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Knatsch im «Birchermüesli-Hotel»

Der Traum vom medizinischen Zentrum von Andres Bircher in Beatenberg ist geplatzt: Uneinigkeit in Sachen Vertrag führte zur sofortigen Trennung zwischen dem Naturheilpraktiker und dem Parkhotel.

Zerrissene Partnerschaft: Was noch im Juni nach Frieden und Eintracht aussah, ging jetzt in die Brüche. Andres Bircher (r.) wirft Hoteldirektor Kai-Uwe Herbing vor, die Vertragsverhandlungen verschleppt zu haben.?Dieser wehrt sich: «Dafür wäre ein Businessplan zwingend.»
Zerrissene Partnerschaft: Was noch im Juni nach Frieden und Eintracht aussah, ging jetzt in die Brüche. Andres Bircher (r.) wirft Hoteldirektor Kai-Uwe Herbing vor, die Vertragsverhandlungen verschleppt zu haben.?Dieser wehrt sich: «Dafür wäre ein Businessplan zwingend.»
Monika Hartig

Kein Vertrag, kein Businessplan und dazu auch noch rückläufige Patientenzahlen: Gegenseitige Vorwürfe führten offenbar zum Zerwürfnis zwischen dem Parkhotel Beatenberg und dem Naturheilpraktiker Andres Bircher. Wie jetzt erst bekannt wurde, hat der Enkel des Birchermüesli-Erfinders Maximilian Oskar Bircher-Benner bereits vor einem Monat seine Sachen gepackt und Beatenberg verlassen. Nach nur viermonatiger Tätigkeit. «Das ist sein gutes Recht», sagt Parkhotel-Direktor Kai-Uwe Herbing, «aber über den Stil seines Abgangs lässt sich diskutieren».

Kein Vertrag

Das Recht zur Aufgabe des Zentrums für Naturheilkunde, das im vergangenen Mai eröffnet wurde (wir haben berichtet), hat Andres Bircher tatsächlich. Denn bis jetzt konnten sich die beiden Parteien vertraglich nicht einigen. Das ist der Kernpunkt der plötzlichen Trennung. Andres Bircher erklärt: «Ich habe die Parkhotel-Direktion mehrmals vergeblich zur Aus-arbeitung eines Vertrages aufgefordert, aber sie wich immer wieder aus.».

Kein Businessplan

Parkhotel-Direktor Kai-Uwe Herbing erwidert: «Wir haben Andres Bircher bereits vor der Eröffnung des medizinischen Zentrums gebeten, einen Businessplan zu erstellen. Da ihm dies offenbar nicht möglich war, haben wir vereinbart, die tatsächliche wirtschaftliche Entwicklung nach der Eröffnung zu beobachten, ehe wir einen Vertrag abschliessen.»

Andres Bircher habe im August nochmals auf einen Vertrag gedrängt. «Wir teilten ihm mit, dass für einen Vertragsabschluss über die von ihm gewünschten fünf Jahre schon rein auf Grund seiner Anforderungen an die Personalausstattung die Er-stellung eines Businessplanes zwingend wäre», sagt der Hoteldirektor. Parallel dazu sei eine kontinuierliche Abnahme der Kurgäste von anfänglich 15 auf deren drei feststellbar gewesen. Herbing erachtet das von Bircher geführte Zentrum deshalb als ökonomisch nicht tragfähig. Und: «Seinen hohen Wünschen in punkto Personal konnten wir unmöglich nachkommen. So lässt sich beispielsweise ein Diätkoch für vier bis fünf Patienten nicht finanzieren.»

Andres Bircher schliesst eine spätere Rückkehr ins Parkhotel nicht aus und zeigt sich nach wie vor offen für weitere Verhandlungen mit dem Parkhotel. «Aber nur, wenn künftig klare Verträge entstehen. Und bis heute weiss ich ja nicht einmal, wer eigentlich der Besitzer des Parkhotels Beatenberg ist. Es ist halt offenbar einfach alles ein bisschen undurchsichtig da oben.» Parkhotel-Direktor Kai-Uwe Herbing bestätigt, «dass sich der Besitzer aus einer Aktiengesellschaft zusammenstellt, jedoch namentlich anonym bleibt.»

«Schade für den Ort»

Verena Moser als Gemeindepräsidentin von Beatenberg hat selber erst vor wenigen Tagen und durch einen Zufall vom Bruch zwischen Bircher und dem Parkhotel gehört. Sie bedauert die Auflösung des neuen Naturheilzentrums und sagt: «Es ist sehr schade für unseren schönen Ort, dass die Verantwortlichen diese Chance nicht genutzt haben und dieses Angebot jetzt künftig fehlen wird.»

Es sollte eigentlich eine Win-win-Situation für beide Seiten werden: Das Parkhotel Beatenberg hätte von Andres Birchers bekanntem Namen und seinen Naturheilmethoden profitieren können, und er von der Infrastruktur des Hotels. Als Mieter ohne Miete leitete der Allgemeinmediziner seit Mitte Mai das Zentrum für Naturheilkunde. Bircher kündigte damals an, er werde sich gemeinsam mit der Universität München um die offizielle Anerkennung Beatenbergs als heilklimatischen Kurort bemühen.

Zuvor hatte die Familie Bircher in Le Pont, im Waadtland, bereits ein Zentrum für ganzheitliche Medizin betrieben, das jedoch nach nur dreizehn Monaten aus finanziellen Gründen aufgegeben werden musste. Bereits 1994 wurde auch die Bircher-Benner Klinik in Zürich geschlossen.

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