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Naturbühne frei im Kiental

Diesen Sommer werden auf Ramslauenen zwölf Vorstellungen eines in Theaterimprovisation mit Laien erarbeiteten Stücks aus dem aktuellen bäuerlichen Alltag gespielt. Das Alpentheater soll nach den Plänen der Theaterpädagogin Sjoukje Benedictus zur sommerlichen Tradition der Freilichtaufführungen werden.

Die Tribünen auf Ramslauenen stehen seit einer Woche. Zum Spielbeginn des Alpentheaters am 29. Juli wird alles bereit sein, auch die Plattform für die Musiker und der Unterstand für die elektronische Einrichtung.
Die Tribünen auf Ramslauenen stehen seit einer Woche. Zum Spielbeginn des Alpentheaters am 29. Juli wird alles bereit sein, auch die Plattform für die Musiker und der Unterstand für die elektronische Einrichtung.
Rösi Reichen

«‹Gluscht uf Nöis?› heisst das Stück, das wir diesen Sommer auf Ramslauenen im Kiental spielen werden. Wir haben bewusst ein Fragezeichen gesetzt, denn im Stück hat es Personen, die sehr wohl ‹Gluscht uf Nöis› haben, andere hingegen weniger oder gar nicht. Wir vom Alpentheater – das sind die neun Laienschauspieler, die Initianten und viele Helfer – haben auf jeden Fall Lust auf Neues, auch wenn der Weg bis zur Premiere nicht immer einfach ist. Aber wir sind gut unterwegs», schreibt die motivierte Theatergruppe auf ihrer Website.

Freudig mitmachen

Dominic Hurni ist einer davon. Er ist in der KV-Lehre und macht bereits zum zweiten Mal mit bei einem Theaterstück von Sjoukje Benedictus. Er spielt den hiesigen Bauernsohn und lernt dabei die alten Werkzeuge handhaben: «Und ich lernte in der Zusammenarbeit auch mich selber besser kennen», sagt er.

Josette von Känel aus Mülenen hat sich für das Alpentheater zum ersten Mal in ihrem Leben aufs Theaterspielen eingelassen. «Mir gefällts, und ich bin gespannt, wie die Leute auf unser Stück reagieren werden. Wir möchten den Besuchern ja Freude bereiten und sie auch etwas zum Nachdenken anregen», sagt die aus Le Locle stammende Frau mit dem speziellen französischen Einschlag in ihrem Kandertaler Dialekt. Sie hat auf ein Inserat des Tanzstudios von Sjoukje Benedictus aus Kiental im Anzeiger von Frutigen reagiert und gemeinsam mit ihrem Ehemann Paul an der Informationsveranstaltung teilgenommen. «Leider musste sich ein Spieler aus persönlichen Gründen völlig überraschend zurückziehen», bedauert die Initiantin Benedictus. Sie hat aber schnell Ersatz gefunden und die Zusage von Ernst Brügger aus Kandersteg bekommen. Der routinierte Theaterspieler hat die vakante Rolle des Bergbauern übernommen. «Es ist eine grosse Herausforderung für mich, so spät einzusteigen. Den Text mit den 60 bis 70 Einsätzen kenne ich jetzt auswendig, und bei Gedächtnislücken kann ich improvisieren, aber beim Tanz muss ich stets im Takt mit den andern sein.»

Der zeitliche Aufwand der Gruppe für die insgesamt zwölf geplanten Vorstellungen unter freiem Himmel ist gross. Proben sind auf Montag- und Mittwochabend und manchmal am Samstag- und Sonntagnachmittag angesetzt. «Ende Juni hatten wir bereits 120 Stunden geprobt», sagte die pensionierte Josette von Känel. Sie betont, dass die intensive Probenarbeit ihr, solange sie gearbeitet hatte, zu stressig gewesen wäre. Das Stück ist neu und in Theaterimprovisation von den Schauspielern unter der Leitung der Theaterpädagogin Sjoukje Benedictus erarbeitet worden. Zuerst fand die Schulung in Gestik und Mimik, Reaktionen der Spieler auf verschiedene Situationen und Ausdrücken von Gefühlen wie Freude, Schmerz, Trauer oder Ekel statt. Dann folgten Szenen, wobei alle Äusserungen der Spieler protokolliert wurden.

Tanzen ist schwierig

Später wurden die Dialoge und die Handlung genau aufgezeichnet und von den Spielern auswendig gelernt. So sind die Rollen den Akteuren auf den Leib geschrieben und werden auch die Besucher überzeugen. Das Auswendiglernen des Textes fand Josette nicht so schwierig, denn ihr Gatte Paul las ihr jeweils die anderen Rollen vor. «Das Tanzen zur Musik der Berner Tanzmusik macht mir mehr Mühe», gesteht sie. Aber sie hat Spass gewonnen am Theaterspielen und nimmt mit Freude und Begeisterung ihre Rolle als zeitgenössische Bergbäuerin wahr. Immer wieder geht sie gerne an die Proben, nie ist es ihr zuwider. Und das sind gute Voraussetzungen für die Premiere vom Freitag, 29.Juli. Was ihr jetzt noch Sorgen macht, ist das Wetter. «Aber das können wir nicht beeinflussen», sagt sie.

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