Vor dem Ruhestand hat sie noch viel erledigt

Thun

Ursula Haller (BDP) durchlebte zum Schluss ihrer 16 Jahre im Thuner Gemeinderat eine vergleichsweise ruhige Legislaturperiode. Für Diskussionen sorgten das KKThun, das Schlossmuseum oder das Kulturzentrum Akut.

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Stefan Geissbühler

Auch in den letzten vier Jahren war Ursula Haller (BDP) das politische Aushängeschild der Stadt Thun. Als Nationalrätin war sie zusammen mit ihrem Ehemann Reto Vannini, der als Präsident der Thuner BDP auch im Stadtrat vertreten ist, an vielen nationalen Anlässen präsent und erschien auch immer wieder mal in den People-Spalten.

Es machte den Anschein, als wollte sie als Vorsteherin der anfangs Legislatur neu geschaffenen Direktion Bildung, Sport, Kultur vermehrt auch die schönen Seiten des Politikerlebens geniessen. In den vorherigen Amtsjahren, als sie auch noch für die Stadtentwicklung zuständig war, gab es deutlich dickere und umstrittenere Dossiers zu beackern (Beispiele Stadion Thun-Süd oder Verkauf Energie Thun AG).

Trotzdem setzte sich Ursula Haller gewohnt engagiert für ihre Geschäfte ein. Besonders am Herzen lagen ihr dabei das KKThun oder das alternative Kulturzentrum Akut an der Seestrasse. Dort wagte sie sich auf politisches Glatteis, denn ihre Gegner sahen schon Zustände wie bei der Berner Reitschule auf Thun zukommen. Doch zumindest bis jetzt blieb es im und ums Akut ruhig. Auch andere Geschäfte konnte sie zu einem erfolgreichen Abschluss bringen. Eine grosse Baustelle wird sie allerdings ihrer Nachfolgerin oder ihrem Nachfolger hinterlassen: Bei der Sportstättenplanung gibt es noch viel zu tun.

1. KKThun: Das Thuner Kongress- und Kulturzentrum war in den letzten vier Jahren Ursula Hallers Problemkind. Mit der Abwanderung des Swiss Economic Forum und des Climate Forum fielen zwei wichtige Prestigeanlässe weg, die Thun als nationalen Kongressstandort etablieren sollten. Zudem brachten nicht alle Kulturveranstaltungen die gewünschten Besucherzahlen. So lehnte der Stadtrat einen Nachkredit in Höhe von 608000 Franken ab. Zum reduzierten Betrag von 300'000 Franken sagte der Stadtrat dann Ja, verwarf aber eine Defizitgarantie für die Betriebsorganisation des KKThun.

Später wurde dann nochmals ein Nachkredit von 220'000 Franken fällig. Die Finanzierung des Betriebs des KKThun wird die Amtszeit von Ursula Haller überdauern, jetzt muss ein sinnvoller Anschlussvertrag ausgehandelt werden. Damit das KKThun nicht zum Fass ohne Boden wird.

2. Schlossmuseum:Ursula Haller gelang es, den Betrieb des Schlossmuseums, das im neuen Schloss zusätzliche Räume beziehen konnte, finanziell abzusichern. Nachdem die Regionale Kulturkonferenz die Kulturgelder fürs Schlossmuseum gestrichen hatte, musste die Stadt in die Bresche springen. Sie setzte sich mit Herzblut fürs Geschäft ein und brachte dieses dann souverän durch den Stadtrat.

3. Sportstätten: Für die Sportanlagen hat die Stadt Thun in den letzten vier Jahren tief in die Tasche greifen müssen. Unter anderem musste die Eisaufbereitungsanlage der Kunsteisbahn und der Curlinghalle für 2,8 Millionen Franken erneuert werden. Weiter wurde die Leichtathletikanlage im Stadion Lachen für 1,1 Millionen Franken saniert. Doch beide Sportanlagen gehören gar nicht der Stadt, sondern einer Genossenschaft. Deshalb ist es nichts als folgerichtig, dass die Stadt die Anlagen übernehmen will. Denn in absehbarer Zukunft braucht es für die umfassende Sanierung der Eisbahn im Graben-gut noch viel mehr Geld. Gerade noch just in time vor ihrem Rücktritt brachte Haller die Übernahme der Sportanlagen (darunter die Curlinghalle) unter Dach und Fach.

In die Tasche griff die Stadt auch für die Übernahme der MUR-Halle, nicht aber für ein Winterdach im Strämu. Dort wehrte sich Haller erfolgreich gegen die Volksinitiative. Allerdings vergab die Stadt damit auch eine Möglichkeit, mit vergleichsweise wenig Geld den Schwimmsport zu fördern. Dass in den nächsten Jahrzehnten in Thun ein Hallenbad gebaut wird, ist angesichts der vielen Baustellen bei der Sportstättenplanung eine Illusion. Der grosse Wurf ist Haller bei der Sportstättenplanung in den letzten vier Jahren nicht gelungen.

4. Kulturzentrum Akut: Viel zu reden gab das alternative Kulturzentrum, das Ende 2013 unter dem Namen Akut seinen Betrieb aufnehmen konnte. Das alternative Kulturzentrum im alten Bierdepot an der Seestrasse wird von einem Kollektiv geführt, das gegenüber der Öffentlichkeit anonym auftritt.

Das sorgte im Stadtrat für Unmut, Befürchtungen vor Berner Verhältnissen rund um die Reithalle wurden laut. Ursula Haller und ihren Mitarbeitern ist es jedoch gelungen, die Jugendlichen in die Pflicht zu nehmen und klare Leitlinien festzulegen. Der bisher reibungslose Betrieb gab ihrem Engagement (bisher) recht.

5. Schulen:Die Vorsteherin der Direktion, Bildung, Sport Kultur investierte in die Bildung: zum Beispiel in die Sanierung des Pestalozzischulhauses (satte 21,5 Millionen Franken), in die Schulsozialarbeit (Aufstockung von 200 auf 450 Stellenprozent) und in die Informatik an Schulen. Die Jugend lag ihr am Herzen, was sich beim Jugendzukunftstag, bei der Einführung einer Jugendmotion oder der Aktion Midnight Sports in den städtischen Turnhallen zeigte.

Fazit: Mit Ursula Haller tritt eine engagierte Vollblutpolitikerin ab. War sie von einem Geschäft überzeugt, setzte sie sich mit aller Vehemenz dafür ein und scheute sich auch nicht vor Kritik.

Beispiele dafür sind das KKThun oder das Kulturzentrum Akut. Zu Hilfe kamen ihr auch die Umstände, dass sie mit der BDP-Fraktion (mit Ehemann Reto Vannini) eine verlässliche Stütze im Rat hatte und angesichts ihrer letzten Amtszeit unbeschwerter und unverkrampfter auftreten konnte.

Thuner Tagblatt

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