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Noch wenig Wind für den Windpark

Im Zulgtal plant SVP-Grossrat Samuel Graber mit Gleichgesinnten einen Windpark. Der Idee wird mit Skepsis und Euphorie begegnet.

Im Zulgtal soll ein Windpark entstehen.
Im Zulgtal soll ein Windpark entstehen.
Colourbox

Die Honegg ist ein Höhenzug in Ost-West-Richtung in der Gemeinde Eriz. Der höchste Punkt liegt 1546 Meter über Meer. Gemäss Berechnungen von Meteotest herrschen 100 Meter über diesem Punkt Windgeschwindigkeiten von 6,5 bis 7,4 Meter pro Sekunde. «Das ist ein Wert, der den Bau einer Windenergieanlage rechtfertigen würde», sagt Samuel Graber, der die Honegg von seinem Haus aus sieht. «Ich habe über Jahre hinweg beobachtet, wie stark der Wind dort bläst.» So sei der Wald beispielsweise durch den Sturm Lothar arg in Mitleidenschaft gezogen worden.

Der Gemeindepräsident von Horrenbach-Buchen hat im Grossen Rat Ende Mai zwei Motionen zu diesem Thema eingereicht. In einem der Vorstösse verlangt er vom Regierungsrat, dass er beim Bund eine Standesinitiative einreicht mit dem Ziel, «den Bau und den Betrieb von Windenergieanlagen in Wäldern und an Waldrändern zu ermöglichen».

Nach den heute geltenden Bestimmungen im Waldgesetz haben Windpärke im Waldgebiet keine Chance, müsste dafür doch gerodet werden. Das wäre im Fall Honegg nicht anders, nicht zuletzt da der Wald dort als Schutzwald definiert worden ist. Übrigens, Eigentümer des Waldgebiets ist der Kanton.

Gespannt auf Reaktionen

Graber ist sich der Hindernisse bewusst. So schnell will er aber die Flinte nicht ins Korn werfen. «Es ist an der Zeit, dass wir etwas tun und nicht immer nur davon reden.» Als Mitstreiter konnte Graber den SVP-Nationalrat Erich von Siebenthal, seinerseits Präsident der Berner Waldbesitzer, mit ins Boot holen. Von Siebenthal hat im Nationalrat einen Vorstoss eingereicht, um das Waldgesetz zu lockern und damit Windpärke in Waldnähe zu ermöglichen.

«Mir ist es in der ersten Phase wichtig, eine Diskussion in Gang zu setzen», sagt Graber. Er wohne selber in dieser Region und wisse die Schönheiten der Natur sehr wohl zu schätzen. Bisher habe er aber ausschliesslich positive Reaktionen bekommen, insbesondere von Bürgern aus dem Zulgtal. «Ich bin mir aber bewusst, dass es auch andere Meinungen gibt», sagt Graber. Schliesslich seien Windpärke immer auch ein Eingriff in die Natur.

Gemeinden an Bord holen

Unterstützung erhält Graber von der Gemeinde Eriz, auf deren Boden das Gebiet liegt. «Die Idee Windpark hatten wir schon länger», sagte Gemeindepräsident Daniel Jost vor wenigen Wochen. Jost lässt seinem Votum auch Taten folgen. So stellt er sich als Präsident der Interessengemeinschaft Windpark Honegg zur Verfügung. Die IG wird heute Abend gegründet.

Im Vorstand nehmen auch die Initianten Samuel Graber und Erich von Siebenthal Einsitz. «Wir möchten auch die anderen Gemeinden in der IG», sagt Graber, «damit die Idee breit abgestützt ist.»

Die Vergangenheit habe gezeigt, dass es aussichtslos sei, etwas gegen den Willen der Bevölkerung zu realisieren. Graber spricht damit die gescheiterten Fusionen im Zulgtal an.

Vorbehalte bei Pro Natura

So ehrenwert das Engagement Grabers auch ist, bisher hält sich die Euphorie in Grenzen. So spielt der Regierungsrat in seiner Antwort auf Grabers Motionen den Ball den eidgenössischen Räten zu. «Die Einflussmöglichkeiten des Kantons auf die Bundesgesetzgebung sind beschränkt.» Ein Windpark im Gebiet Honegg habe zudem einige Nachteile. So sei das zum Beispiel das Gelände sehr steil und die Erschliessung schwierig. Es müsse zudem Wald gerodet werden, was einen «bedeutenden Eingriff in die Landschaft» zur Folge habe.

Bei Pro Natura schlägt man die Türe nicht zum Vornherein zu. «Wir wissen noch viel zu wenig über die Ausmasse des Projekts», sagt Verena Wagner von Pro Natura Region Thun. Wichtig sei, dass der Nutzen eines allfälligen Windparks im Verhältnis zum Eingriff in die Natur stehe. Generell falle ihr auf, sagt Wagner, dass nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima ein regelrechter Aktivismus ausgebrochen sei. «Aber nicht jedes Projekt, das jetzt lanciert wird, macht auch Sinn.» Im Zusammenhang mit dem Windpark Honegg sei festzuhalten, dass die Anlage bei der geltenden Gesetzgebung nicht erlaubt sei. «Solange sich an der Rechtslage nichts ändert, ist das Projekt für Pro Natura kein Thema!»

«Es ist noch ein langer Weg»

Samuel Graber ist sich der mässigen Geschwindigkeit der politischen Mühlen in der Schweiz durchaus bewusst. «Wir haben aber auch selber viel Arbeit», sagt er. So müssten Grundlagen erarbeitet werden, ab welcher Grösse der Windpark Sinn mache. «Es ist noch ein langer Weg.» Mit dem Bau eines Windparks könne wohl frühestens in drei Jahren begonnen werden. «Es kann aber auch noch zehn Jahre dauern», sagt Graber.

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