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N8Stern bleibt wegen Drogenfunden zu

Der stellvertretende Regierungsstatthalter Stephan Zingg hat am Donnerstag verfügt, den Club N8Stern vorläufig zu schliessen. Die Betreiber müssen nun ihr Konzept überarbeiten, danach wird über eine allfällige Neueröffnung entschieden.

Die Menge an gefundenen Drogen und die hohe Zahl positiv getesteter Partygänger wogen zu schwer. Im Nachgang zur Razzia vom letzten Wochenende, bei der im Club N8Stern an der Thuner Seestrasse 57 von 77 anwesenden Personen Drogenkonsum nachgewiesen worden war, sah sich der stellvertretende Regierungsstatthalter Stephan Zingg zum Handeln gezwungen. «Aufgrund des Umfanges der sichergestellten Drogen musste für den N8Stern die vorläufige sofortige Schliessung verfügt werden», teilte Zingg am Donnerstag per Communiqué mit.

Stadt stellte Antrag auf sofortige Schliessung

Am Mittwoch hatten sich Vertreter von Polizei, Regierungsstatthalteramt, Stadt Thun sowie N8Stern getroffen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Thuns Gemeinderat Peter Siegenthaler (SP), Vorsteher Direktion Sicherheit und Soziales, verhehlte gestern nicht, dass die Stadt bei Zingg den Antrag auf die sofortige Schliessung des N8Sterns stellte. «Was im Club vorfiel, ist nicht tolerierbar. Als Miteigentümerin der Liegenschaft steht die Stadt in der Verantwortung, deshalb sahen wir uns gezwungen, zu handeln», hielt Siegenthaler fest.

Obschon zunächst auch andere Massnahmen in Erwägung gezogen worden waren, entschied sich Zingg aufgrund der Resultate der Razzia für die Schliessung. «Wenn bei 57 von 77 kontrollierten Personen Drogenkonsum festgestellt wird, kann man von einer hohen Konzentration sprechen», erklärt Zingg. Die Polizei habe ihm bestätigt, dass dies – auch verglichen mit anderen Razzien – einen hohen Wert darstelle.

Marihuana für bis zu 1000 Joints beschlagnahmt

Die Kantonspolizei hat gestern präzisiert, wie viele und welche Drogen in der Nacht auf Samstag sichergestellt worden waren. Unter den analysierten Betäubungsmitteln befanden sich demnach «um 70 Ecstasypillen, 46 LSD-Trips sowie Amphetamine und Methamphetamine, sogenanntes Crystal Meth, im Grammbereich», wie die Polizei schreibt. Zudem seien rund 400 Gramm Marihuana und Haschisch beschlagnahmt worden. Zum Vergleich: Gemäss Wikipedia schwankt die Menge des verwendeten Marihuanas für einen einzelnen Joint zwischen 0,4 und mehreren Gramm.

Einen grossen Teil der gefundenen Substanzen konnte die Polizei Personen zuordnen; bei vier Personen kamen grössere Mengen an Drogen zum Vorschein. «Sie werden wegen Betäubungsmittelhandels angezeigt», heisst es in der Mitteilung. Weiter werden sich 53 Personen wegen Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittel-, Waffen- und Strafgesetz vor der Justiz verantworten müssen. Die Tests hätten auch gezeigt, dass «viele Personen zwei oder mehrere Substanzen gleichzeitig konsumiert hatten». Die polizeilichen Ermittlungen sind noch am Laufen.

Musikstil zieht offenbar «Drogentouristen» an

Noch ist die Tür für die Betreiber des N8Sterns einen Spalt weit geöffnet. Reichen sie ein überarbeitetes Betriebskonzept ein, wird das Regierungsstatthalteramt die Situation neu beurteilen und über eine Wiedereröffnung entscheiden. «Rein theoretisch ist dies schon sehr bald möglich», sagt Zingg. «Ob und wie rasch etwas passiert, hängt allerdings ganz von den Betreibern ab.»

Gemeinderat Peter Siegenthaler hat derweil konkrete Vorstellungen, was im überarbeiteten Konzept alles geregelt sein müsste: «Es muss klar ersichtlich sein, wie die Betreiber die ganze Drogenproblematik angehen wollen. Ausserdem müssen Fragen zur Sicherheit inner- und ausserhalb des Clubs, zur Verkehrs- und Parksituation und zu den vorgesehenen Musikstilen beantwortet werden.» Gerade der letztgenannte Punkt ist offenbar nicht zu unterschätzen. Während der Razzianacht wurde im N8Stern am Anlass «Progressive Tanzrausch» vor allem Goa gespielt. Siegenthaler liess sich sagen, dass dieser Stil teilweise mit Drogenkonsum in Verbindung gebracht werde, was auch erklären würde, dass sogar Partygänger aus anderen Kantonen für diesen Event extra nach Thun reisten.

Auswirkungen auf Thuner Nachtleben noch offen

Wie sich die Schliessung des Clubs an der Seestrasse auf die Gesamtsituation in Thuns Nachtleben auswirkt, ist laut Siegenthaler noch nicht abschätzbar. Am Wochenende vor der Razzia etwa hätten 450 Personen den N8Stern besucht. Wie viele darunter aus Thun stammten, ist freilich nicht bekannt. «Die Stadt hilft weiterhin aktiv mit, das Nachtleben zu fördern, aber im Fall N8Stern waren es die Besucher, die durch ihr Verhalten die Schliessung provoziert haben», gibt der Sicherheitsvorsteher zu bedenken. Das überarbeitete Betriebskonzept müsse «Hand und Fuss haben» und ein «hohes Mass an Professionalität» aufweisen, dann sei eine Wiedereröffnung durchaus denkbar.

Auf die Frage, ob nun andere Clubs oder Veranstalter in Thun in nächster Zeit ebenso mit Razzien rechnen müssten, hält Siegenthaler fest: «Alle Veranstalter, die einhalten, was ihr Betriebskonzept vorgibt, haben nichts zu befürchten.» Er spielt damit auf die Passage auf der N8Stern-Website an, die besagt, dass alkoholisierten und anderweitig berauschten Personen «ohne weitere Angabe von Gründen» der Zutritt verweigert werden könne.

Wird nun Mietverhältnis neu beurteilt?

Diese Zeitung stand gestern auch in Kontakt mit den Betreibern des N8Sterns, die sich zur Schliessung ihres Clubs äusserten. Im Lauf des Tages zogen sie ihre Äusserungen jedoch wieder zurück. Welchen Weg die Betreiber auch immer wählen werden: Unter Umständen wird sich die Frage, ob es eine Zukunft für den Club gibt, gar nicht stellen. Laut Gemeinderat Siegenthaler müssen nämlich die Stadt und die Post – ihnen gehört die N8Stern-Liegenschaft je zur Hälfte – im gemeinsamen Gespräch beurteilen, ob sie das Gebäude unter den aktuellen Gegebenheiten weiterhin an den gleichen Mieter vermieten wollen.

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