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Zügelt Vaporama nach Winterthur?

Um die Thuner Vaporama-Dampfmaschinen buhlen zwei Städte: Grenchen hat schon länger Interesse angemeldet, jetzt wird publik, dass auch in Winterthur ein Projekt auf die Beine gestellt wird. Entschieden ist noch nichts.

Ein Sammlerstück aus dem Vaporama-Fundus. Für die Dampfmaschinensammlung interessieren sich Grenchen und Winterthur.
Ein Sammlerstück aus dem Vaporama-Fundus. Für die Dampfmaschinensammlung interessieren sich Grenchen und Winterthur.
Patric Spahni

Dass der Grenchener Stadtpräsident Boris Banga (SP) die Thuner Dampfmaschinensammlung der Stiftung Vaporama in «seine» Stadt holen möchte, ist seit längerem bekannt. Interesse besteht aber auch anderswo: «Winterthur und Grenchen buhlen um Dampfmaschinen» titelte der Winterthurer «Landbote» in grossen Lettern auf der Titelseite – und schreibt, dass eine Gruppe um den bekannten Winterthurer Industriehistoriker Hans-Peter Bärtschi die Sammlung an die Eulach holen wolle. Bärtschi bestätigt gegenüber dieser Zeitung sein Interesse, sagt aber klipp und klar: «Wir wollen den Vaporama-Stiftungsrat nicht unter Druck setzen. Wir warten seinen Entscheid ab, ob die Sammlung nach Winterthur kommen kann.» Bei einem positiven Bescheid soll ein Verein gegründet werden, um das Projekt voranzutreiben.

«Goodwill vorhanden»

Hans-Peter Bärtschi ist mit der Vaporama-Sammlung seit 30 Jahren verbunden: Er war mitverantwortlich dafür, dass Dampfmaschinen des Winterthurer «Technorama» zur Thuner Sammlung hinzukamen. 1999 und im Frühling 2009 hat er eine Bewertung der Maschinen vorgenommen. Er habe stets eine Thuner Lösung befürwortet. «Aber jetzt ist klar, dass die Sammlung in Thun keine Zukunft hat.» Deshalb setze er sich dafür ein, dass sie in Winterthur gerettet werden könne. Von Seiten des Stiftungsrats Vaporama sei er bereits Anfangs Jahr aufgemuntert worden, in Winterthur einen Standort zu suchen. «Wir haben Abklärungen gemacht. Der Goodwill ist hier gross», sagt Bärtschi. Schlussendlich gehe es aber um Quadratmeter und Franken – und da stehe noch viel Arbeit bevor. An einigen Standorten seien Vorabklärungen getroffen worden. Bärtschi verrät nur soviel: «Möglichkeiten sind vorhanden.» Er kann sich eine Schausammlung in einer KMU-Umgebung vorstellen. Für ihn ist klar: «Ein neues Museum, das die Öffentlichkeit belastet, hätte keine Chance.»

Kosten: 5 Millionen?

Und mit welchen Kosten rechnet der Industriehistoriker? «Es wird wohl nochmals soviel benötigt, wie seit 1982 in die Sammlung investiert wurde: 4 bis 5 Millionen Franken.» Je nachdem, wo das Vaporama angegliedert werden könne, sei auch ein geringerer Betrag denkbar. Für die Finanzierung wären Beiträge des Lotteriefonds und von Privaten nötig. Mit der Stadt Winterthur laufen ebenfalls Verhandlungen. Der Goodwill sei auch hier vorhanden. Zudem hat Stadtpräsident Ernst Wohlwend (SP) eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Die Kosten übernimmt die Stadt. Aber auch bei ihr sind die Mittel beschränkt. Wohlwend sagte gegenüber dem «Landboten»: «Geld haben wir kaum.»

Sammlung aufteilen?

Hans-Peter Bärtschi ist nicht entgangen, dass auch in Grenchen das Interesse an der Vaporama-Sammlung gross ist – und er hatte auch mehrmals Kontakt mit der Stadt Grenchen. Er sagt, er könne sich durchaus vorstellen, dass ein Teil der Sammlung nach Grenchen und ein Teil nach Winterthur gezügelt wird. «Was sicher nicht passieren darf: Dass einzelne Stücke – die Rosinen – verkauft werden», sagt der Winterthurer. Die Kernsammlung müsse erhalten bleiben.

Jürg Schweizer, der sich als mittlerweile pensionierter ehemaliger Leiter der Berner Denkmalpflege seit Jahren mit dem Vaporama befasst, sagt: «Wichtig ist die Gewissheit, dass die Sammlung in gute Hände kommt und eine gesicherte Zukunft hat. Ist das der Fall, sind sowohl Grenchen wie Winterthur sehr valable Standorte.» Den Ausschlag müsse geben, wo es geeignete Liegenschaften gebe, die Erschliessung stimme und die wirtschaftlichen Fundamente für den Betrieb vorhanden seien.

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