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Neues Heim für 23 Autisten

Die Nathalie-Stiftung eröffnet am Samstag die Mettleneggen in Wattenwil. Ab Anfang Oktober können 23 Menschen mit Autismus-Spektrum-Störungen in ihr neues Heim einziehen.

In diesen Gebäuden in der Mettleneggen finden Menschen, die an Autismus leiden, ein neues Zuhause.
In diesen Gebäuden in der Mettleneggen finden Menschen, die an Autismus leiden, ein neues Zuhause.
zvg

Ende der 60er-Jahre sind im Kanton Bern verschiedene Institutionen für behinderte Menschen gegründet worden – darunter 1967 die spätere Nathalie-Stiftung. Ziel war es, einen Kindergarten für behinderte Kinder zu führen. Die Nathalie-Stiftung ist heute ein Kompetenzzentrum für Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung und/oder gravierenden Störungen in der Wahrnehmungsorganisation. Sie unterhält Tagesschulen, ein Internat, Wohngruppen und eine Beratungsstelle.

 Für Menschen mit Autismus-Spektrum-Störungen stellen die Kontaktpflege und das Verstehen von sozialen Vereinbarungen eine grosse Herausforderung dar. Deshalb umfassen die Wohngemeinschaften der Nathalie-Stiftung maximal vier Bewohnerinnen und Bewohner. Wohnungen und Umschwung sind so angelegt, dass je nach individuellen Interessen selbst gewählte, spontane, gruppenübergreifende Kontakte unter den Bewohnern möglich werden. Für Menschen, die sich innerhalb der sozialen, räumlichen und zeitlichen Strukturen einer Kleingruppe zu wenig zurechtfinden, bietet die Nathalie-Stiftung Wohnsituationen einzeln oder zu zweit an.

Alle Bewohnerinnen und Bewohner zeigen immer wieder, dass selbst kleinste Verunsicherungen zu grossen Stressfaktoren werden können, auf welche sie mit zum Teil sehr herausfordernden Verhaltensweisen reagieren. Diese schliessen Selbstverletzungen und Fremdaggressionen mit ein.

Aus zwei wird eins

Vor rund 30 Jahren eröffnete die Nathalie-Stiftung mit elf Bewohnerinnen und Bewohnern in Belp das Wohnheim im Säget. Gleiches geschah in Steffisburg. Dort eröffnete die Stiftung vor rund 25 Jahren mit sieben Bewohnerinnen und Bewohnern im Haus des Blauen Kreuzes am Hagrösliweg 14 in Steffisburg das Wohnheim Hagrösli. In Belp war ein Neubau geplant, für den letztes Jahr ein Bauwettbewerb stattfand, der aber aus finanziellen Gründen nicht realisiert werden konnte. Zudem wurde der Mietvertrag für die Liegenschaft Hagrösli in Steffisburg per Ende 2014 gekündigt.

In der Mettleneggen in Wattenwil, in der ehemaligen Liegenschaft der Stiftung SBE, fand die Nathalie-Stiftung einen Ersatz. Die Impact Immobilien AG hat die Liegenschaft gekauft und vermietet sie der Stiftung langfristig. Dann wurde sie nach den Bedürfnissen der künftigen Bewohner umgebaut. Die Kosten von 1,7 Millionen Franken werden vollumfänglich von der Stiftung getragen.

Möglichst wenig Stress

Damit die Nathalie-Stiftung in der Betreuung möglichst wenig Medikamente oder freiheitsbeschränkende Massnahmen einsetzen muss, setzt sie auf einen individualisierten Umbau. Wohnräume sollen so gestaltet sein, dass sie auf die individuellen Bedürfnisse und Ressourcen der einzelnen Bewohner zugeschnitten werden und dass Stressfaktoren, Reizüberflutungen und gegenseitige Einschränkungen möglichst klein gehalten werden können.

Aus diesem Grunde erhält jede Bewohnerin und jeder Bewohner sein eigenes Zimmer, das den persönlichen Bedürfnissen angepasst wurde. Ebenso wurden die Wohngruppen und die allgemeinen Räume den speziellen Bedürfnissen der Gruppe angepasst. Statt einer Grossküche wurden 9 kleinere Küchen eingebaut. Jedes Badezimmer verfügt neu über einen Bodenablauf, sodass überschwappende Badewannen kein Problem mehr darstellen. Geteilte Türen wurden in Wohnungen eingebaut, um Sichtkontakte aufrechtzuerhalten. Alle diese Massnahmen dienen als Selbstschutz für die Bewohnerinnen und Bewohner, um ihnen dadurch grösstmögliche Selbstbestimmung zu geben.

Natur und Geborgenheit

«Die Mettleneggen bietet mit ihren verschiedenen Häusern, dem riesigen Umschwung, eine einzigartige Möglichkeit, den Bedürfnissen unserer Klienten gerecht zu werden», schreibt die Nathalie-Stiftung in ihrer Medienmitteilung weiter. Mit den Umbauten können die erforderlichen Entflechtungen innerhalb der Wohngruppen, aber auch zwischen den verschiedenen Gruppen stattfinden. Am Rande der Gemeinde Wattenwil gelegen, haben die Bewohner aber genauso die Möglichkeit, die Natur mit all ihren Reizen hautnah zu erleben.

Weil viele der Bewohner sich in der freien Umgebung nicht genügend orientieren können, muss auch auf die Gartengestaltung grosses Gewicht gelegt werden. Einige Bereiche werden mit Zäunen und Hecken versehen, damit sich die Bewohnenden frei bewegen können und sich keinen Gefahren aussetzen. Gleichzeitig dienen ihnen die Pflanzungen als Orientierungen in ihrer Umwelt.

Samstag, 27.September, findet ab 10.30 Uhr die Eröffnungsfeier statt, und anschliessend öffnet die Nathalie-Stiftung die Türen der Mettleneggen für alle.

TT/egs/mi

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