Rebberg hat «Frostangriff» glimpflich überstanden

Spiez

Die Eisheiligen Mitte Mai richteten in den Spiezer Reben dank der Seewärme nur unbedeutende Schäden an. Gegen Hagel schützen neue Netze das kostbare Gut.

Rebmeister Marco Patriarca – hier mit den neuen Hagelnetzen – kann aufatmen:?Der Frostschaden ist minim ausgefallen.

Rebmeister Marco Patriarca – hier mit den neuen Hagelnetzen – kann aufatmen:?Der Frostschaden ist minim ausgefallen.

(Bild: Guido Lauper)

«Nach den kalten Nächten Mitte Mai kontrollierten wir unsere Reben umgehend, stellten zum Glück nur unbedeutende Schäden fest», freut sich Marco Patriarca, der seit 2009 bei der Rebbau-Genossenschaft Spiez arbeitet und seit April dieses Jahres als Rebmeister zum Rechten schaut. Konkret seien von den insgesamt 11,5 Hektaren deren 2 in Muldenlagen betroffen. Hier kam an jedem zehnten Stock einer von zehn Austrieben zu Schaden. Doch lenken die Rebstöcke ihre Kraft in die verbleibenden Fruchtstände und gleichen so den Verlust wieder aus.

Temperatur wird ausgeglichen

In Mulden bleibt die Kälte liegen, im Gegensatz zu den Hanglagen wie direkt am Spiezberg, in Faulensee am Bürgwald und in Spiezwiler, erklärt Patriarca. Dazu kommt das hohe Gras, das beim Verdunsten von Wasser zusätzlich für ein Grad Abkühlung sorgt. Dem gegenüber strahlt der See nachts Wärme ab und sorgt so für Temperaturausgleich zwischen Tag und Nacht, was bei den kritischen Werten Mitte Mai wie das Zünglein an der Waage wirkte.

Hagel keine Chance geben

Genau in diesen Minuten, in welchen Marco Patriarca im Spiezer Rebberg die Wechselwirkung der Temperaturen erklärt, fragen Spaziergänger nach dem Sinn der schwarzen Netze. «Diese haben wir einerseits als Hagelschutz montiert; an ihnen prallen die Körner wie Tennisbälle ab. Zudem ersetzen sie den aufwendigen Vogelschutz, dessen Netze nach jedem Einsatz entsorgt werden mussten und entsprechend Abfall produzierten. Die neuen Netze werden nach der Ernte über den Rebstöcken aufgerollt und sind im nächsten Jahr sofort wieder einsatzbereit. Aus Kostengründen hat die Rebbau-Genossenschaft die neuen Netze nur auf bis maximal zehnjährige Reben montiert. Ein Rebstock produziert in der Regel vom dritten bis zum 30.Lebensjahr Trauben.

Kaum beeinträchtigt

Auf die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes angesprochen, meint Marco Patriarca: «Mit ihrer dunklen Farbe sind sie in der Natur neutral und fallen in keiner Saison auf.» Zudem seien sie in seinem Herkunftskanton Tessin seit dreissig Jahren üblich und keiner störe sich mehr daran. Vom Arbeitsaufwand benötigen sie pro Hektar jährlich etwa 100 Stunden, was schon beim ersten Hagel bereits aufgewogen werde. Ausfälle von 20 bis 90 Prozent, wie sie in den vergangen Jahren vorgekommen sind, sollten damit ausgeschlossen werden. Insgesamt seien die Netze innert fünf Jahren amortisiert.

Berner Oberländer

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt

Loading Form...