Zum Hauptinhalt springen

Unterschriften gegen Nachtlärm und Dreck in der Altstadt

Anwohnern und Geschäftsleuten in der Thuner Innenstadt reichts: Mit einer Petition wehren sie sich gegen Auswüchse wie Nachtlärm, Verschmutzungen, Vandalismus. 333 Unterschriften wurden gestern übergeben.

333 Unterschriften in einer Kartonschachtel: Patrick Aeschbacher (links), Präsident der Innenstadt-Genossenschaft IGT, und Regula Saameli vom Altstadt-Stamm übergeben die Petition dem Thuner Vize-Stadtschreiber Remo Berlinger.
333 Unterschriften in einer Kartonschachtel: Patrick Aeschbacher (links), Präsident der Innenstadt-Genossenschaft IGT, und Regula Saameli vom Altstadt-Stamm übergeben die Petition dem Thuner Vize-Stadtschreiber Remo Berlinger.
Patric Spahni

Die Thuner Altstadt soll wieder wohnlicher werden: Das fordern 333 Personen, die eine entsprechende Petition unterschrieben haben. Diese wurde vom Altstadt-Stamm zusammen mit der Innenstadt-Genossenschaft IGT lanciert, um den Auswüchsen wie Nachtlärm, Verschmutzungen und Vandalismus entgegenzutreten (wir berichteten, siehe auch Kasten «Das will die Petition»). Wie es in Thun Usus ist, nahm Vize-Stadtschreiber Remo Berlinger die Petition gestern entgegen. Die Petitionäre zeigten sich «sehr zufrieden» mit ihrer Ausbeute innert zehn Tagen: «333 Unterschriften: Das zeigt, dass es richtig war, die Petition zu lancieren. Und das ist ein Auftrag für die IGT und den Altstadt-Stamm, am Thema dran zu bleiben», betonte IGT-Präsident Patrick Aeschbacher. Er führte zudem aus, dass es den Petitionären nicht darum gegangen sei, möglichst viele Unterschriften – etwa auch aus der Peripherie der Stadt – zusammenzubringen. Sondern dass vor allem Frust und Ärger von Menschen, die in der Innenstadt wohnen, arbeiten, ein Geschäft führen oder eine Liegenschaft besitzen, rüberkommen. «95 Prozent derjenigen, die unterschrieben haben, sind direkt betroffen», sagte Aeschbacher.

Die Erwartungen

Regula Saameli vom Altstadt-Stamm ergänzte: «Es geht uns um das Gleichgewicht in der Altstadt. Das Motto des Altstadt-Stamms ist: ‹Für nes läbigs Mitenand›.» Die Petition richte sich denn auch nicht gegen das Nachtleben, sondern gegen die Auswüchse. Diese hätten zuletzt massiv zugenommen. Deshalb sagt Saameli: «Wir finden, das Fass ist voll.» Die Petitionäre erwarten nun:

? Sofortmassnahmen des Thuner Gemeinderats, um die Situation zu verbessern.

? Mittelfristige Massnahmen für ein geordnetes Nachtleben ohne Vandalismus, Verschmutzungen und Lärm-Exzesse.

? Vom Regierungsstatthalter, dass keine Überzeit bis 5 Uhr bewilligt wird – und dass er im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten Betriebe zur Rechenschaft zieht, welche die Auflagen nicht einhalten.

Strauss von Massnahmen

«Das ist eine respektable Anzahl Unterschriften, die in kurzer Zeit bei Direktbetroffenen zusammenkamen», sagte SP-Gemeinderat und Sicherheitsvorsteher Peter Siegenthaler gestern. Die Petition werde nun vom Gemeinderat zur Kenntnis genommen und gehe wohl zur Beantwortung an die Direktion Sicherheit. «Ein Teil der Forderungen entspricht exakt unseren Vorstellungen», betonte Siegenthaler. Schon bevor die Petition eingereicht wurde, habe er mit der Direktion Sicherheit und der Polizei eine Situationsanalyse vorgenommen. Das Ergebnis: «Mit den heutigen Mitteln werden wir den Auswüchsen nicht Herr. Es braucht einen Strauss von Massnahmen.» Siegenthaler möchte möglichst bis Februar das Massnahmenpaket der Stadt vorstellen. Darin sind etwa die Videoüberwachung und mehr Polizeipräsenz enthalten. Diskutiert werden müsse aber auch eine Verschärfung des Ortspolizeireglements: Etwa ein Alkoholverbot im öffentlichen Raum ab einer bestimmten Uhrzeit. Zudem wird die Stadt mit den neu ausgehandelten Verträgen mit der Kantonspolizei weniger Geld für die Polizei-Aufgaben ausgeben müssen. «Da stellt sich die Frage: Kommt das eingesparte Geld der Stadtkasse zugute, oder – wie ich es mir vorstellen könnte – wird es für zusätzliche Sicherheitsleistungen verwendet?» Eine weitere Idee: Wer etwa beim Urinieren in der Öffentlichkeit erwischt wird, erhält ein Rayonverbot. Siegenthaler ärgert sich, «dass wir für etwa fünf Prozent von Uneinsichtigen einen wahnsinnigen Aufwand an Geld und Arbeit leisten müssen». Er ist froh, dass die Petitionäre auch das Thema Überzeiten aufgreifen: Da sieht er ebenfalls Handlungsbedarf von Seiten des Statthalteramts.

Auswertung im Januar

Regierungsstatthalter Marc Fritschi war aus Termingründen bei der Übergabe der Petition nicht dabei, sagte aber gegenüber dieser Zeitung: «Ich finde es gut, dass sich die Bewohner der Altstadt gemeinsam für eine Verbesserung der Situation einsetzen.» Er habe in der kurzen Zeit als Statthalter in Thun bereits festgestellt, dass die Immissionen tatsächlich zugenommen haben. Er werde im Januar den Versuch mit der verlängerten Überzeit bis 5 Uhr bei fünf Betrieben – «Saint Trop» in der Oberen Hauptgasse, «Funkhouse» am Rathausplatz, Rattäloch-Bar an der Allmendstrasse, «N8Stern» an der Seestrasse und «Orients» an der Frutigenstrasse – auswerten. «Als Bewilligungsbehörde sind wir verpflichtet, objektiv zwischen den Interessen der Lokalbetreiber und jenen der Anwohner abzuwägen», führte Fritschi aus.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch