Will der «gute Gast» den Eiger-Express?

Grindelwald

Wer ist der «gute Gast»? In der laufenden Donnerstags-Talk-Reihe der Jungfraubahnen stand er im Zentrum. Wichtig für alle ist, dass er Geld bringt.

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«V-Bahn. Ds Beschta fir Grindelwald un syner Gescht»: Unter diesem Titel laden die Jungfraubahnen bis zum 2.Oktober jeweils am Donnerstag zu einem öffentlichen Chat in eine zentral gelegene Hotellobby ein. Mit Gratisapéro und zu einem bestimmten Thema. Diese Woche war es «Dr ‹gued Gascht›». Gut zwei Dutzend Leute trafen sich auf den Sofas im Hotel Kreuz & Post.

Warum ein Chat? Der Grindelwalder Christoph Schläppi, Leiter Corporate Services bei den Jungfraubahnen, begründete die Idee gut gelaunt mit einer persönlichen Niederlage. Er war einst Kandidat für den Grossrat und unterlag einer damals eher unbekannten Kandidatin namens Dora Andres aus Brienz. Befragt nach ihrem Rezept, erklärte sie, dass sie sich mit Gruppen von Leuten zum Gespräch getroffen habe, die dann gewissermassen ihre Botschafter wurden.

«Gut ist, wer zahlt»

Klar. Bei den Donnerstagschats gehts um die V-Bahn. Und um die Grindelwalder Stimmberechtigten, welche Ja oder Nein zur Planung sagen, die den Eigerexpress und eine neue Männlichenbahn möglich macht. Um Gäste geht es dabei natürlich auch. Sie sind es, die es in Grindelwald zu erhalten und neu zu holen gilt. Es geht um Gäste, die nicht vom Massentourismus vertrieben werden sollen, wobei die Massen es möglich machen, dass Individualgäste mit neuen Infrastrukturen rechnen dürfen. Andreas Kaufmann, VR-Präsident der Gondelbahn Grindelwald-Männlichen und Hotelier, sagt zum «guten Gast»: «Die ‹Gute Gast›-Philosophie erzeugt bei mir immer ein ungutes Gefühl. Jeder Gast ist doch auf seine Art ein guter Gast.» Und Schläppi war im Lauf der angeregten Gespräche sehr pragmatisch: «Gut ist ein Gast, der zahlt.»

Hotelier Urs Hauser sah es differenziert. Für Grindelwald sei der gute Gast jemand, der im Ort wohne und einkaufe. Auch die Hotels kauften vor Ort, ihre Mitarbeitenden zahlten Steuern, die Hotelinfrastruktur werde vom örtlichen Gewerbe unterhalten und saniert. Er wies, das benachbarte Hotel Regina direkt im Blick, darauf hin, dass Grindelwalder Hotels stürben und es schwer sei, Investoren für Sanierungen zu finden.

Was der «gute Gast» vor Ort gern hat, weiss «Klusi-Petsch» Peter Bohren aus jahrzehntelanger Skilehrererfahrung: Besondere Erlebnisse, alpine Beizli an der Piste, Vorzugsbehandlung in Warteschlangen. Mit einem «guten Gast» war Bergführer Marco Bomio vor dem Chat auf dem Mönch gewesen. Er war in den Rummel des «ausverkauften» Jungfraujochs zurückgekehrt. Ein Detail zum Rummel: Manchmal wirds mit der Reinigung der Sanitärbereiche etwas problematisch. «Wir brauchen jedes Jahr 92 bis 93 Prozent neue Gäste», sagte Schläppi. Mitarbeiter Martin Loosli holt sie hauptsächlich im Osten, und er weiss, dass Übernachtungsmöglichkeiten im Chalet-Stil-Dorf Grindelwald gesucht sind.

Anfänger aus dem Osten

Im Sommer Gruppen, im Winter Individualgäste, das scheint in bahnhofnahen Grindelwalder Hotels ein Rezept zu sein. Die Jungfraubahnen denken darüber nach, wie sie Anfängern aus dem Osten Schneefreuden vermitteln kann. Ein Sitzplatz im Bähnli und nach möglichst kurzer Reise die Skis anzuschnallen, scheint ein Bedürfnis aller Wintergäste zu sein. Rund ein Drittel der Chatteilnehmenden waren Hoteliers, und sie plädierten im Interesse ihrer Gäste für den Eigerexpress.

Berner Oberländer

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