Mit einer Grosskäserei den Naturpark aufwerten

Diemtigen

Diemtigen plant, ihr Industriegebiet Burgholz auf die landwirtschaftliche Liegenschaft Ansmatte auszudehnen. Dort soll in einer ersten Phase eine Naturparkkäserei entstehen.

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Die am Fusse des Niesens gelegene landwirtschaftliche Liegenschaft Ansmatte gehört der Gemeinde Diemtigen. Da der Vertrag mit dem Pächter Walter Küng nach 41 Jahren Ende 2016 ausläuft, will sie die Industriezone Burgholz auf einen Teil der gut 16 Hektaren Land ausdehnen.

Der in Pension gehende Küng erklärte an dem von Gemeindepräsident Hans von Allmen geleiteten Informationsanlass der Gemeinde am Dienstagabend: «Der Bauernbetrieb könnte nur als Ganzes sinnvoll erhalten werden, wobei beträchtliche Investitionen nötig wären. Was jetzt passieren soll, tut mir weh. Für mich und meine Familie war es ein tolles Heim, und wir genossen als Pächter viel Freiheit.» Der Naturpark Diemtigtal hätte den Hof wahrscheinlich auch anders nutzen können, doch er sehe ein, dass eine gemischtwirtschaftliche Nutzung der Liegenschaft wohl vernünftig sei.

Man habe mit dem Inforama Hondrich seit 2010 verschiedene künftige Nutzungskonzepte geprüft, erklärte Gemeinderat Hans-Rudolf Reber. «2013 hat sich der Gemeinderat entschieden, die nun aktuelle Variante weiterzuverfolgen. 3,2 Hektaren sollen – die Genehmigung zur Zonenänderung vorausgesetzt – industriell genutzt werden. Der Rest soll ohne Ökonomiegebäude parzellenweise verpachtet werden.» Den Wohnteil des bestehenden Gebäudes möchte man weiterhin nutzen.

Als Schwerpunkt definiert

Im Regionalen Gesamtverkehrs- und Siedlungskonzept (RGSK) sei die Industriezone Burgholz seit mehreren Jahren als Arbeitsschwerpunkt definiert, erklärte Gemeinderatspräsident Martin Wiedmer. Derzeit würden im Burgholz rund 130 Vollzeitstellen geboten. «Der Gemeinderat will Voraussetzungen schaffen, dass das Gewerbe weiter Entwicklungsmöglichkeiten hat und Arbeitsplätze schaffen kann.

Mit dem Kanton laufen darum Verhandlungen über eine Neueinzonung eines Teils der Ansmatte und eine eventuelle Kompensation von Fruchtfolgeflächen.» Seit gut einem Jahr sei man im Gespräch mit Interessenten der Naturparkkäserei Diemtigtal (siehe Box). «Das ist ein Projekt mit überregionalem Charakter, das es in dieser Art im Kanton noch kaum gibt.»

Zentraler Bahnübergang

Da die BLS ihre Bahnübergänge sanieren muss, wird die industrielle Erschliessung zusammen mit dem Bahnunternehmen geplant. Das Bundesamt für Strassen (Astra) saniert derzeit die Simmebrücke im Burgholz. «Zuerst wurde ein Bahnübergang in der Flucht dieser Brücke geprüft», informierte Gemeinderat Kurt Luginbühl. «Die grossen Höhenunterschiede, das Anschlussgeleise der Mühle sowie die nationale Radwanderroute hätten aber zu grosse Aufwände mit entsprechenden Kosten zur Folge gehabt.» Zwischen der Gewürzmühle und dem Gelände von Burn und Künzi sei dann ein idealer Standort gefunden worden.

Die Linienführung der Radwanderroute könne dem Projekt angepasst werden. «Die Absprachen und Vereinbarungen mit den tangierten Landeigentümern sind bis auf eine Ausnahme bereits abgeschlossen.» Vom neuen Bahnübergang werde eine Strasse zum Übergang Port, der in der Folge aufgehoben werde, erstellt. Diese Route solle dann auch als Zufahrt zur Gewerbezone Angen bei Oey dienen, damit dieser Ort entlastet werde. In Oey steht zudem die Aufhebung des Bahnübergangs Kesslergasse in der Nähe das Bahnhofs zur Diskussion.

Darüber muss die Bäuertversammlung Oey noch befinden. «Mit der Aufhebung der Übergänge Port und Kesslergasse spart die Gemeinde 400'000 Franken, die sonst als 50-Prozent-Anteil an die Sanierungskosten fällig würden», hielt Gemeinderat Kurt Luginbühl fest.

Für die Gemeinde seien beim nun aktuellen Projekt mit dem Bahnübergang Ansmatte für Anschlussstrassen, Entwässerung sowie Planung und Bauleitung Kosten in Höhe von 1,5 Millionen Franken zu erwarten. Die Planauflage beim Bundesamt für Verkehr (BAV) erfolgt vom 1. bis 30.Juni. Im Falle einer Baubewilligung im kommenden Jahr soll die Ausführung bis Ende 2017 erfolgen. Was mit dem kleinen Bahnübergang bei der Station Burgholz passiert, ist derzeit noch unklar.

Sachliche Diskussion

In der überaus sachlich geführten Diskussionsrunde – es waren in der Mehrzweckhalle Oey rund 90 Personen anwesend – wurde angeregt, dass aber mit dem restlichen Landwirtschaftsland «ein Kleinod» zu schaffen sei, das zum Naturpark passe. Eine Zerstückelung mit sonst zu erwartendem Fuhrverkehr solle also möglichst vermieden werden, wurde geäussert.

Zudem wurde darauf hingewiesen, dass mit neuen Arbeitsplätzen auch Wohnraum geschaffen werden sollte, da sonst die zu erhoffenden Steuereinnahmen ausbleiben würden. Und zur optimalen Nutzung des Geländes seien Parkplätze möglichst unterirdisch einzurichten. Bestätigt wurde den Anwesenden zudem, dass nebst dem nun präsentierten Käsereiprojekt bereits diverse Anfragen von weiteren interessierten Firmen vorlägen.

Ein beim Bahnübergang Port wohnender Bürger bemängelte die für ihn allzu lange ausgebliebene Information. So habe er erst kürzlich erfahren, dass er mit der Schliessung des Übergangs «abgenabelt» werde. Dem wurde entgegengehalten, dass sich die Verhandlungen teilweise als schwierig erwiesen hätten. Darum sei man entsprechend zurückhaltend gewesen.

Verschiedene Sichtweisen

Grossrat Jürg Iseli betonte als Präsident des Vereins Naturparkkäserei Diemtigtal, es sei bei so komplexen Projekten oft schwierig, alles unter einen Hut zu bringen. «Aber hier habe ich ein gutes Gefühl. Als ehemaliger Präsident der Region Thun-Innertport (TIP), als früherer Gemeindepräsident und nicht zuletzt als Landwirt kenne ich die verschiedenen Sichtweisen und Zusammenhänge.»

Gemeindepräsident Hans von Allmen verdankte die trotz dem emotionalen Thema in «stets gefälligem Ton» geführte Diskussion. Und Ratspräsident Martin Wiedmer wies abschliessend noch auf die Mitsprachemöglichkeiten der Bürgerinnen und Bürger hin: «Landverkäufe in dieser Grössenordnung kommen vors Volk.»

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