Thun

Bärfuss erhält Literaturpreis

ThunAutor Lukas Bärfuss wurde mit dem zweithöchsten Literaturpreis Baden-Württembergs zu Ehren Johann Peter Hebels ausgezeichnet.

Lukas Bärfuss nimmt den Johann-Peter-Hebel-Preis von Claudia Rose vom baden-württembergischen Forschungsministerium entgegen.

Lukas Bärfuss nimmt den Johann-Peter-Hebel-Preis von Claudia Rose vom baden-württembergischen Forschungsministerium entgegen. Bild: Boris Burkhardt

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Johann Peter Hebel habe die Frage beschäftigt: «Was bleibt eigentlich?», sagt Lukas Bärfuss. So meint der gebürtige Thuner Autor und Dramaturg über das «grösste aller Gedichte», Hebels «Vergänglichkeit»: «Die Grösse des Gedichts liegt nicht in der Sprache. Sie liegt in der Sehnsucht, Angst und Hoffnung, die Hebel ausdrückt. Deshalb danke ich sehr für diesen Preis.»

Zur Verleihung des Hebel-Preises war Bärfuss am Dienstag nach Hausen im Wiesental nordöstlich von Basel gekommen, in den Heimatort des alemannischen Dichters, Theologen und Pädagogen, der seine Kindheit teilweise in Basel verbrachte. Der Preis wird an Personen aus dem länderübergreifenden alemannischen Sprachraum verliehen, die im Geiste Hebels schreiben oder forschen.

Eigene Perspektive

Neben der «ästhetischen Qualität» machte der Laudator und Literaturprofessor Hansgeorg Schmidt-Bergmann an Gemeinsamkeiten zwischen Hebel und Bärfuss den «schonungslosen Umgang mit der Wahrheit» aus, die eigene «Perspektive auf die Realität» und den «Gestus der Aufklärung». Als Beispiel für die «konsequente Haltung, wenn nötig auch vom Wege abzugehen», nannte er den «Kulturkampf», den Bärfuss im vergangenen Herbst ausgelöst habe mit seinem Essay über die «Instrumentalisierung der Heimatpflege» in der Schweiz.

Während Claudia Rose vom baden-württembergischen Wissenschaftsministerium meinte, dass Heimat in der heutigen Zeit obligatorischer Mobilität nicht mehr ein Ort sein müsse, sondern sich auch in Sprache, Literatur und Kunst finden lasse, ging Bärfuss noch einen Schritt weiter und verneinte wie eingangs erwähnt die Bedeutung von Sprache für Hebels Dichtung: «Es ist doch vollkommen einerlei, ob der Vater im Dialekt nun Ätti heisst und der Sohn Burst. Die Kraft liegt in dem Bild, dass die beiden in dieser Nacht für alle Zeiten unterwegs sind.»

Johann Peter Hebel (1760–­1826) ist neben seiner Arbeit als Theologe, Pädagoge und Politiker vor allem bekannt für seine «Kalendergeschichten» und die 1803 erschienenen «Allemannischen Gedichte», die erste Veröffentlichung in dieser Dialektfamilie, die Schweizer, Deutsche, Österreicher und Elsässer umfasst. Die Inszenierung des Gedichts «Die Vergänglichkeit», eines poetisch-düsteren Blicks auf einen möglichen Weltuntergang am Beispiel der eigenen Heimat, gehört zu Bärfuss’ ersten Werken als Re­gisseur.

In der Gesellschaft Grosser

er Johann-Peter-Hebel-Preis ist mit 10 000 Euro dotiert und bringt Bärfuss in die Gesellschaft grosser Menschen wie Albert Schweitzer (1951), Carl Jakob Burckhardt (1959) und Marie Luise Kaschnitz. Bärfuss ist nach Kurt Marti (1972) der zweite Preisträger aus dem Kanton Bern. Die Preisverleihung findet alle zwei Jahre im Rahmen des jährlichen Volksfestes zu Hebels Geburtstag in Hausen statt, das von der Hebelstiftung Basel mitorganisiert wird. Bärfuss zeigte sich beeindruckt: «Ein Volksfest zu Ehren eines Dichters – wo gibt es das sonst noch?» Morgen Freitag wird Bärfuss nach Hausen zurückkehren und im Hebelmuseum aus seinen Essays lesen. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 12.05.2016, 11:16 Uhr

Ticketverlosung

Wir verschenken 5×2 Tickets für das Bärfuss-Stück «Vier Bilder der Liebe» vom 18.?Mai. Interessierte schreiben heute Donnerstag eine E-Mail an folgende Adresse (bitte voll­ständigen Namen und Adresse angeben):
verlosungen@thunertagblatt.ch
Die Gewinnerinnen und Gewinner werden ausgelost. Sie werden per Mail informiert und können ihre Tickets an der Abendkasse abholen (Ausweis vorzeigen).

Eine Art Reigen von Lukas Bärfuss

Die KGT bringt zum Saisonabschluss Lukas Bärfuss’ Frühwerk «Vier Bilder der Liebe» am 18.?Mai (19.30 Uhr) ins KKThun. Gespielt wird es vom Landestheater Schwaben Memmingen. Das Stück hat Anlehnungen an den «Reigen» von Arthur Schnitzler, in dem es um den fahlen Nachgeschmack wechselnder Liebschaften von Paaren geht – vermeintlich erotisch aufgeladen, in Wirklichkeit nur das Abbild routinierter Langeweile.

Mittwoch, 18.?Mai, 19.30 Uhr. Einführung um 18.45 Uhr. KKThun. Vorverkauf: Tel. 079 737?60?14 oder abo@kunstgesellschaftthun.ch.

Artikel zum Thema

Bärfuss polemisiert gegen die Schweiz

In einem bissigen Text holt der international bekannte und mehrfach preisgekrönte Schweizer Schriftsteller Lukas Bärfuss zu einem Rundumschlag gegen die Schweiz aus. Mehr...

«Nur das Leiden lässt sich erzählen»

Thun Hat Kunst einen Sinn? Das fragen sich die Schüler des Gymnasiums Thun Seefeld. Der Schriftsteller Lukas Bärfuss bejaht diese Frage. Am Donnerstag war er am Gymnasium zu Gast. Mehr...

Lukas Bärfuss auf Spuren in seiner Heimatstadt

Thun Der Schriftsteller Lukas Bärfuss erhält am Mittwoch den grossen Thuner Kulturpreis. An seine Heimatstadt erinnern ihn viele Erlebnisse. Mehr...

Kommentare

Die Welt in Bildern

Lass mich nicht im Regen stehen: Bundeskanzlerin Angela Merkel wird vom Regen überrascht als sie die Wagner-Oper an den Bayreuther Festspielen anhören will. (25.Juli 2017)
(Bild: Michaela Rehle) Mehr...