50 Jahre Bio und kein bisschen müde

Noflen

Seit 1969 baut die Familie Hänni auf ihrem Hof biologisch an. Damals war Bio völlig neu, fremd und umstritten. Doch die Gemüsegärtner im Generationenbetrieb blieben unbeirrt. Hännis Biohof ist ein Erfolgsmodell.

Bernhard Hänni mit Salatköpfen, die wie alles Gemüse auf dem Hof in Noflen biologisch angebaut werden.

Bernhard Hänni mit Salatköpfen, die wie alles Gemüse auf dem Hof in Noflen biologisch angebaut werden.

(Bild: Hans Peter Roth)

«Kein bisschen müde?» Bernhard Hänni lacht. «Unser Jubiläumsfest war eine Riesensache.» Er habe kaum ein Auge zugemacht in den Nächten vor dem Anlass. «Und am Montag musste ich um fünf Uhr wieder ins Büro – wie immer.» Mehrere Tausend Personen hatten das Jubiläums-Hoffest bei Hännis in Noflen besucht. «Seit nunmehr 50 Jahren bewirtschaften wir unseren Betrieb biologisch», sagt der Gemüsegärtner mit Stolz. Anders gesagt: Schon 1969 stellten Hännis auf Biolandbau um. Sie begannen, Produkte anzubauen ohne den Einsatz von Pestiziden und Kunst­dünger.

«Die falsche Richtung»

Dabei war die Landwirtschaft damals «in eine völlig andere Richtung unterwegs», sagt Hänni. «Meine Eltern lagen mit der Umstellung vor 50 Jahren völlig quer in der Landschaft.» Doch schon damals hätten sie erkannt, dass die Entwicklung der industriellen Landwirtschaft mit ihren ausgeräumten Landschaften, Monokulturen und massivem Einsatz an Kunstdünger, Insekten- und Pflanzenvernichtungsmitteln eine «falsche Richtung» einschlage. Den Hof am Chrömeli 62 mussten Bernhard Hännis Eltern 1969 praktisch von einem Tag auf den nächsten übernehmen; dies, nachdem der Grossvater an den Folgen eines Unfalls mit Arbeitspferden gestorben war.

Hans und Käthe Hänni-Liechti wagten den Schritt ins buchstäbliche Neuland und stellten den damals einfachen Betrieb mit Milchwirtschaft und Ackerbau auf Bio um. Ein grosses Wagnis. Zwar gab es damals bereits einige ganz wenige Biohöfe, doch die Erfahrung fehlte. Keine Ausbildung existierte, keine Beratung, kein Biolabel wie heute die Knospe. «Meine Eltern zahlten viel Lehrgeld», sagt Hänni. Es ging auf und ab. Doch unzählige Innovationen – dazu gehört beispielsweise ein pflugloses Anbausystem – brachten den Betrieb voran.

So ist der Hof, den Bernhard Hänni und seine Frau Iris vor zehn Jahren in fünfter Generation übernahmen, zu dem geworden, was er heute ist: zum «Gemüsegarten der Region Thun mit pestizid- und düngerfreiem Anbau in intakter Natur», wie ihn Hännis beschreiben. Der Betrieb setzt für den Absatz der mehr als 140 auf dem Hof produzierten Gemüse- und Kräutersorten ganz auf regionale Vermarktung.

Dazu gehört nebst dem Versand an Adressaten mit «Gemüse-Abo» seit 2010 der Bio-Stadthofladen an der Talackerstrasse in Thun. Auch die 16 Mitarbeitenden kommen allesamt aus der Region. «Es kann nicht sein, dass der Gemüsebau auf dem sozialen Gefälle der Nationen aufbaut», äussert sich Bernhard Hänni zur Tatsache, dass auf seinem Betrieb keine Angestellten aus dem Ausland arbeiten.

Beitrag zum Klimaschutz

Für ihren Einsatz erhielten Hännis 2014 den Innovationspreis des Naturparks Gantrisch und im Jahr darauf den «Grand Prix Bio Suisse 2015» für ihr Anbausystem. «Der hoch dotierte Förderpreis verpflichtet uns, die Innovation weiter zu leben», meint der 41-jährige Gemüsegärtner stolz und sieht sich durch den Dürresommer 2018 bestätigt: «Unser Anbausystem zeigte eindrücklich, was Ressourceneffizienz bedeutet.

Die meisten Kulturen mussten wir nicht bewässern.» Biolandbau sei auch ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz. Dazu passt sein aktuell lanciertes Crowd­funding für den Bau einer neuen Generation von Gewächshäusern. Denn der Bio-Gemüsegarten in Noflen soll künftig auch mit CO2-neutralen Gewächshäusern produzieren.

Kein bisschen müde? «Nein, die Begeisterung ist ungebrochen, es gibt noch so viel anzupacken», antwortet Bernhard Hänni, nicht ohne schalkhaft anzufügen: «Etwas mehr Schlaf könnte ich ab und zu aber trotzdem vertragen.»

Thuner Tagblatt

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