Asylbewerber mauern im Naturpark

Diemtigtal

Im Regionalen Naturpark Diemtigtal steht eine 155 Meter lange Trockenmauer vor ihrer Vollendung. Asylbewerber aus den Notunterkünften Ittigen und Hochfeld haben sie erschaffen.

In Horboden verbreitern Asylbewerber den Talwanderweg und erstellen eine Trockenmauer.

In Horboden verbreitern Asylbewerber den Talwanderweg und erstellen eine Trockenmauer.

(Bild: Peter Rothacher)

Es ist eine Art Win-win-Situation: Asylbewerber aus Eritrea, Afghanistan, dem Iran, Syrien, Algerien, Tibet und so weiter erhalten eine Beschäftigung, und der Regionale Naturpark Diemtigtal profitiert von für sie günstigen Arbeitskräften. «Die jungen Männer – zum Teil sind sie erst zwei oder drei Wochen in der Schweiz – lernen in einer ersten Phase über solch gemeinnützige Arbeitseinsätze den neuen Lebensraum kennen», sagt Peter Wenger.

Er ist operativer Leiter bei der ORS Service AG, die auf die Betreuung von Asylsuchenden und Flüchtlingen spezialisiert ist. «Wir bieten ihnen einen strukturierten Tagesablauf, indem sie ohne Leistungsdruck etwas arbeiten, etwas kreieren können.»

Es sind zwölf kräftige, junge dunkelhäutige Männer aus der Notunterkunft für Asylsuchende in Ittigen, die an diesem Tag in Horboden am Talwanderweg arbeiten. Das Gesamtwerk wurde mit diversen Programmen – vorwiegend aus der Notunterkunft Hochfeld – erschaffen.

«Das hier im steilen Hang verlaufende Wegstück wird rollstuhl- und kinderwagengängig gemacht. Zudem wird die Böschung oberhalb des Weges mit einer 155 Meter langen Trockenmauer gesichert», erklärt Heinz Lerch als Projektleiter des Parks. «Damit ist bereits im letzten Jahr begonnen worden, demnächst sind diese Arbeiten abgeschlossen. Aber wir sehen noch weitere Möglichkeiten, solch willige Leute mit analogen Projekten im Park zu beschäftigen.»

Etwas, das Bestand hat

Leiter des ORS-Beschäftigungsprogramms ist Thomas Jost. Er betont: «Das hier ist ein ausgesprochen wertvolles Projekt. Die 12er-Gruppe arbeitet in einer reizvollen Gegend, und die Männer erschaffen tatsächlich etwas, sehen am Abend, was sie gemacht haben, und am Schluss steht da ein vollendetes Werk, das Bestand hat.»

Gearbeitet wird in zwei Blöcken zu drei Stunden, und mit einer einstündigen Verpflegungspause, in der die Männer selber kochen, grillieren oder picknicken. «Dabei lernen sie sich gegenseitig in einer lockeren, motivierenden Atmosphäre besser kennen. Die Einsätze basieren auf Freiwilligkeit, und die Zusammensetzung der Gruppe wechselt immer wieder», sagt Thomas Jost.

Das Engagement der Teilnehmer erfolgt tageweise und nach einem Rotationsprinzip. Die Männer erhalten zudem eine Motivationsentschädigung von fünf Franken pro Halbtag.

Deutsche Wörter lernen

Gruppenleiter und Betreuer vor Ort ist Markus Maccaferri. Er sagt: «Das ist eine sinnvolle Arbeit. Die Afrikaner lernen mit unseren Werkzeugen umzugehen. Die Steine für die Mauer holen wir aus dem Bachbett des Chirel. Über die praktische Arbeit mit mir lernen sie zugleich deutsche Ausdrücke kennen.» Und es sind teilweise rechte Brocken, die in die Steinmauer integriert werden. Mit einem breiten Grinsen quittieren die Arbeiter die bewundernden Blicke der Beobachter. Daumen hoch – das Zeichen signalisiert: «Uns gefällts.»

Die Männer sind zwischen 18- und 25-jährig, stammen zumeist aus Eritrea. «Es kommen immer jüngere, stellt der ehemalige Töffmechaniker aus Solothurn fest. «Das hier bietet ihnen zumindest eine Basis – vielleicht erhalten sie ja später einen Job oder können eine Anlehre machen.»

Berner Oberländer

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