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Im Winter ein Verlustgeschäft

Das «Bellevue au Lac» in Hilterfingen schreibt jeden Winter rote Zahlen. Besitzer Peter Ammann stellt vorerst auf Sommerbetrieb um. Er sucht zudem einen Pächter, der den Betrieb auf eigene Rechnung führt.

Das Hotel Bellevue in Hilterfingen: Ab 30. Oktober kann niemand mehr die Herbststimmung auf der Terrasse geniessen, denn an diesem Tag geht das Hotel für fünf Monate zu.
Das Hotel Bellevue in Hilterfingen: Ab 30. Oktober kann niemand mehr die Herbststimmung auf der Terrasse geniessen, denn an diesem Tag geht das Hotel für fünf Monate zu.
Archiv TT/Patric Spahni

«Umstrukturierung zum Sommersaisonbetrieb» steht in fetten Grossbuchstaben auf der Homepage des Hotels Bellevue au Lac in Hilterfingen. Der Besucher der Website erfährt zudem: «Das Hotel Bellevue au Lac wird wieder in einen Sommersaisonbetrieb umfunktioniert. Somit schliessen wir das Bellevue au Lac am 30. Oktober 2009. Die Wiedereröffnung der Sommersaison ist der 1. April 2010.»

Ein Verlustgeschäft

Die Umstellung habe überwiegend wirtschaftliche Gründe, sagt «Bellevue»-Direktor Klaus Lamprian. «Durch Personalreduktion konnten wir den Betrieb während des Sommers wieder in die schwarzen Zahlen führen. Im Winter jedoch ist das ‹Bellevue› ein Verlustgeschäft.» Dass das «Bellevue» jeden Winter einen Verlust in siebenstelliger Höhe schreibe, wie es gerüchteweise herumgeboten wird, sei aber masslos übertrieben. Viele Hotels am Thunersee zehren im Winter von den Einnahmen des Sommers. «Bellevue»-Besitzer Peter Ammann von der Ammann Globalbau AG geht einen anderen Weg. «Er investiert die Einnahmen in die Werterhaltung des Hotels», sagt Lamprian. So würden im nächsten Winter etwa die Teppichböden und mehrere Zimmer saniert.

Kein Verkauf geplant

Wer in ein Gebäude investiert, denkt meistens nicht daran, es zu verkaufen. Klaus Lamprian bestätigt denn auch: «Peter Ammann will das Hotel nicht loswerden, sondern hat ein Interesse daran, dass der Betrieb weitergeführt wird.» Auf der anderen Seite wolle sich Ammann vermehrt auf sein Kerngeschäft, die Planung und Realisierung von Immobilien, konzentrieren. Er beabsichtige, den Betrieb zu verpachten, wenn möglich auf den 1. Januar 2010. Der Unterschied zur heutigen Organisationsform mit einem Direktor besteht darin, dass ein Pächter auf eigene Rechnung wirtschaftet. Wenn Amman einen Pächter findet, kann dieser selber bestimmen, ob er das «Bellevue» nur im Sommer oder auch im Winter offen halten will. Ob Klaus Lamprian dieser Pächter sein wird, ist derzeit noch offen. Er bestätigte aber: «Ich stehe mit Peter Ammann in Pachtverhandlungen.»

26 Kündigungen

Schmerzliche Auswirkungen hat die einstweilige Umstellung für das Personal: Zehn befristete Verträge wurden nicht erneuert, und zehn Mitarbeiter mit unbefristeten Verträgen (inklusive Direktor) erhielten die Kündigung. «Zwei der sechs Lehrlinge konnte ich in einen anderen Betrieb umplatzieren, drei können eine Schnupperlehre antreten, bei einem Lehrling ist die berufliche Zukunft noch offen», so Lamprian.

«Hartes Brot»

Für Branchenkenner ist die Umstellung auf Sommerbetrieb nachvollziehbar. Dass in den Wintermonaten im «Bellevue» nicht viel Geld zu verdienen ist, bestätigt etwa Felix Milt. Er leitete die Geschicke des «Bellevue» von 1992 bis 2003 und führte gleich zu Beginn seines Engagements den Winterbetrieb ein. Im Winter am See ein Hotel zu führen, bedeute «hartes Brot», erinnert sich Milt. «Wir mussten extrem genau kalkulieren, um einigermassen wirtschaftlich arbeiten zu können. Es kam auf jede eingesparte Stelle an.» Trotzdem sei der Betrieb in der kalten Jahreszeit oft defizitär ausgefallen. «Den besten Tagesumsatz des ganzen Jahres», weiss Milt noch heute, «machte ich jeweils am 31. Dezember mit dem Silvesteranlass.»

Egger: «Bedenklich»

Doch die Kursänderung «Bellevue» sorgt auch für Fragezeichen. «Es ist bedenklich, dass mit dem ‹Bellevue Au Lac› das Flaggschiff des Tourismus in unserer Gemeinde nur noch im Sommer geöffnet sein soll», sagt Hilterfingens Gemeindepräsident Ueli Egger (SP). Die Teilschliessung ist erstens dem guten Ruf der Gemeinde in Tourismuskreisen schädlich, und zweitens gehen Hilterfingen damit Steuereinnahmen und der Tourismusorganisation Kurtaxen durch die Lappen – obwohl im Winter im «Bellevue» nur ein kleiner Teil des Umsatzes erwirtschaftet wurde. «Wir haben mit dem ‹Bellevue›-Besitzer Peter Ammann Kontakt aufgenommen und unsere Hilfe in dieser wirtschaftlich schwierigen Zeit angeboten», sagt Egger weiter. «Ammann erklärte, dafür sei es noch zu früh.»

Schneider: «Enttäuscht»

Auch bei der Tourismusorganisation Oberhofen-Hilterfingen-Hünibach kommt ob der Teilschliessung keine Freude auf. «Ich bin masslos enttäuscht und habe für diesen Schritt kein Verständnis», sagt Präsident Ueli Schneider. «Aus der Übernachtungsstatistik weiss ich, dass das «Bellevue» im Sommer sehr gut besucht ist. Andere Hotelbetriebe zehren im Winterhalbjahr auch vom Sommer und führen den Betrieb in der mageren Zeit weiter.» Die einzige positive Seite an der nun anstehenden «Bellevue»-Umstrukturierung ist für Schneider die Tatsache, dass der Betrieb im Frühling wieder geöffnet wird. «Eine Schliessung des Hotels zugunsten von Wohnungen oder einer Seniorenresidenz wäre touristisch nicht akzeptabel.»

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