Thun

Ende der Abfallberge zumindest in Sichtweite

ThunNach wie vor gibt es am Thunfest, das am kommenden Wochenende stattfindet, kein flächendeckendes Mehrwegbecher-System. Doch dies könnte sich bald ändern.

Ein überfüllter Abfallkorb am Thunfest: Mit einem Mehrwegbecher-System könnte der Abfall deutlich reduziert werden.

Ein überfüllter Abfallkorb am Thunfest: Mit einem Mehrwegbecher-System könnte der Abfall deutlich reduziert werden. Bild: Archiv TT/Hubacher

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Was an vielen Grossanlässen eine Selbstverständlichkeit ist, will am Thunfest nicht so recht klappen: ein Mehrwegbecher-System. Und dies, obwohl die Vorteile augenfällig sind: weniger Abfall und damit tiefere Reinigungs- und Entsorgungskosten und nicht zuletzt ein positiveres Image dank eines sauberen Festgeländes. «Ich sehe keinen Grund, wieso beim Thunfest ein Mehrwegbecher-System nicht auf dem ganzen Stadtgebiet eingeführt werden kann», sagte Abfallexperte Niels Michel von der Kampagnen-Kollektiv GmbH bereits vor einem Jahr. «Das Problem ist die Bequemlichkeit!» Angst vor Umsatzeinbussen und dem Mehraufwand würden von den Wirten und den Veranstaltern nur ins Feld geführt, um nichts machen zu müssen.

Andere machen es vor

Dass es durchaus auch anders geht, machen viele andere Veranstalter vor. An grossen Musikfestivals wie jenes auf dem Gurten sind seit Jahren Mehrwegbecher und Pfandgeschirr im Einsatz. Mit grossem Erfolg. Die Abfallberge konnten massiv verkleinert werden. Aber auch andere Veranstaltungen, die mit dem Thunfest vergleichbar sind, scheuen den Aufwand eines Mehrwegbecher-Systems nicht. «Wir haben Mehrweggeschirr verwendet und waren sehr zufrieden», sagt beispielsweise Roger Tinner, Geschäftsführer des Eidgenössischen Musikfests in St.Gallen, das vor rund anderthalb Monaten stattgefunden hat. 6900 Cüplibecher, über 20'000 Kaffeetassen und 85'000 Bier- und Mineralbecher hatte das Mehrwegunternehmen Cup and more geliefert. Das Mehrweggeschirr wurde auf dem Festgelände in einer mobilen Anlage gereinigt.

Beim Luzerner Fest, das aus dem Altstadt- und dem Seenachtsfest hervorgegangen ist und Ende Juni über 100'000 Besucher anlockte, setzt man seit drei Jahren auf biologisch abbaubares Wegwerfgeschirr. Es wird bei der Rückgabe entsprechend aussortiert. «Sehr gute Erfahrungen haben wir mit dem Depotsystem gemacht», sagt Patricia Diermeier, die Medienverantwortliche des Luzerner Festes. Das Geschirr konnte an allen Ständen, aber auch an speziellen Rückgabestellen abgegeben werden. «Dieses Jahr haben wir zudem erstmals auch sämtliche fremdvermieteten Stände dazu verpflichtet, das Depotsystem zu übernehmen», sagt Diermeier.

Macht Beispiel Bern Schule?

In Thun ist man sich der Abfallproblematik durchaus bewusst und schlägt einen vergleichbaren Weg wie die Stadt Bern ein. Dort wurde im Mai 2007 ein neues Abfallreglement eingeführt. Damit schufen Gemeinde- und Stadtrat die rechtliche Grundlage, die Grossveranstalter, welche einen Anlass auf öffentlichem Grund organisieren, zu einem Mehrwegbecher- und Pfandsystem zu verpflichten. «Eine stadtinterne Arbeitsgruppe arbeitet zurzeit ein neues Abfallreglement aus», sagt Thuns Gewerbeinspektor Reto Keller. Darin soll – nach dem Vorbild von Bern – ein Mehrwegbecher-System bei Grossveranstaltungen verbindlich vorgeschrieben werden. Werden denn die neuen Bestimmungen bereits am Thunfest 2012 zum Tragen kommen? «Das kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen», so Keller. Das letzte Wort habe der Stadtrat. Das revidierte Reglement sei aber auf einem guten Weg. Die Stadt Thun hat ein grosses Interesse, die Abfallberge zu minimieren, beteiligt sich doch das Tiefbauamt und damit der Steuerzahler mit 40 Prozent an den Reinigungskosten beim Thunfest.

Auf taube Ohren gestossen

Zu denken, die Stadt Thun, aber auch die Thunfest-Organisatoren hätten in den letzten Jahren beim Thema Abfall die Augen geschlossen und die Hände in den Schoss gelegt, wäre falsch. So werden die Wirte, welche mit Mehrwegbechern arbeiten, finanziell entschädigt. «Sie bekommen 200 Franken», sagt OK-Präsident Matthias Harte. Auf dem Aarefeldplatz und dem Rathausplatz sind Mehrwegbecher im Einsatz. Und im vergangenen Jahr wurden die Tankstellenshops angeschrieben, um sie dazu zu bringen, sich an den Entsorgungskosten zu beteiligen, weil erheblicher Abfall durch mitgebrachte Getränke entsteht. Die Aktion war ein Schuss in den Ofen. «Den Grossverteilern und Tankstellenshopbetreibern ists egal, was mit ihren leeren Flaschen und Dosen passiert», sagt Keller. Und OK-Präsident Harte doppelt nach: «Ohne rechtliche Grundlagen wird es ganz schwierig. Deshalb begrüssen wir es, dass die Stadt ein neues Abfallreglement ausarbeitet.» (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 06.08.2011, 11:33 Uhr

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