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Kulturbetriebe klagen über Besucherrückgang und Mehrkosten

Halbzeit bei den meisten Thuner Kulturveranstaltern: Sie verraten, wie sie mit ihrer Exil-Situation ausserhalb des Schadausaals umgehen. Gemeinsam ist bei allen ein Besucherrückgang und Mehrkosten.

Thuner Orchester im Spiezer Exil: Das Stadtorchester – im Bild bei seinem ersten Sinfoniekonzert der laufenden Saison – hat sich den Lötschbergsaal in Spiez als Alternative zum Stammhaus in Thun, dem Schadausaal und künftigen KKThun, ausgesucht.
Thuner Orchester im Spiezer Exil: Das Stadtorchester – im Bild bei seinem ersten Sinfoniekonzert der laufenden Saison – hat sich den Lötschbergsaal in Spiez als Alternative zum Stammhaus in Thun, dem Schadausaal und künftigen KKThun, ausgesucht.
Archiv TT/Hubacher

Halbzeit für die Thuner Theater- und Konzertsaison bedeutet für die Veranstalter, eine erste Zwischenbilanz über ihr Exil-Dasein ausserhalb des Schadausaals Thun zu ziehen; dieser wird noch bis Frühjahr 2011 zum Kultur- und Kongresszentrum KKThun um- und ausgebaut (vgl. Kasten).

Während die einen über hervorragende Alternativsäle verfügen, versuchen andere, an ihrem Exil-Standort noch Optimierungen vorzunehmen. Eines hingegen mussten alle Thuner Veranstalter, die vorläufig nicht im Stammhaus an der Seestrasse arbeiten können, feststellen: Das Publikum ist nicht so leicht bereit, «seinen» Anbietern an einen anderen Ort zu folgen. Besucherrückgang und damit auch finanzielle Einbussen – einerseits durch rückläufige Ticketeinnahmen, andererseits durch Mehraufwände wie Shuttle-Bus oder Werbemassnahmen – sind die Folgen. Doch ans Aufgeben denkt kaum jemand, wie eine Umfrage unter vier Kulturanbietern zeigt.

Kunstgesellschaft Thun

Die Kunstgesellschaft Thun (KGT) verzichtet in dieser und der nächsten Saison auf Musikproduktionen und setzt ganz auf Sprechtheater. «Die Lokalität in der Steffisburger Aula Schönau ist nach wie vor am besten geeignet. Wir versuchen, Komfortlücken mit verschiedenen Angeboten zu schliessen», sagt Beatrice Grundbacher, Leiterin der KGT-Theaterkommission. Das Verständnis und die Hilfsbereitschaft sei bei den Gastspielensembles und den Aula-Verantwortlichen vorhanden. Dennoch lasse sich das eine oder andere optimieren, weiss Grundbacher und sagt: «Wir wären dankbar, wenn wir vermehrt von ‹unzufriedenen› Zuschauerinnen und Zuschauern angesprochen würden. So liessen sich Missverständnisse ausräumen.»

Trotz dem Angebot der KGT, einen Shuttlebus von Thun zur Aula Schönau und zurück anzubieten, sei ein Abonnenten-Einbruch von gut 25 Prozent zu verzeichnen; und auch bei den Einzeleintritten stellen die Veranstalter ein Minus fest. «Schulen finden den Weg nach Steffisburg weniger als in den Schadausaal. Aber damit haben wir gerechnet», resümiert Grundbacher. Für die KGT bleibe nichts anderes übrig, als auch in der Folgesaison 2010/2011 wieder ins Steffisburger Exil zu gehen; die Räumlichkeiten sind denn auch bereits gebucht.

Thuner Stadtorchester

Ganz ähnlich sieht die Situation bei der Allgemeinen Orchestergesellschaft Thun (AOG) aus: Das Stadtorchester spielt im Spiezer Lötschbergsaal und in der Stadtkirche. «Eine Freude ist die überaus schöne Akustik im Lötschbergsaal, die der Stadtkirche und dem bisherigen Schadausaal klar überlegen ist», konstatiert AOG-Präsident Christoph Müller. So steht bereits fest, dass 2010/2011 drei Konzerte im Lötschbergsaal Spiez und eines in der Thuner Stadtkirche stattfinden werden.

Einbussen stellt auch die AOG fest. «An den beiden Alternativlokalen betragen die Einbussen etwa zehn Prozent», weiss Müller. Als Massnahme gegen die Mindereinnahmen setzt er mit seinem Team auf Werbestrategien: «Die Werbung in Spiez für das dritte Sinfoniekonzert am 13. und 14. März muss intensiver werden. Da ist sicher noch etwas zu holen.»

Thuner Neujahrskonzerte

Die Thuner Neujahrskonzert fanden heuer im Burgsaal Thun statt. OK- und Stadtpräsident Hansueli von Allmen erachtet den Burgsaal von den verfügbaren Alternativen «als beste Lösung». So wird auch am 1. Januar 2011 das «Prosit Neujahr» an diesem Standort erklingen. «Aber wir müssen besser kommunizieren, dass der Burgsaal nicht auf dem Schlossberg liegt», hat er festgestellt. Mit der Auslastung 2010 ist von Allmen zufrieden: «Wir waren am Nachmittagskonzert zu 100 und am Abendkonzert zu 78 Prozent belegt. Allerdings bei einem rund 40 Prozent kleineren Platzangebot als im Schadausaal.» Entsprechend seien auch die Einnahmen zurück gegangen.

Thuner Kultursoufflé

Ganz aussetzen will einzig das Team der Thuner Kultursoufflé-Reihe, wie deren Sprecher Kurt Keller sagt: «Wir machen Pause bis Herbst 2011.» Ob das an der Exil-Situation oder an einer möglichen Ermüdungserscheinung der OK-Mitglieder liegt, lässt Keller offen.

Immerhin: Mit der einzigen Veranstaltung der laufenden Saison am 10. und 11. September 2009 im Lötschbergsaal Spiez ist Keller mehr als zufrieden. «Der Lötschbergsaal ist optisch ansprechend, hat eine gute Akustik und vor allem freie Parkplätze in ausreichender Zahl und in unmittelbarer Nähe», zählt er die Standortvorteile auf. Dennoch mussten auch die Veranstalter des Kultursoufflés feststellen, dass der Transfer nach Spiez «sicher einiges an Geld und Zuschauern gekostet hat», wie Keller sagt.

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