Zum Hauptinhalt springen

Wie Banker Ospel zu der Alp kam

Das Gesuch für einen Alphüttenumbau in Rougemont hat einigen Wirbel ausgelöst. Denn Bauherr ist Ex-UBS-Banker Marcel Ospel. Aber: Warum konnte er das Grundstück in der Landwirtschaftszone überhaupt erwerben?

Die Vorsass «La Sisounette» im Gebiet La Manche oberhalb von Rougemont (VD). Zur Alphütte mit Stall und Wohnteil gehören 57'804 Quadratmeter Landwirtschaftsland.
Die Vorsass «La Sisounette» im Gebiet La Manche oberhalb von Rougemont (VD). Zur Alphütte mit Stall und Wohnteil gehören 57'804 Quadratmeter Landwirtschaftsland.
Ruth Oehrli

Das Baugesuch für die Modernisierung einer Alphütte und den Bau von zwei Parkplätzen in Rougemont ist nur eines unter vielen. Doch es sorgte für einiges Aufsehen. Der Grund: Bauherr in der waadtländischen Nachbargemeinde von Saanen-Gstaad ist der einstige UBS-Verwaltungsratspräsident Marcel Ospel. Da drängt sich die Frage auf: Warum konnte der Banker das landwirtschaftliche Grundstück von 5,78 Hektaren überhaupt kaufen? Untersteht die Vorsass auf 1300 Metern über Meer nicht dem Bundesgesetz über das bäuerliche Bodenrecht (BGBB)? «Grundsätzlich kann Landwirtschaftsland nur ein Selbstbewirtschafter kaufen», bestätigt der Saaner Regierungsstatthalter Michael Teuscher das Bundesgesetz. «Nicht übersetzter Preis»Gemäss Teuscher gibt es einige Ausnahmen. Die wohl wichtigste im Fall Ospel ist: «Wenn trotz öffentlicher Ausschreibung zu einem nicht übersetzten Preis kein Angebot eines Selbstbewirtschafters vorliegt.» Im Kanton Bern müsse jeder BGBB-Kaufvertrag durch das Statthalteramt bewilligt werden. «Der Erwerbspreis gilt als übersetzt, wenn er die Preise für vergleichbar landwirtschaftliche Gewerbe oder Grundstücke in der betreffenden Gegend im Mittel der letzten fünf Jahre um mehr als fünf Prozent übersteigt», zitiert Teuscher den entsprechenden Gesetzesartikel. So läufts im WaadtlandDie Recherche beim Kanton Waadt zeigt: Hier wird das bäuerliche Bodenrecht anders gehandhabt. Daniel Milliou, Vizepräsident und Sekretär der waadtländischen Bodenrechtskommission: «Wir unterscheiden zwischen landwirtschaftlichen Grundstücken mit und ohne Bauten.» Bei landwirtschaftlichen Grundstücken ohne Gebäude gelten – wie im Kanton Bern – maximal festgelegte Preise. Anders bei Grundstücken mit Gebäude. Der Fachmann erklärt den Ablauf des Ospel-Handels: «Nach den öffentlichen Ausschreibungen im kantonalen Amtsblatt und im Lokalblatt ‹Journal du Pays-d’Enhaut› im November 2007 zum Preis von 225'000 Franken gingen beim beauftragten Notar keine Offerten ein.» Damit sei der Verkauf an Nichtlandwirte legitimiert. Ohne Preislimite. «Es gibt nie zwei gleiche Grundstücke, damit keine Vergleichsmöglichkeit und damit keine Preisgrenze.» Das waadtländische Landwirtschaftsamt habe gegen den Verkauf nicht rekurriert. Deshalb sei die Verkaufsbewilligung seit April 2008 rechtskräftig. Preise steigen so oder soWie teuer kam Exbanker Ospel die Vorsass «La Sisounette» zu stehen? «Das ist Privatsache», so Milliou. Und was sagt die waadtländische Bodenrechtskommission zur kantonal unterschiedlichen Handhabung des BGBB? «Auch die Praxis der Kantone Bern und Freiburg, das Abparzellieren von Gebäuden, lässt die Preise ansteigen.» Die Praxis in der Waadt beschränke sich zumindest auf landwirtschaftliche Grundstücke mit Gebäuden. «Doch seit letztem Herbst reicht das kantonale Wirtschaftsamt Rekurse gegen unser Vorgehen ein», gibt Milliou preis. Weil Bauernland trotz bäuerlichen Bodenrechts immer weniger in den Händen der produzierenden Landwirtschaft ist? «Das kann sein. Vielleicht müssen wir die Bewilligungspraxis nach 15 Jahren Gesetzesanwendung ändern. Aber entschieden ist noch nichts!», betont Milliou. Auch EinsprachenZurück nach Rougemont. Dort ist Banker Ospel zwar rechtskräftiger Eigentümer der Vorsass. Aber noch kann er die baufällige Alphütte nicht renovieren. (Er weilt momentan andernorts in den Ferien und war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar.) Die Baupublikation rief Einsprecher auf den Plan, darunter Pro Natura Waadt. Gemäss der Zeitung «24 heures» will man eine wintertaugliche Zufahrt aufs Grundstück verhindern. «Zudem ist nicht wünschenswert, dass ausser landwirtschaftlichem Verkehr weitere Fahrzeuge zirkulieren», begründet Michel Bongard, Sekretär von Pro Natura Waadt die Einsprache. Nichts gegen Ospel«Dass alle Anwohner gegen den neuen Nachbarn Ospel sind, stimmt nicht. In der Umgebung wohnen drei Parteien, nur eine Person ist dagegen», dementiert eine künftige Nachbarin einen Bericht in der Boulevardpresse. «Wenn sich Herr Ospel bei mir vorstellt, lade ich ihn sofort zu einem Kaffee ein», sagt die Frau – und offeriert der recherchierenden Journalistin einen Koffeinschub. Dann erklärt die ganzjährig im abgelegenen La-Manche-Tal lebende Frau: «Auch Banker haben das Recht auf ihr Privatleben – und das Recht, Fehler zu machen.» Sie verstehe gut, dass der einstige Topverdiener sich in die Natur zurückziehen wolle. Sie lebe sehr gerne abseits des Rummels. Ihr sei egal, wer wo wohne. «Hauptsache, ich habe meine Ruhe», so die Deutschschweizerin.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch