstimmung dieser denkwürdigen Baag-Generalversammlung.

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