Zum Hauptinhalt springen

Reservat für bedrohte Vögel geplant

Der Kanton und die Burgergemeinde Wattenwil wollen im Gurnigelgebiet ein Teilreservat für Auer- und Haselhühner schaffen. Hier sollen die bedrohten Vögel ideale Lebensbedingungen erhalten.

Ein balzender Auerhahn wirft sich in Positur, um die Weibchen anzulocken. Dieses Bild wird in unseren Wäldern immer seltener.
Ein balzender Auerhahn wirft sich in Positur, um die Weibchen anzulocken. Dieses Bild wird in unseren Wäldern immer seltener.
Jörg Bernhardt

Es gibt in unseren Breitengraden immer weniger Hasel- und Auerhühner: Zum einen schrumpft ihr Lebensraum, weil sich der Mensch immer mehr ausbreitet. Zum anderen sind lichte Wälder, wie sie das Auerhuhn bevorzugt, selten geworden. Auch natürliche Feinde wie Wildschweine und Raubtiere machen den Vögeln zu schaffen.

Ein neues Teilreservat im Leimbruch im oberen Gurnigelwald ob Wattenwil soll den Tieren nun Raum verschaffen, den sie zum Leben und zur Fortpflanzung brauchen. Dies haben die kantonale Waldabteilung 5 Bern-Gantrisch und die Burgergemeinde Wattenwil als Grundeigentümerin beschlossen. Revierförster Christian Habegger konnte Raufusshühner dort bereits mehrfach beobachten. «Haselhühner sehe ich hin und wieder, doch die Auerhühner sind extrem selten geworden.»

Balzen, sitzen, schlafen

Auf einer Fläche von 62,3 Hektaren – das entspricht einem Quadrat von knapp 800 auf 800 Meter – werden künftig alte Bäume, die als Balz- und Schlafbäume benutzt werden, nicht gefällt, sondern so lange wie möglich stehen gelassen. Dasselbe gilt für abgestorbene Bäume. Zudem wird in der Balz- und Aufzuchtzeit, das heisst zwischen Anfang April und Mitte Juli, auf Waldarbeiten verzichtet.

Das Waldstück soll eine «lockere bis lückige Struktur aufweisen», heisst es in den Unterlagen, die derzeit bei der Gemeindeverwaltung Wattenwil öffentlich aufliegen. Es wird also darauf geachtet, dass Lichtungen entstehen oder erhalten bleiben, die speziell das Auerhuhn bevorzugt. Pro Hektare muss es mindestens fünf Sitz-/Schlaf- respektive Balzbäume sowie drei Ameisenhaufen geben. Letztere dienen den Küken als Nahrung. Die Bodenvegetation sollte aus Heidel- und Himbeersträuchern sowie Heckenkirschen bestehen. «Wichtig ist besonders die Heidelbeere, sie gehört zu den Hauptnahrungsmitteln der Tiere», sagt Philipp Mösch, Oberförster der Waldabteilung 5 Bern-Gantrisch.

Bewirtschaften erlaubt

Der Fachbegriff Teilreservat bedeutet, dass der Wald bewirtschaftet werden darf. In einem Totalreservat würde die Natur sich selber überlassen. «Dem hätten wir nicht zugestimmt», sagt Fritz Künzi, Präsident der Burgergemeinde Wattenwil. «Aber ein Teilreservat erachten wir als ökologisch sinnvoll, zumal dieses Waldstück vom Holzertrag her nicht sonderlich produktiv ist.» Weil die Burgergemeinde eine eingeschränkte Waldnutzung akzeptiert, erhält sie vom Kanton eine Entschädigung, und zwar bis ins Jahr 2060. So lange gilt der Dienstbarkeitsvertrag, den die beiden Parteien abgeschlossen haben. Nach jeweils zehn Jahren wird er überarbeitet.

Beim Erfolgscontrolling werde auch die Vogelwarte beigezogen, sagt Philipp Mösch. «Dabei wird die Verbesserung des Lebensraums dieser Vögel unter die Lupe genommen, aber auch die Frage, ob sie sich vermehren.» Gerade der letzte Punkt dürfte schwierig werden: Flächendeckend Kameras aufzustellen, ist unrealistisch, und eine zu eingehende Beobachtung würde die sensiblen Tiere stören. Wenn sich die Massnahmen positiv auf den Bestand auswirken, könnte das Teilreservat im Leimbruch später unter Umständen sogar noch ausgeweitet werden, blickt Mösch in die Zukunft.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch