Steinschlag nach heftiger Explosion

Balmholz

Die Organisationen Rettungsdienst, Feuerwehr, Polizei, Seepolizei, Seerettung und Rega trafen sich im Steinbruch zu einer Grossübung. Um die 100 Retter übten den Ernstfall nach einer verheerenden Explosion.

Zum Glück nur eine Übung: Die verschiedenen Rettungsorganisationen sprechen sich im Steinbruch Balmholz ab.

Zum Glück nur eine Übung: Die verschiedenen Rettungsorganisationen sprechen sich im Steinbruch Balmholz ab.

(Bild: Sonja Bauer)

Der Steinbruch Balmholz wird zur Kulisse einer Tragödie: Der starke Regen unterstützt das gespenstische Szenario: Hier liegen Tote, dort Verletzte. Mindestens zwei davon sind unter den mächtigen, durch die Explosion unkontrolliert heruntergefallenen Steine, begraben. Bald schreit eine Frau, dann wimmert jemand, danach ist es wieder totenstill. Einige Personen sind unverletzt, stolpern herum, suchen Vermisste. Ein Ölfass wird durch die Wucht der Druckwelle durch den Tunnel vom Steinbruch hinaus in den See geschleudert und reisst einen Arbeiter mit.

Herausforderung für Retter

Das Unglück ist inszeniert, die Verletzten sind Figuranten, die Toten Puppen. Der Anlass ist eine Grossübung der Rettungsorganisationen Rettungsdienst FMI, Feuerwehr Bödeli, Kantonspolizei Bern, Seepolizei, Seerettungsdienst Thunersee und Rega. «Diese Übung ist eine grosse Herausforderung für die Rettungsorganisationen», sagt Übungsleiter und stellvertretender Leiter Rettungsdienst FMI Stephan Bauer vor dem Start der Aktion. «Vor allem deshalb, weil es teils viele Schwerverletzte, eine unbekannte Zahl an Vermissten und einen unübersichtlichen Katastrophenschauplatz gibt.»

Kommunikation und Priorität

Ziel der Grossübung sei die Zusammenarbeit der Rettungsorganisationen, die Kommunikation zwischen ihnen und das Setzen der Prioritäten, informiert Bauer. «Die Retter müssen – unter Berücksichtigung des Eigenschutzes – einschätzen, wer zuerst gerettet werden muss oder kann und ob weitere Hilfskräfte aufgeboten werden müssen.» Was für Laien hart klingt, ist Realität: «In einem solchen Ernstfall kommt eine Art ‹Massenmedizin› zur Anwendung», erklärt Bauer. So würden die Patienten im Steinbruch nur primär versorgt und sofort aus dem Gefahrenbereich gebracht. «Erst danach werden sie in der vor Ort aufgebauten Sanitätshilfsstelle eingehend betreut. Ausserdem seien die Betreuung der nicht verletzten Personen, das Absuchen des Geländes nach Vermissten und vieles mehr ein Thema.

Eindrückliche «Action»

Dass dies schwierig ist, zeigte im Anschluss die eindrückliche Übung. Während die Retter vorne am See eifrig damit beschäftigt waren, das – in diesem Fall aus Lebensmittelfarbe bestehende – Öl mit einer Ölsperre der Feuerwehr am Ausbreiten zu verhindern und den Ertrinkenden zu retten, mussten die Patienten hinten im Steinbruch länger ausharren. Manch einer blieb (zu) lange eingeklemmt oder verschüttet.

Ergebnis und Feedback

«Dies alles zeigte, dass das Setzen der Prioritäten gutes Einschätzungsvermögen und Erfahrung voraussetzt und dass die Kommunikation zwischen den Organisationen ein enorm wichtiger Faktor ist», sagt Bauer. Genau dies unterstreiche die Wichtigkeit dieser Übungen. Gerade weil die Leiter der Organisationen im Anschluss nicht nur zufrieden mit dem Ablauf der schwierigen Übung waren, betonten sie die Notwendigkeit solch lehrreicher Experimente, «die weiteren Gesprächs- und Handlungsstoff mit sich bringen». Kritik aus der Beobachterperspektive sei immer einfacher als das Handeln in einer unbekannten Situation», so Bauer. Ausserdem unterschieden sich Übungen dennoch stark von Akutsituationen. «Wir brauchen sie jedoch dringend, um aus Fehlern zu lernen. Es ist besser, wenn diese dort gemacht werden, so können sie im Ernstfall verhindert werden.»

Berner Oberländer

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