Gewerbe-Parkkarten: Erste Bilanz fällt positiv aus

Thun

Am 1. Mai 2015 startete die Stadt einen Versuch mit speziellen Gewerbeparkkarten. Diese sind offensichtlich ein Bedürfnis: Ausgestellt wurden bisher rund 1400 Tages- und 480 Halbtagesbewilligungen.

Stadt und Gewerbe sind mit der Handwerkerparkkarte zufrieden:?Der zuständige Gemeinderat Peter Siegenthaler (links) mit Daniel Metzler von der Firma Primus, der die Parkkarte zeigt. Diese ermöglicht es ihm, bei einem aktuellen Einsatz im Unteren Bälliz zu parkieren.

Stadt und Gewerbe sind mit der Handwerkerparkkarte zufrieden:?Der zuständige Gemeinderat Peter Siegenthaler (links) mit Daniel Metzler von der Firma Primus, der die Parkkarte zeigt. Diese ermöglicht es ihm, bei einem aktuellen Einsatz im Unteren Bälliz zu parkieren.

(Bild: Patric Spahni)

Wie kann die Parkplatzsituation in der Innenstadt für Handwerker verbessert werden, die für ihre Arbeiten auf ein in der Nähe abgestelltes Fahrzeug angewiesen sind? Auf diese Frage suchten die Stadt und der Gewerbeverein Thuner KMU nach einer Antwort – und fanden diese in diversen Massnahmen, die am 1. Mai 2015 im Sinne eines Versuchs in Kraft gesetzt wurden (wir berichteten, vgl. Kasten).

So können seither bis zu 20 Halb- oder Ganztageshandwerkerkarten ohne fixes Datum bezogen werden, mit denen das Parkieren auch auf ­Feldern für den Güterumschlag möglich ist.

Voraussichtlich im Januar 2016 werde Bilanz gezogen, hiess es beim Start des Versuchsbetriebs vonseiten der Stadt. Wie fällt nun das Fazit des zuständigen Gemeinderats Peter Siegenthaler (SP) aus? «Nach unserem Erachten hat sich die provisorische Lösung gut bewährt», sagt der Vorsteher der Abteilung Sicherheit und Soziales – auch wenn klar sei: «Die Platzverhältnisse bleiben eng, und es braucht gegenseitiges Verständnis und Rücksichtnahme.»

Bereits 1400 Tageskarten bezogen

Dass die speziellen Parkkarten einem Bedürfnis entsprechen, zeigt ein Blick auf die Statistik: Laut Siegenthaler wurden seit dem 1. Mai 2015 insgesamt rund 1400 Tages- und 480 Halbtagesbewilligungen bezogen.

Für Peter Siegenthaler ist klar: «Die unkomplizierten Bezugsmöglichkeiten kommen dem Gewerbe entgegen.» Entsprechend positiv seien die Rückmeldungen sowohl von Gewerblern wie von der Po­lizei. Gröbere Missbräuche habe es nicht gegeben.

Dafür zu Beginn einige Schwierigkeiten mit Marktfahrern, deren Plätze von Handwerkerfahrzeugen besetzt waren. «Da haben wir mit der ­Gewerbepolizei pragmatische Lösungen gefunden», führt der SP-Gemeinderat aus. So werden Handwerker etwa angewiesen, nebst der Parkkarte eine Telefonnummer zu hinterlegen, unter der sie im Notfall erreichbar sind.

Zudem ist in der Regelung klar festgehalten, dass Fahrzeuge, die nicht zwingend für Arbeiten vor Ort verwendet werden, nach ihrem Einsatz sofort auf öffentlichen Parkfeldern oder im Parkhaus abgestellt werden müssen. Ob die Vorgaben eingehalten werden, wird bei den ordentlichen Kontrollen der Securitas überprüft – «bei gröberen Verstössen wird die Kantonspolizei beigezogen», sagt Siegenthaler.

«Parkkarten von allen Seiten geschätzt»

Zufrieden mit den Gewerbeparkkarten ist nicht nur die Stadt – sondern auch das Gewerbe selber. «Aus unserer Sicht darf die getroffene, pragmatische Lösung ebenfalls als Erfolg bezeichnet werden», sagt Peter Soltermann, Präsident der Thuner KMU. Das zeigen seine eigenen Erfahrungen mit seiner Metall- und Glasbaufirma Peter Soltermann AG.

Und das zeigen Nachfragen bei anderen Firmen, etwa in den Bereichen Heizungen und Sanitär, bei Elektrikern oder Unternehmen, die Revisionen von Druckern und Kopierern vornehmen: «Die Parkkarten werden von allen Seiten geschätzt.» Für Soltermann ist klar, dass die derzeitige Lösung beibehalten werden sollte. Er betont, dass dies auch von der Fairness der Kartenbenutzer abhängt – und davon, dass kein Missbrauch betrieben wird. Der Gewerbeverein informiere die Mitglieder denn auch entsprechend vertieft.

Peter Soltermann ist sich bewusst, dass sich mit der Eröffnung des Schlossberg-Parkings im Jahr 2018 so oder so eine neue Situation ergeben wird. Zur Erinnerung: Dannzumal wird ein Grossteil der Parkplätze in der Innenstadt aufgehoben.

Einfach die Parkhäuser zu benutzen, sei oft nicht möglich, da die Servicefahrzeuge zu hoch seien. «Es wird eine Herausforderung, aber wir hoffen sehr, dass wir eine ähnlich gute Lösung finden werden», sagt der Präsident der Thuner KMU.

Der Entscheid wird im Frühling gefällt

Das betont auch Gemeinderat ­Peter Siegenthaler: «Mit der Eröffnung des Parkings im Schlossberg werden wir das Parkregime generell anschauen müssen. Dann wird es wieder darum gehen, für das Gewerbe eine pragmatische Lösung zu finden.» Prognosen will er heute noch keine aufstellen: «Es ist zu früh, um Aussagen über die Auswirkungen für ein spezifisches Segment zu machen.»

Vorläufig gehe es nun um eine Lösung, die bis 2018 Bestand hat. Zurzeit laufe noch eine ver­waltungsinterne Umfrage zu den erweiterten Parkkarten. «Im Grundsatz sind wir dafür, das vorläufig so beizubehalten.» Entscheiden wird der Gesamtgemeinderat. Diesem möchte Siegenthaler das Geschäft spätestens im Frühling vorlegen.

Thuner Tagblatt

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