200 Schüler lernten die Industrie kennen

Thun

Feine Teile zusammenbauen, technische und computergesteuerte Maschinen bedienen: Die zweite Industrienacht in Thun bot dies und noch viel mehr. 200 Schüler und 13 Firmen machten am Freitag mit.

Dominic Scheidegger, lernender Polymechaniker bei der Fritz Studer AG, zeigte den Schülerinnen Corine Baumgardt (l.) und Melissa Sali, wie mit einer Maschine präzise gebohrt wird.

Dominic Scheidegger, lernender Polymechaniker bei der Fritz Studer AG, zeigte den Schülerinnen Corine Baumgardt (l.) und Melissa Sali, wie mit einer Maschine präzise gebohrt wird.

(Bild: Stefan Kammermann)

Dominic Scheidegger weiss, wie es geht. Mit leichter Hand bedient der im zweiten Jahr in Ausbildung stehende Polymechaniker die Maschine, die in Metallteile haargenau Löcher bohrt. Die Fritz Studer AG in Steffisburg ist am Freitagabend eines von 13 regionalen Unternehmen, die an der zweiten Industrienacht Thun Schülerinnen und Schülern Einblick in ihre Produktion und in Ausbildungsmöglichkeiten geben. Gleich im Klassenverbund angereist sind Melissa Sali (14) und Corine Baumgardt (15) aus Bern.

Die beiden Schülerinnen lassen sich von Dominic Scheidegger in die Geheimnisse der Maschine einweihen und sind überrascht, wie wichtig das genaue Arbeiten am Gerät ist. «Ich glaube, das ist nichts für mich», meint Corine Baumgardt und ergänzt: «Ich liebäugle eher mit einem Beruf, bei dem es um die Betreuung von Kindern geht.»

Eine Taschenlampe zum Leuchten bringen

An einem weiteren Posten auf der Betriebstour bei der Fritz Studer AG sind Denis Lena (14) und Zahir Saipi (14), ebenfalls aus Bern, dabei, aus kleinen Einzelteilen eine Taschenlampe zu kreieren. «Das ist gar nicht so einfach», betont Denis Lena. Angeleitet werden die beiden und zahlreiche andere von Luca Schranz, der im dritten Lehrjahr in der Ausbildung zum Automatiker steht. Und tatsächlich: Die beiden Schüler bringen innert kurzer Zeit die Taschenlampe zum Leuchten.

Doch das Zusammenschrauben von kleinen mechanischen Teilen dürfte wohl nicht die Berufsrichtung der beiden Schüler werden. Hochbauzeichner steht bei Denis Lena hoch im Kurs, während für seinen Schulkollegen Zahir Saipi Informatiker im Vordergrund steht.

Rund zweihundert Schülerinnen und Schüler aus dem ganzen Kanton Bern sind an diesem Abend an der Industrienacht in der Region Thun in den unterschiedlichsten Betrieben unterwegs. «Ziel ist es, interessante Arbeits­plätze zu entdecken und hinter die Kulissen von Unternehmen zu blicken», erläutert Manuela Gebert, Präsidentin des organisierenden Vereins Industrienacht Schweiz, die Idee der Veranstaltung.

Werbung für die dualeAusbildung

Für Roger Leuenberger, Leiter Berufsbildung bei der Fritz Studer AG, ist die Industrienacht eine wichtige Plattform als Werbung für die duale Ausbildung. «Vor zehn Jahren war die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen im mechanischen Bereich gross», sagt er.

«Heute müssen wir Werbung machen, um unsere Ausbildungsplätze zu besetzen.»Roger Leuenberger, Leiter Berufsbildung bei der Fritz Studer AG

Also deutlich grösser als die rund zwanzig Lehrstellen, die das Steffisburger Unternehmen in verschiedenen Berufen für eine drei- oder eine vierjährige Lehre pro Jahr anbietet. «Heute müssen wir Werbung machen, um unsere Ausbildungsplätze zu besetzen», so Roger Leuenberger weiter.

Der Luzerner Nationalrat Franz Grüter (SVP) eröffnete die zweite Schweizer Industrienacht in Thun. Bild: Stefan Kammermann

Von Bedeutung, Stärken und Herausforderungen der Schweizer Industrie sprach an der Eröffnungsfeier der Luzerner Nationalrat Franz Grüter (SVP). Er blickte zehn Jahre zurück, auf das Rekordtief des Euro und die damit verbundenen Massnahmen der Nationalbank.

«Es ist erstaunlich, wie die Schweizer Unternehmen diese schwierige Phase gemeistert haben», sagte er. Und stellte gleich die Frage: «Wo stehen wir heute?» Die Schweizer Industrie sei effizienter geworden. Vorab kleine und mittlere Unternehmen hätten es geschafft, Arbeitsplätze zu erhalten. Deshalb ­gelte es auch in Zukunft, auf Zuverlässigkeit, Kompetenz und Innovation zu setzen. Zudem ­würden für die Schweizer Unternehmen auch in der Digitali­sierung grosse Zukunftschancen liegen.

Thuner Tagblatt

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