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Polizei muss nicht öfter eingreifen

Weil das Stadtberner Fixerstübli überlastet ist, werden seit dem 1. November Oberländer Drogensüchtige abgewiesen. Eine neue Drogenszene hat sich deswegen in Thun nicht gebildet. Dafür werden die Angebote vermehrt genutzt.

«Wir setzen die Massnahme seit dem 1. November konsequent um», sagt Ines Bürge, Leiterin der von Contact Netz betriebenen Stadtberner Kontakt- und Anlaufstelle für Drogensüchtige. Das bedeutet: Am Eingang stehen Securitas-Mitarbeiter, bei denen sich alle Junkies ausweisen müssen. Wer aus dem Oberland kommt, wird abgewiesen. Diese vom Kanton verfügte Massnahme wurde ergriffen, weil das Fixerstübli überlastet ist (wir berichteten). Bürge spricht von zwei bis drei Personen, die pro Tag abgewiesen werden. «Die Leute waren gut informiert, deshalb kommt es nicht zu Ansammlungen von Süchtigen aus dem Oberland.» Ob sich die erhoffte Erleichterung einstellt, sei noch schwierig zu sagen. «Wir erheben die Zahlen und sind daran, sie auszuwerten», sagt Ines Bürge. Ganz allgemein stelle sie immer wieder Wellenbewegungen fest – Einflüsse hätten etwa auch externe Faktoren wie die kürzlich aufgehobene Szene auf dem Vorplatz der Reitschule. Und: «Mit den Ausweiskontrollen haben wir einen Mehraufwand.» Wer keine entsprechenden Papiere auf sich trage, habe die Möglichkeit, sich von der Anlaufstelle einen Ausweis ausstellen zu lassen. Ist die Person noch nicht registriert, braucht es dazu aber eine Wohnortbestätigung.Keine ReklamationenUnd wie hat sich die Situation in Thun verändert? Gemeinderat und Sozialvorsteher Andreas Lüscher (SVP) zieht nach drei Wochen eine erste Bilanz und sagt: «Bisher habe ich keine Reklamationen erhalten, dass sich die Situation im öffentlichen Raum negativ entwickelt hat.» Dies bestätigt Erwin Rohrbach, Leiter der Abteilung Sicherheit. «Von der Polizei mussten nicht mehr Wegweisungen verfügt werden. Neue Szenebildungen wurden nicht festgestellt.»Spritzen werden getauschtLaut Lüscher ist zwar bei den optimierten bestehenden Einrichtungen in Thun – unter anderem ein ausgebauter Spritzentausch und ein neuer Konsumationsraum in der Notschlafstelle – eine Zunahme von «Kundschaft» feststellbar. «Aber nicht so, dass es aus dem Ruder läuft.» Kurt Berger, Regionalleiter Contact Thun-Oberland, präzisiert: «Es werden vermehrt Spritzen umgetauscht.» Auch das zweimal pro Woche durchgeführte Essen stosse auf Anklang: Es seien jeweils rund 15 Personen anwesend. Zurzeit wird erhoben, wieviele Personen das Fixer-stübli in Bern benutzt haben. «Von bisher elf Befragten haben fünf die Anlaufstelle täglich besucht, zwei weitere bis zu vier Mal pro Woche», sagt Berger. Einige versuchten immer noch, ins Fixerstübli reinzukommen. Dass der Konsum in den Thuner Contact-Angeboten nicht möglich sei, frustriere viele Süchtige. «Sie brauchen Zeit, müssen sich neu organisieren», sagt Berger und ergänzt, dass die längeren Öffnungszeiten der geschützten Arbeitsplätze der Werkstatt 18 auf ein gutes Echo stossen.Im Haus statt auf der GasseMadeleine Rupp, Geschäftsleiterin Wohnhilfe Region Thun, sagt: «Nach so kurzer Zeit verbindliche Aussagen zu machen, ist schwierig. Was sich zu bewähren scheint, ist die Betreuung nachts in der Villa Schlossberg.» Die Bewohner nutzen laut Rupp das Angebot, Nachtwachen als Ansprechpartnerinnen zu haben und sind entsprechend mehr im Haus – und nicht auf der Gasse. Hingegen scheine ein Essen für Externe mittags keinem Bedürfnis zu entsprechen. Deal ist ein ProblemDer Konsumraum in der Notschlafstelle werde täglich von mehreren Personen genutzt. «Darunter hat es auch einige, die sich vorher mehrmals wöchentlich in Bern aufhielten», führt Madeleine Rupp aus. Und: «Wie überall, wo sich suchtmittelabhängie Personen aufhalten, ist der Deal ein Problem. Hier müssen wir genau hinschauen und mit Sanktionen reagieren.» Regelmässige BerichteDer Gemeinderat erhält von Contact und der Wohnhilfe regelmässig Berichte. «So können wir negativen Entwicklungen wenn nötig sofort Rechnung tragen. Aber zurzeit gibt es keine Anzeichen, dass das nötig wäre», sagt Andreas Lüscher. Und er fügt an: «Offensichtlich sind wir in der Lage, mit den getroffenen Massnahmen in Thun die Abweisungen in Bern aufzufangen.» Lüscher sagt aber auch, es sei schwierig, nach drei Wochen aussagekräftige Tendenzen auszumachen. «Wir können uns jetzt sicher nicht zurücklehnen.» Darum seien die regelmässigen Berichte von Contact und Wohnhilfe äusserst wichtig.

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