61 Jahre danach: Wiedersehen der Thuner Cupfinalisten

Thun

Max Frischkopf, Heinz Jauner, Otto Dietrich und Heinz Schneiter sind die einzigen noch lebenden Spieler, die vor 61 Jahren mit dem FC Thun den Cupfinal gegen La Chaux-de-Fonds bestritten. Nun kams zum Wiedersehen.

Sie trafen sich 61 Jahre nach dem Cupfinal in Thun: (v.l.) Otto Dietrich, Max Frischkopf und Heinz Jauner.

Sie trafen sich 61 Jahre nach dem Cupfinal in Thun: (v.l.) Otto Dietrich, Max Frischkopf und Heinz Jauner.

(Bild: Patric Spahni)

Es war ein spontaner Entschluss: Max Frischkopf und der in Pension lebende grosse FC Thun-Fan Eddi Hänni, ebenfalls ein früherer Fussballer, hatten die Idee, eine Zusammenkunft mit den noch lebenden Cuphelden von 1955 zu organisieren. Aus dem damaligen 16er-Kader sind in den letzten 61 Jahren zwölf ehemalige Spieler verstorben, vier sind übrig geblieben: Der 85-jährige Max Frischkopf, Otto Dietrich (82), Heinz Jauner (92) und Heinz Schneiter (81).

In einem Thuner Gartenbeizli an der Aare trafen sich die einstigen Kicker, um die Erinnerungen an diesen für Thun fussballhistorischen Tag mit dem Spiel gegen La Chaux-de-Fonds (1:3, siehe Kasten) aufleben zu lassen. Einzig Heinz Schneiter konnte der Einladung nicht Folge leisten: Erst vor drei Tagen wurde er nach einer Operation im Bauchbereich aus dem Spital entlassen. «Ich bin noch zu schwach um nach Thun zu reisen», liess er per Telefon mitteilen.

Fast ausschliesslich wurde am Mittagstisch über Fussball, genauer über den Cupfinal von 1955, gesprochen. Für die drei FCT-Legenden war es der Höhepunkt ihrer Fussballkarriere.

Thun und YB nur noch im TV

Heinz Jauner, mit 92 Jahren der älteste noch lebende Spieler von damals, hatte kurz nach dem Cupfinal den FC Thun verlassen. Der auch heute noch in Bern wohnhafte Jauner macht keinen Hehl daraus, dass er stets ein Berner gewesen sei: «Ich war froh darüber, dass ich nach meinen Thuner Zeiten nicht bei YB, sondern bei meinem Lieblingsklub FC Bern gelandet bin.» Später spielte er noch für den FC Biel. Nicht selten schaut er sich heute Spiele der Erstligisten Breitenrain und Köniz an. «Solche von YB und Thun gibt es für mich nur noch als TV-Konsument.»

Aufregend verlief das Leben von Otto Dietrich. Im Cuphalbfinal gegen Freiburg (1:0) durfte der damals 21-Jährige den im Ausland weilenden Bartesaghi vertreten. «Es war mit dem Trainer Hans Luder abgesprochen, dass ich nach Bartesaghis Rückkehr aus London im Cupfinal auf der Ersatzbank Platz nehmen musste», sagt Dietrich.

Einige seiner Teamkollegen bedauerten den Entscheid des Trainers. Dietrich selbst zog sich schon bald vom Fussball zurück. «Ich setzte voll auf den Beruf, was ich heute nicht bereue», so Dietrich. Beim Schweizer Fernsehen erhielt er eine Anstellung im Bereich Technik. Bei 38 Lauberhornrennen, unzähligen Welt- und Europameisterschaften sowie Olympischen Winter- und Sommerspielen war Dietrich als Techniker im Einsatz. Heute lebt er im Zürcher Oberland.

Szene aus dem Cupfinal 1955: Der Thuner Goalie Roth schnappt sich einen Flankenball des FC La Chaux-de-Fonds. Archiv/TT

Braten vor dem Spiel

Der 84-jährige Max Frischkopf wohnt heute in Steffisburg. Als 17-Jähriger wechselte er vom FC Luzern zu den Thunern. Den Karrierehöhepunkt erlebte er 7 Jahre später, als ihm der Trainer beim Zwischenhalt in Biglen mitteilte, dass er gegen La Chaux-de-Fonds in der Startformation stehen würde. Von Ernährungswissenschaft konnte damals im Restaurant in Biglen keine Rede sein: Kartoffelstock, Braten (aber ohne Sauce, wie Frischknecht betont) und Salat standen auf der Speisekarte.

Dann gings ab ins Wankdorf-Stadion. Fussball steht heute nicht mehr im Mittelpunkt bei Frischkopf. «Erst einmal auf Einladung war ich in der Stockhorn Arena», so der Steffisburger. «Viel lieber schaue ich mir Fussballspiele am TV an.» Er, Dietrich und Jauner sind sich einig, dass eine erneute Cupfinal-Teilnahme des FC Thun durchaus möglich sei. Aber auch, dass das viele Geld den Fussball in den letzten Jahren kaputt gemacht hat...

Berner Oberländer

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt