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Oberländer Sportvereine im Wettlauf um Sponsoren

Die Sportvereine im Oberland spüren bislang noch relativ wenig von der Wirtschaftskrise – weder im positiven noch im negativen Sinn. Einzig beim Sponsoring stellen einzelne Organisationen Zurückhaltung fest.

Hier kämpften sie noch um Ehre, heute um Sponsoren: Der Fahnenlauf der Vereine am Kantonalen Turnfest in Interlaken.
Hier kämpften sie noch um Ehre, heute um Sponsoren: Der Fahnenlauf der Vereine am Kantonalen Turnfest in Interlaken.
Archiv BO/Markus Grunder

Wirkt sich die Wirtschaftskrise negativ auf die Sportvereine im Berner Oberland aus? Oder zählen diese gar zu den Gewinnern der Situation, weil sich die Leute wieder vermehrt den sportlichen Aktivitäten in der Heimat zuwenden, statt sich teure Ferien im Ausland zu leisten? Diese Zeitung hat bei einigen Verantwortlichen von Dachverbänden und Einzelvereinen nachgefragt. Ein Boom an neuen Mitgliedern ist nicht auszumachen.Fitness noch nicht zu teuer«In der Mitgliederbewegung sind keine Veränderungen spürbar», erklärt Barbara Golob, Kommunikationschefin beim Turnverband Berner Oberland (TBO). Es sei auch kein Zustrom aus den (teureren) Fitness-Centern feststellbar, ergänzt Golob. «Offenbar ziehen viele Jugendliche das zeitlich ungebundene Fitness-Training einem Engagement in einem Verein vor, in welchem dazu oft noch ehrenamtliche Mitarbeit erwartet wird», vermutet sie. Dem TBO sind 98 Vereine mit über 5000 aktiv Turnenden und etwa gleich vielen Kindern angeschlossen.«Wir registrieren keinen vermehrten Zuzug von neuen Spielern», sagt Beat Aegerter, Präsident des Regionalverbands Berner Oberland-Tennis (RV BO-Tennis), dem 21 Klubs angehören. Mit rund 3000 sei der Mitgliederbestand stabil. Nun sollen Werbeaktionen lanciert werden. Das Image des teuren Tennis lässt Aegerter nicht gelten. Je nach Klub koste die Einzelmitgliedschaft zwischen 140 und 390 Franken pro Jahr. Eng werde es beim Sponsoring, dadurch dass auf allen Ebenen immer weniger ausgegeben werde, charakterisiert der RV-Präsident die gegenwärtige Situation. Trotzdem komme man finanziell noch über die Runden.Günstiger Fussball«In den letzten drei Jahren erfreute sich das Tschutten in unserer Region steigender Beliebtheit», stellt Peter Keller, Präsident des Fussballverbands Berner Oberland (FVBO) erfreut fest. Vor allem seitens der Junioren habe die Nachfrage zugenommen. So würden in den 25 dem FVBO angehörenden Klubs rund 8000 Junioren gezählt. Keller führt diesen Auftrieb auch auf die Ausstrahlung von Grossanlässen wie Welt- und Europameisterschaften und die zurückliegenden Erfolge des FC Thun und weniger auf die gegenwärtige Wirtschaftslage zurück. Im Übrigen unterstreicht Keller die im Gegensatz zu andern Sportarten günstigen Jahresbeiträge. «Mit 100 bis 200 Franken ist man dabei. Das macht pro Stunde rund 1,50 Franken», rechnet er. Harziger laufe es beim Sponsoring, sagt Keller. So sei es schwieriger geworden, Dress- und Bandenwerbung oder Inserate für die Kluborgane zu bekommen.Auch die Vereine der bodenständigen Sportarten können keinen verstärkten Mitgliederzustrom als Folge der Krise registrieren. «Einen Zuwachs verzeichnen wir bei den Jungschwingern und den Zuschauerzahlen», stellt Ueli Stoller, Präsident des Oberländischen Schwingerverbands, fest. Als Grund vermutet er, dass sich die Leute wieder vermehrt urchigen Sportveranstaltungen zuwenden, bei welchen es gemütlich und ohne Krawalle zugeht. Der Oberländische Schwingerverband vereint 14 Klubs, mit rund 110 Aktiv- und 180 Jungschwingern. Die Spenderfreudigkeit habe hier eher zugenommen, so Stoller.Charles Menetrey, Präsident des Oberländischen Schützenverbands (OSV) hat eine wieder bessere Akzeptanz des Schiesswesens in der Bevölkerung ausgemacht. «Die Kritik ist leiser geworden», freut er sich. Als gutes Omen wertet er den Eifer, mit welchem die Junioren und Jungschützen mitmachen. Die Zahlen sind beeindruckend: Der OSV umfasst 135 Sektionen 300 Meter Gewehr sowie 22 Sektionen Pistole 25/50 Meter. Dies ergibt eine Mitgliederzahl von rund 15'000, wovon 4500 lizenziert sind. Bis jetzt seien noch keine Sponsoren ausgestiegen, erklärt Menetrey.Training statt FerienBei den kleineren Sportvereinen präsentiert sich die Situation ähnlich wie bei den Grossen. Simon Spring vom Racing Club (RC) Steffisburg spricht von einem eher besseren Trainingsbesuch. Er vermutet darunter auch Leute, die während der Ferien nicht wegfahren. Mit über 200 aktiven Mitgliedern ist der RC Steffisburg der grösste Bikeclub im Kanton Bern. «Es sind noch keine langjährigen Sponsoren abgesprungen», so Spring.

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