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10 Prozent schaffen es ins Inventar

Die kantonale Denkmalpflege hat das Thuner Bauinventar unter die Lupe genommen. Im revidierten Inventar sind mehr Gebäude als erhaltens- und schützenswert eingestuft als bisher.

Dieser Turm aus dem Jahr 1638, der am Aareufer im Schadaupark steht, ist neu ins Thuner Bauinventar aufgenommen worden.
Dieser Turm aus dem Jahr 1638, der am Aareufer im Schadaupark steht, ist neu ins Thuner Bauinventar aufgenommen worden.
Gabriel Berger
Auch dieses Tankstellendach an der Gwattstrasse aus dem Jahr 1960 ist – da «konstruktionsgeschichtlich bedeutend» – im Inventar gelandet.
Auch dieses Tankstellendach an der Gwattstrasse aus dem Jahr 1960 ist – da «konstruktionsgeschichtlich bedeutend» – im Inventar gelandet.
Gabriel Berger
Dieses Wohnhaus an der Schorenstrasse, das im Kern aus dem 17. Jahrhundert stammt, wurde mehrfach verändert und ist nicht mehr im Inventar.
Dieses Wohnhaus an der Schorenstrasse, das im Kern aus dem 17. Jahrhundert stammt, wurde mehrfach verändert und ist nicht mehr im Inventar.
Gabriel Berger
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Auf dem Gemeindegebiet von Thun stehen gemäss einer Statistik vom Januar 2017 12'513 Gebäude. In dieser Zahl enthalten sind nicht nur Wohnhäuser oder Gewerbebauten, sondern etwa auch spezielle Dachkonstruktionen oder Bauten mit einer anderen spezifischen Funktion. Zwischen 2009 und 2016 statteten Vertreterinnen und Vertreter der kantonalen Denkmalpflege, in Kooperation mit der Stadt, all diesen Objekten einen Besuch ab. Bei den Feldarbeiten ging es darum, zu prüfen, ob ein Gebäude immer noch, nicht mehr oder neu als erhaltens- oder schützenswert eingestuft wird. In­zwischen liegt der Entwurf des revidierten Bauinventars (vgl. Kasten) vor.

Unlängst lief auch die Frist für Änderungsanträge ab. Über Zahl und Inhalt der Rückmeldungen gibt die Denkmalpflege wegen des laufenden Verfahrens keine Auskunft. Laut der Fachstelle war der Rücklauf gering und damit «im üblichen Rahmen».

Zahl gestiegen – Quote nicht

Auskunftsfreudiger ist die Denkmalpflege bezüglich der Unterschiede zwischen dem alten Thuner Bauinventar aus dem Jahr 1995 und der nun revidierten Version. Die Zahl der schützens- oder erhaltenswerten Gebäude in Thun ist von 1074 auf 1238 Objekte angestiegen. Weil in derselben Zeitspanne jedoch auch die Gesamtzahl der Gebäude zugenommen hat (von 9900 auf 12'513), ist die Quote der inventarisierten Bauten zurückgegangen – von 10,8 auf aktuell noch 9,9 Prozent.

Andrea Zellweger, die zuständige Inventarisatorin, hält ausserdem fest: «Von den 164 Objekten, die im revidierten Inventar 2018 mehr eingestuft wurden, waren 113 bereits in der Erstinventarisation von 1995 als Anhangobjekte markiert.» Es handle sich dabei um «qualitätsvolle Bauten», die bei der Aufnahme ins Inventar noch nicht 30 Jahre alt seien und deshalb nicht eingestuft würden, da die zeitliche Distanz für eine wissenschaftliche Bewertung fehle.

Spezialfall Johanneskirche

Das aktuell prominenteste Beispiel für ein solches Anhangobjekt ist die Thuner Johanneskirche, die 1995 wegen ihres damals jungen Alters (Baujahr 1965 bis 1967) noch nicht ins eigentliche Inventar aufgenommen wurde. Mittlerweile sind die Kirche, das dazugehörige Pfarrhaus und der Kirchturm im Entwurf des revidierten Bauinventars als schützenswert aufgeführt. Die Einstufung wird rechtskräftig, sobald das Amt für Kultur das Inventar verfügt hat und die Beschwerdefrist abgelaufen ist. Gemäss einer Publikation im «Thuner Amtsanzeiger» wird dies Anfang Juni der Fall sein.

Was fiel raus – was kam rein

Wie schon 1995 untersuchte die Denkmalpflege diverse Aspekte, um zu beurteilen, ob ein Gebäude im Inventar landet. So wurden unter anderen künstlerische (Qualität und Ausdruckskraft der Architektur), kunstwissenschaftliche (stilistische Bedeutung), technische (handwerkliche Ausführung) oder aber historische Kriterien (kultur-, wirtschafts-, oder sozialgeschichtliche Bedeutung) überprüft.

Dass ein Objekt aus dem Inventar fiel, hatte teilweise ganz banale Gründe: Das als erhaltenswert eingestufte frühere Gebäude mit dem Kino Rex an der Aarestrasse wurde abgebrochen. Der Neubau ist für eine Einstufung noch zu jung. In anderen Fällen führte eine Veränderung am Gebäude dazu, dass es nicht mehr inventarisiert wurde.

Andrea Zellweger nennt auch Beispiele von Objekten, die die Denkmalpflege neu eingestuft hat: So ist das Tankstellendach an der Gwattstrasse 26 aus dem Jahr 1960 ein «Prototyp des bekannten Ingenieurs Heinz Isler, der konstruktionsgeschichtlich bedeutend ist». Ebenfalls neu eingestuft wurde der letzte erhaltene von ursprünglich drei Türmen an der ehemaligen Stützmauer am See- und Aare­ufer im Schadaupark.

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