Wie der Kies von Balmholz nach Thun gelangt

Thun

Täglich fährt die MLS Balmholz Kies über den See nach Thun. Ein exklusiver Einblick in die Arbeit auf dem Ledischiff.

  • loading indicator

Trüb, dunkel und nass ist es an der Schiffsanlegestelle in Merligen, wo Fred Bhend von der Firma Sorgen bereits auf die MLS Balmholz klettert. Der Lastkahn führt fast täglich circa 180 Tonnen Grobkies vom Steinbruch Balmholz nach Thun zur Löschstelle im Schadau. Dort wird der Kies, der unter anderem als Unterlage für Bahntrassees dient, auf Bahnwagen verladen.

Schiff wird ausnivelliert

Vom dumpfen Brummen des alten Detroit-Diesel-Motors begleitet, erzählt Schiffsführer Hans Kämpf von seiner langen Karriere auf dem Thunersee. Kurz musste er mit dem Lastwagen auf der Strasse fahren, aber das war ihm dann doch zu hektisch. Er schätzt die Ruhe auf dem Wasser. Auch wenn es ab und an rau zu und her geht. Nicht zuletzt, da die Reling nur einige Zentimeter über der Wasseroberfläche liegt. Da könnten schon mal Wellen ziemlich heftig aufschlagen. Fred Bhend ist eher wortkarg. Er steuert die Balmholz geübt Richtung Steinbruch. Dort steigt der Lärmpegel schlagartig. Und es staubt gewaltig. Riesige Hallen und Förderbänder prägen das Bild.

Draussen beginnt ein Förderband zu rattern, und schon füllt sich das Schiff mit Grobkies für die Eisenbahn. Immer wieder muss das Schiff mit einer normalen Wasserwaage ausnivelliert werden, damit es auf der Fahrt dann gleichmässig im Wasser liegt. Kaum ist der grosse Rumpf mit drei grossen Haufen Kies gefüllt, fahren Bhend und Kämpf Richtung Thun. Auf der rund einstündigen Fahrt ist nicht viel los. Hans Kämpf fachsimpelt über sein Hobby, das Treichlemachen. Schnell ist er aber mit den Gedanken wieder auf dem See. Ohne diesen könnte er nicht leben, da macht er keinen Hehl daraus.

Filigrane Arbeit mit dem Kran

Angekommen in Thun, steigt Kämpf in den Kran mit Baujahr 1917 über den Rangiergleisen, und beginnt mit dem Löschen der Ladung. Mit einer grossen Schaufel greift er nach dem Grobkies und hievt Ladung für Ladung in bereitgestellte Bahnwagons. Mit der Schaufel rangiert er zudem den gesamten Zug, damit er mit dem riesigen Kran nicht zu weit fahren muss.

Etwa zweieinhalb Stunden dauert das Abladen des Schiffes, und nach dem Ausspülen des leeren Rumpfes fahren die Seebären noch einmal in den Steinbruch. Fürs Beladen reicht die Zeit noch. In der Nacht liegt die volle MLS Balmholz dann vor Merligen. Von dort aus gehts in aller Früh wieder los.

Thuner Tagblatt

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt